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Corona: Wie der Mittelstand der Krise begegnet

In den Betrieben zwischen Reichenbach und Rothenburg wird produziert. Aber weniger Aufträge und Lieferengpässe zwingen zu Entscheidungen.

Ulrich Dedeleit ist Geschäftsführer von Lausitz Elaste in Rothenburg. Das Unternehmen ist breit aufgestellt und kann auf eine gute Auftragslage verweisen. Wie lange das aber noch so bleibt, kann der Geschäftsführer nicht sagen.
Ulrich Dedeleit ist Geschäftsführer von Lausitz Elaste in Rothenburg. Das Unternehmen ist breit aufgestellt und kann auf eine gute Auftragslage verweisen. Wie lange das aber noch so bleibt, kann der Geschäftsführer nicht sagen. © André Schulze

Wir sind mit unseren Produkten breit aufgestellt, sagt Ulrich Dedeleit, Geschäftsführer von Lausitz Elaste. Diese Tatsache lässt  ihn in Krisenzeiten nachts ruhig schlafen. Seine Gummierzeugnisse gehen als Zulieferung an Hersteller von Armaturen, Schienenfahrzeugen, Automobilen bis hin in die Konsumgüterfertigung. "Würden wir nur für die Autoindustrie produzieren, wäre hier schon Schluss", ist sich der Chef sicher. 

Ulrich Dedeleit ist sich sicher, dass auch im April dreischichtig gearbeitet wird und Kurzarbeit kein Thema für seinen Betrieb ist. Dennoch wartet er auf Strategien von Land und Bund, wie es nach dem 20. April in der Wirtschaft weitergeht. Bis dahin ist die Allgemeinverfügung befristet.

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Polnische Arbeiter fehlen

Die Folgen von Corona hinterlassen auch bei ihm Spuren im Produktionsablauf.  "Unsere polnischen Beschäftigten sind über Ostern zu ihren Familien gereist. Sicherlich werden sie sich in Quarantäne begeben müssen, so wie es Polen verfügt hat. Das heißt, dass wir die nächsten zwei, drei Wochen ohne sie auskommen müssen", berichtet Dedeleit.  

Größere personelle Sorgen hat gegenwärtig die Geschäftsführung von Metallbau Schubert in Markersdorf. "Wir haben den dreifachen Krankenstand gegenüber normalen Zeiten", sagt Geschäftsführerin Kerstin Thun. Auch wenn sie froh ist, dass bisher kein Corona-Fall darunter ist, schmerzt sie doch dieser Krankenstand. Auf die Gesamtzahl der Belegschaft bezogen heißt das, dass jeder vierte Beschäftigte jetzt krank geschrieben ist. Sonst ist es jeder zehnte. 

Aufträge sind weniger geworden

Das Markersdorfer Unternehmen steht auf drei Standbeinen: Stahlbau, Metallbau und Haustechnik. Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich zuerst im Stahlbau. Viele Walzwerke in Europa sind geschlossen und den Speditionen fehlen die Fahrer. "Wir haben es nicht nur mit Lieferproblemen zu tun, auch kommen weniger Anfragen und Aufträge", schildert die Geschäftsführerin die Lage. Mit der Konsequenz, dass im Stahlbau Kurzarbeit vorbereitet wird. Dennoch ist das Bestreben da, jeden Mitarbeiter im Betrieb zu halten, wie beispielsweise mit besonderen Arbeitszeitmodellen.  Kerstin Thun und Dirk Schubert als die beiden Geschäftsführer sind überzeugt, dass "wir nur zusammen die Situation gut bewältigen werden, wenn wir alle bei Metallbau Schubert an einem Strang ziehen".

Als "schwierig für alle" schätzt Knut-Heinz Weiner die Situation für seinen Betrieb ein. 22 Beschäftigte zählt seine Firma für Stahl- und Metallbau in Ludwigsdorf. "Bei uns ist bereits Kurzarbeit angesagt. Wenn das so weitergeht, werde ich um Entlassungen nicht umhinkommen, weil uns Arbeit fehlt", so der Firmenchef. Bereits im Februar gingen die Aufträge zurück, im März kamen kaum neue hinzu.  

Nicht noch einen Kredit

Dazu kommen, dass Material nicht geliefert werden kann und dass der eigene Aktionsradius aufgrund geschlossener Grenzen stark eingeschränkt ist. "Wir haben Aufträge aus Polen, aber die können wir derzeit nicht bedienen. Neue Aufträge bleiben von polnischer Seite aus." In dieser brenzligen Lage könnte Knut-Heinz Werner zwar finanzielle Hilfe beantragen. "Aber was nützt mir diese, wenn ich sie zurückzahlen muss?", fragt er. Weiner hat erst in seine Firma investiert und dafür einen Kredit aufgenommen. Nun soll er sich erneut verschulden?  

Dass die wirtschaftliche Situation in einer Branche recht unterschiedlich ist, zeigt der Vergleich mit der deutschen Niederlassung der in der Schweiz ansässigen Skan AG. In dem Görlitzer Unternehmen wird ebenfalls Metall verarbeitet, aber die gefertigten Reinraumausrüstungen und Isolatoren sind für die pharmazeutische Industrie bestimmt.  Und diese boomt. 

Vorlauf reicht für das Jahr

Niederlassungsleiter Mario Ludwig spricht von einer Leistungsfähigkeit von 80 Prozent, die in der Firma gegeben ist. "Wir haben einzelne Verzögerungen, was der Liefertätigkeit geschuldet ist. Insgesamt gesehen, ist das aber noch akzeptabel", sagt er. Durch den Auftragsvorlauf ist die Arbeit für dieses Jahr bisher abgesichert und Kurzarbeit damit kein Thema. 

Bei TVS Fenstertechnik in Reichenbach ist die Lage "den Umständen entsprechend gut", schätzt Geschäftsführer Norbert Liebig ein. "Wir haben noch Aufträge", ergänzt er. Als Fensterhersteller sind die Reichenbacher jedoch nur ein Glied in der Kette der  Bautätigkeiten. Deshalb ist es für den Geschäftsführer wichtig, dass die Fenster nicht nur seinen Betrieb verlassen, sondern auf den Baustellen auch montiert werden. 

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Auch ihm fehlen derzeit die polnischen Mitarbeiter, die in ihrem Heimatland sind. Dennoch schätzt Norbert Liebig ein, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Nur bei längerer Dauer der von Corona verursachten Krise wird es für seinen Betrieb mit 25 Beschäftigten kritisch. Besonders dann, wenn die Zulieferer ausfallen und auf den Baustellen nichts mehr passiert. 

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