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Mittelsachsen Spitze beim Stilllegen von Zugstrecken

Eine Studie soll den Aufwand für die Wiederbelebung der Strecke Döbeln – Meißen zeigen. Sie ist aber nicht pünktlich fertig.

ine einmalige Sonderfahrt vor knapp einem Jahr auf der Strecke Döbeln – Meißen hat das große Interesse an der Wiederbelebung der Verbindung gezeigt.
ine einmalige Sonderfahrt vor knapp einem Jahr auf der Strecke Döbeln – Meißen hat das große Interesse an der Wiederbelebung der Verbindung gezeigt. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Mehr als 20 Prozent der Schienenwege sind im Freistaat Sachsen stillgelegt worden. Die Strecke, die die Deutsche Bahn und deren Tochterunternehmen befahren, beträgt noch 2.131 Kilometer. Das habe eine Anfrage der Linken im Bundesverkehrsministerium ergeben, so die Marika Tändler-Walenta, Linken-Abgeordnete im sächsischen Landtag.

„Mittlerweile sind allein in Mittelsachsen schon neun Schienenwege mit insgesamt 150 Kilometern Länge weggefallen. Sachsenweit nimmt der Landkreis damit den traurigen Platz eins ein, dicht gefolgt von Bautzen mit 145,25 Kilometern und Zwickau mit 116 Kilometern“, so Tändler-Walenta. Die Bewohner im ländlichen Raum fühlten sich verkehrstechnisch abgehängt und das auch zurecht, denn die Stilllegung von Schienenwegen habe vorwiegend im ländlichen Raum stattgefunden.

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„Der Verfall öffentlicher Infrastruktur ist aus meiner Sicht auf Profitlogik und Privatisierungsdruck zurückzuführen. Zudem ist es sehr kritikwürdig, dass es seitens der Bundesregierung bisweilen keine Pläne gibt, die bereits stillgelegten Strecken wiederzubeleben“ so Tändler-Walenta, die auch Kreisvorsitzende der Linken in Mittelsachsen ist.

Direkte Anbindung gefordert

Deshalb fordere die Partei auch den Ausbau und die Reaktivierung vorhandener Schienenwege und die damit verbundene Wiederbelebung verlassener Bahnhofsgebäude und deren gastronomischer Einrichtungen, sagt Marika Tändler-Walenta und rennt damit beim SPD-Landtagsabgeordneten Henning Homann die sprichwörtlichen offenen Türen ein.

Bereits seit mehr als vier Jahren setzt er sich mit anderen Akteuren für die Wiederinbetriebnahme der Verbindung zwischen Döbeln und Meißen über Roßwein mit direkter Anbindung nach Dresden ein. Vor eineinhalb Jahren sind im sächsischen Landeshaushalt 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. „Doch die reichen nicht, weil die Verantwortung noch bei den Verkehrsverbünden liegt“, so Homann.

Döbeln immer im Hintertreffen

Ziel ist es nicht nur, die Zugverbindung wieder zu aktivieren, sondern auch eine Landesverkehrsgesellschaft zu gründen, in der Entscheidungen für den gesamten Freistaat getroffen werden. Letzteres ist inzwischen im Koalitionsvertrag verankert.

Bisher hat jeder der drei Verkehrsverbünde Dresden, Leipzig und Chemnitz seine eigenen Prioritäten. „Da Döbeln an der Schnittstelle der drei liegt, sind unsere Interessen nie ausreichend berücksichtigt worden“, so Homann.

Im Herbst vergangenen Jahres hat das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr nun die Entwicklung eines Konzeptes in Auftrag gegeben, in dem erarbeitet werden soll, welcher Aufwand und wie viel Geld nötig sind, um die Strecke von Döbeln nach Dresden, über Meißen so zu aktivieren, dass die Fahrgäste in einer akzeptablen Zeit ihr Ziel erreichen. „Die Abbestellung des Zuges war lokalpolitisch die größte Fehlentscheidung in den vergangenen zehn Jahren“, meint Homann.

Das Gutachten war bis Ende März avisiert worden. Aber es lässt noch auf sich warten. „Das Ergebnis der Studie soll voraussichtlich Ende Mai 2020 vorliegen“, erklärt Kathleen Brühl, Referentin im Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, auf Anfrage von saechsische.de. Daher könnten zur Höhe der Investitionssumme derzeit keine Angaben gemacht werden.

„Die Wiederbelebung der Strecke wäre nicht nur ein bedeutender Schritt im Sinne der Verkehrswende, sondern auch im Hinblick auf die Lebensqualität der Bewohner von Mittelsachsen“ sagt Marika Tändler-Walenta.

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