merken
PLUS Döbeln

Klinik Mittweida bessert auf ITS nach

Die Bedingungen für die Behandlung von hochinfektiösen Patienten wurden optimiert. Pro Jahr werden knapp 700 Patienten auf der ITS behandelt.

Ein Blick auf ein Zimmer auf der Intensivstation am Krankenhaus in Mittweida.
Ein Blick auf ein Zimmer auf der Intensivstation am Krankenhaus in Mittweida. © LMK

Mittelsachsen. Am 3. Januar stand das Leben der Seniorin auf dem Spiel. Sie musste reanimiert werden, kam auf die Intensivstation des Krankenhauses Mittweida. Dort wurde sie nach erfolgreicher Reanimation beatmet. Ihr Zustand war schwierig. Sie musste auf dem Bauch liegen, damit sie ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Darüber hinaus war nicht klar, ob durch den Kreislaufstillstand eine Hirnschädigung eingetreten war. Ursache für das Leiden der Seniorin: ein Virusinfekt, lange vor Corona.

Nach vier Tagen musste die Patientin nicht mehr täglich auf den Bauch gedreht werden. Aber sie brauchte lange, bis sie wieder selbstständig atmen konnte. Fast 40 Tage verbrachte sie auf der ITS, dann konnte sie sie in die Rehaklinik verlegt werden. Anfang Juli erhielt die Klinik Post von der rüstigen Dame. Ihr gehe es wieder besser. Bloß noch ein bisschen Schwäche in den Beinen, schreibt die 75-Jährige.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Sie ist eine von knapp 700 Patienten, die pro Jahr auf der ITS der Klinik behandelt werden. Und sie ist eine von den 90 Prozent, die die ITS lebend verlassen. Sie hat den Weg „Zurück ins Leben“ gefunden. So lautet auch das Motto des diesjährigen Tages der Intensivstation am 20. Juni. Besonders durch die Corona-Krise erhalten die ITS in diesem Jahr an jenem Tag noch mehr Aufmerksamkeit. Denn gerade die Mitarbeiter dort waren während der Krise besonders gefordert, auch in der Region.

>>>Zum Thema Coronavirus in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Im Krankenhaus Mittweida hat die Krise aber auch zu einer Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten geführt. Denn bisher war die ITS des Hauses nicht optimal für die Behandlung von hochinfektiösen Patienten ausgelegt, wie Privat-Dozent Dr. med. Wolfgang Heinke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, informiert.

„Bestimmte bauliche Voraussetzungen für die Behandlung hochinfektiöser Patienten sind auf unserer Intensivstation nicht gegeben“, beschreibt der Mediziner die Situation anlässlich des Tages der Intensivmedizin am 20. Juni. Doch das hat sich inzwischen geändert. Durch Nachrüstung bestimmter baulicher Strukturen ist Abhilfe geschaffen worden, ergänzt Heinke.

Vier zusätzliche Betten auf der ITS

Normalerweise betreibt das Krankenhaus Mittweida acht Intensivbetten. Während der Corona-Krise sind vier weitere Betten dazugekommen. „Um die prognostizierte hohe Patientenzahl zu bewältigen“, begründet der Ärztliche Direktor. Die zusätzlichen Betten seien aber bisher nicht für die Behandlung von Corona-Patienten benötigt worden. „Wir hoffen, dass die Pandemie sich so entwickelt, dass diese Betten auch künftig nicht gebraucht werden“, sagt Heinke. 

Doch frei von Corona-Patienten ist das Krankenhaus nicht geblieben. Während der Hochphase der Pandemie habe es auch auf der ITS in Mittweida Patienten mit dem Virus gegeben, die behandelt werden mussten. Nicht nur aufgrund der baulichen Gegebenheiten eine besondere Herausforderung für das Haus, sondern auch in personeller Hinsicht.

Ausgezeichnet für den Umgang mit Angehörigen

„Korrekter Umgang mit der Schutzausrüstung, das Arbeiten in der Schutzausrüstung bei anspruchsvollen Tätigkeiten am Patienten, Konzepte der Personaltrennung und auch Konzepte bei Personalausfall sind zu bewältigen gewesen“, schildert der Mediziner die Schwierigkeiten, die es in personeller Hinsicht zu bewältigen gab. Knapp 30 Ärzte und überwiegend speziell ausgebildete Pflegekräfte versorgen in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin die Patienten. Auch für diese, wie für die Angehörigen, war die Zeit während der Corona-Pandemie nicht leicht, vor allem aufgrund des Besuchsverbots.

„Intensivpatienten benötigen für ihre Genesung die sozialen Kontakte zu ihren Angehörigen und auch die Ärzte und die Pflege benötigen die Kommunikation mit den Angehörigen“, erklärt Heinke. Vieles lasse sich zwar per Telefon klären, aber manche Botschaften ließen sich in der direkten Kommunikation doch besser überbringen. Gerade die Bindung zu den Angehörigen sei der Klinik besonders wichtig, ergänzt Ines Schreiber, die Sprecherin der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH. Die Familienmitglieder sollen, bei Bedarf auch Tag und Nacht, in Entscheidungen in Bezug auf Behandlung und Pflege der Angehörigen mit eingebunden werden.

Erschöpft und dehydriert

Für 14 Patienten ist normalerweise Platz auf der ITS der Helios-Klinik in Leisnig. Dort standen während der Pandemie acht Intensiv- sowie sechs IMC-Betten für Patienten, die eine Zwischenpflege benötigen, zur Verfügung. Bei Bedarf hätten diese um drei erweitert werden können, Beatmungsplätze um weitere sechs. Das Personal wurde dafür extra geschult. 

Auch in Leisnig wurden mehrere Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Erschöpft und dehydriert, so beschrieb Leiter Matthias Cyrnik seine Mitarbeiter, wenn sie nach ihrem Dienst die ITS an der Helios-Klinik in Leisnig verlassen. Denn Essen und Trinken sind auf der Station nicht erlaubt, auch den Gang zur Toilette verkneifen sich manche. Denn. „Nach jedem Verlassen der Station muss die Schutzkleidung getauscht, neue angezogen werden“, erklärt der 53-Jährige, der auf der ITS knapp 30 Mitarbeiter um sich hat. 

Deshalb würden die meisten Kollegen versuchen, sich einzuschränken. Als besonders anstrengend schilderte der Leiter der ITS das Lagern der Patienten. Denn wer an dem Coronavirus leide und intensivmedizinisch behandelt wird, der liegt am besten auf dem Bauch. So kann sich die Lunge erholen. Doch das regelmäßige richtige Lagern der Patienten ist ein Kraftakt für die Mitarbeiter, vor allem bei Patienten, die 100 Kilo und mehr auf die Waage bringen.

ITS-Kapazität in Freiberg verdoppelt

Umfangreiche Umstellungen gab es während der Corona-Krise auch auf der ITS am Kreiskrankenhaus in Freiberg. Ab dem 23. März hatte das Krankenhaus zwei getrennte Intensivstationen bereitgestellt, um beatmungspflichtige Corona-Patienten oder Verdachtsfälle getrennt von den übrigen Intensivpatienten behandeln zu können, informierte Dr. Ulrike Träger, Sprecherin der Vereinigten Gesundheitseinrichtungen Mittelsachsen mbH. Entsprechende Notfalldienstpläne mit zwei getrennten Intensivbesetzungen wurden erstellt. Gleichzeitig ist durch eine Veränderung der Organisation die ITS-Kapazität am Haus verdoppelt worden. Darüber hinaus sind zwei Stationen als Isolierstationen eingerichtet worden. „Glücklicherweise blieb die erwartete große Welle bisher aus und große Teile der Isolierstationen standen leer“, sagte Träger.

Über 80-Jährige von Corona geheilt

Anfang Mai gab es zudem eine weitere gute Nachricht aus dem Haus. Eine über 80-jährige Seniorin konnte nach einer überstandenen Corona-Infektion die Klinik wieder verlassen. Anfang April war die Seniorin über die Corona-Notaufnahme ins Kreiskrankenhaus Freiberg stationär aufgenommen worden. Sie wurde zunächst auf der Isolierstation behandelt. Doch bereits einen Tag nach der Aufnahme verschlechterte sich ihr Zustand. Nach fast drei Wochen erhole sich die Lunge der Frau. Ende April konnte die künstliche Beatmung abgestellt werden, der Beatmungsschlauch wurde entfernt. Nach einiger Zeit aus der Isolierstation konnte sie das Krankenhaus als geheilt von Covid-19 wieder verlassen. 

Unter Leitung von Chefarzt Dr. med. Christoph Uhrlau werden jährlich mehr als 900 Patienten auf der interdisziplinären Intensivstation des Krankenhauses betreut. Dort stehen normalerweise nach Klinikangaben 16 Betten, davon zwölf Beatmungsplätze, zur Verfügung. (mit sig)

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln