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Mitten in der Nacht Gräber geschändet

Um an Kupfer zu gelangen, zerstörten zwei Männer in Heidenau Gräber. Das Leid der Hinterbliebenen ist immens und kann mit Strafe nur materiell entschädigt werden.

© dpa

Von Friederike Hohmann

Frau L. traute ihren Augen nicht, als sie am 20. August vorigen Jahres an das Grab ihres Mannes trat. Da hatte doch tatsächlich jemand den Kupferring, auf dem der Namenszug und die Daten des Verstorbenen angebracht waren, aus dem Grabstein herausgebrochen.

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Warum jemand so etwas tut, versteht sie bis heute nicht. „Das ist ja kein Wert, dass man das rausreißt und ein Grab schändet“, sagt die 80-jährige Zeugin vor Gericht. „Man muss doch ein bisschen Ehrfurcht haben vor den Toten und den Angehörigen.“ Man merkt ihr noch jetzt den Kummer an, den ihr die Zerstörung bereitete. Wer dafür verantwortlich ist, kam im Oktober 2019 heraus, als Andre K. und Nick G. bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt wurden. Bei de Hausdurchsuchungen kam einiges Diebesgut zum Vorschein. Die beiden Tatverdächtigen kamen kurzzeitig in Untersuchungshaft.

Andre K. hat die Tat am Grab von Frau L.s Mann zu verantworten. Bei ihm fand man auch teure Gartenpflege-Geräte, die dem Besitzer eines Hausmeisterservice im November 2018 bei einem Garageneinbruch in Dresden-Leuben gestohlen worden waren. Ob Andre K. die Geräte selbst gestohlen oder dem Dieb wohlwissend, dass es sich um Diebesgut handelte, abkaufte, ließ sich nicht ermitteln. Der 36-Jährige Deutsche hatte zudem 42 Münzen aus der Wohnung seines verstorbenen Vermieters gestohlen.

Zusammen mit dem 28-jährigen Deutschen Nick G. war Andre K. voriges Jahr mehrmals auf Diebeszug gegangen. Jeweils kurz nach Mitternacht zogen sie los. Auf dem Friedhof Nordstraße vermisste an einem Morgen Anfang August 2019 die Friedhofsgärtnerin ihren Handwagen und eine Metallkiste. Später bekam sie das von Andre K. zum Fahrradanhänger umgebaute Gefährt von der Polizei zurück und benutzt es nach abermaligem Umbau wieder.

Der Schaden, den die beiden Männer Anfang Oktober 2019 auf dem Südfriedhof anrichteten, war erheblich. Sie stemmten von der Mauer des Grabes einer Familie Buchstaben ab, brachen von einem Grab eine Rose aus Bronze ab und von zwei anderen die Grablaternen. Außerdem fehlten zwei Grabkreuze. In der gleichen Nacht stiegen sie auch in das Gebäude der Friedhofsverwaltung ein und stahlen einen Computer samt Tastatur und Maus.

Am nächsten Tag hatten sie es auf die Gärten direkt hinter dem Friedhof abgesehen und sich in einem Schuppen schon einen Rasenmäher, eine Säge und ein Kabel zum Mitnehmen bereitgelegt. Anwohner aber hatten die Polizei gerufen. So wurde beiden das Handwerk gelegt. Als sie geschnappt wurden, hatten beide Drogen bei sich, Nick G. handelte damit.

Für die Staatsanwältin wiegt am schwersten, was die beiden Angeklagten den Hinterbliebenen angetan haben. Es sei ihnen nur um das Metall gegangen, das beim Schrotthändler lediglich ein paar Euro einbringt. Allein die Reparaturen kosteten mehrere Tausend Euro. Der seelische Schaden aber sei für die Betroffenen immens. Darüber hätten sie sich offensichtlich keine Gedanken gemacht. Deshalb handelt es sich um Grabschändung.

So sieht es auch die Richterin. Die Haftstrafen von einem Jahr und sechs Monaten für Andre K. und einem Jahr und zwei Monaten für Nick G. setzt sie trotz der Vorstrafen beider Angeklagten für drei Jahre zur Bewährung aus. Die Begründung: Wenn beide Männer arbeiten und Geld verdienen, haben die Opfer wenigstens die Chance, den materiellen Schaden ersetzt zu bekommen. Andre K., der seit wenigen Tagen als Produktionshelfer arbeitet, muss 600 Euro an die Staatskasse und 3.200 Euro an die Geschädigten zahlen. Der als Bautischler tätige Nick G. soll 800 Euro an die Staatskasse und 2.350 Euro an die Geschädigten überweisen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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