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Bautzen

Millionen-Investition in Großpostwitz

Auch in Corona-Zeiten kommen aus der Wirtschaft gute Nachrichten. Für eine sorgt der Fahrzeugausrüster Miunske.

Gute Nachricht vom Fahrzeugausrüster Miunske in Großpostwitz: Dank einer neuen Fertigungslinie für Leiterplatten kann das Unternehmen jetzt schneller auf Kundenwünsche reagieren.
Gute Nachricht vom Fahrzeugausrüster Miunske in Großpostwitz: Dank einer neuen Fertigungslinie für Leiterplatten kann das Unternehmen jetzt schneller auf Kundenwünsche reagieren. © PR/Firma Miunske

Großpostwitz. Die Stimmung in der Wirtschaft tendiert zum Nullpunkt, Zehntausende Beschäftigte arbeiten verkürzt, in einigen Branchen droht eine Pleitewelle, Unternehmer beklagen fehlende Aufträge. Und doch gibt es auch in diesen Zeiten gute Nachrichten. Eine kommt jetzt von der Miunske GmbH in Großpostwitz. Der Fahrzeugausrüster investiert 1,4 Millionen Euro in eine neue Fertigungslinie für Leiterplatten.

Solche kleinen Vierecke voller Elektronik sind nichts Neues, eine kleine Revolution aber ist die Großpostwitzer Produktionsanlage. Geschäftsführerin Katrin M. Miunske erklärt den entscheidenden Vorteil: „Wir Fahrzeugentwickler arbeiten ja immer sehr zeitgetrieben. Die neue Technik ermöglicht wesentlich kürzere Fertigungszeiten. Auch Kleinserien mit Mengen unter 1.000 Stück, für die andere Firmen gar nicht erst die Maschinen anwerfen, können wir so schneller und zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten.“

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Fahrzeugelektronik aus dem 1996 gegründeten Familienunternehmen steckt unter anderem in Lkws, Traktoren, Krankenwagen, Feuerwehren und Bussen, gebaut in aller Welt. Mittlerweile bestellen Kfz-Hersteller und -ausrüster aus etwa 30 Ländern elektronische Bauteile bei den Großpostwitzern, deren Auftragsbücher die aktuellen Trends spiegeln: Immer mehr Funktionen in den Fahrzeugen erfordern deutlich mehr Elektronik-Bauteile. Die müssen aber auf gleichem oder sogar geringerem Raum als bisher verbaut werden. „Die Herausforderung lautet also“, sagt Miunske-Pressesprecherin Bettina Miska, „Elektronik-Baugruppen wie Leiterplatten so kompakt wie möglich und individuell für das Nutzfahrzeug produzieren zu können.“

Neue Arbeitsplätze entstehen

Genau das ermöglicht die neue Fertigungslinie. Dabei werden die elektrischen Komponenten direkt und vollautomatisch auf der Oberfläche einer kleinen und leichten Leiterplatte montiert. Für die Millionen-Investition greift die Firma Miunske auch auf Fördergeld aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" zurück – genau für solche Projekte ist dieses Programm da. 

Für ein Job-Wunder sorgt die neue Anlage nicht, aber doch für einen leichten Zuwachs in der derzeit 70-köpfigen Belegschaft. Etwa zwei bis drei zusätzliche Fachleute sollen die vollautomatische Maschine bedienen. Der dafür nötige Platz wurde vorausschauend schon eingeplant, als das Unternehmen 2012 eine neue Halle für die Logistik bauen ließ. Im gleichen Jahr übernahm Katrin Miunske das Unternehmen zusammen mit ihrer Schwester Jana M. Kirstein von ihrem Vater.  

Firmengründer Johannes Miunske hatte jahrelang im Mähdrescherwerk Fortschritt an der Elektrik für große Erntemaschinen getüftelt und ab 1990 im Auftrag einer westdeutschen Firma elektronische Bauteile für Nutzfahrzeuge vertrieben. Das Arbeitsamt machte ihm damals keine Hoffnung, dass er als Ingenieur mit Mitte 40 noch einmal Arbeit in seinem Beruf finden würde. Doch Johannes Miunske sagte sich: „Ich kann noch mehr.“

Firma leistet sich eigene Forschung

In einer Garage in Großdöbschütz, gleich neben seinem Wohnhaus, wagte er allein den Schritt in die Selbstständigkeit und startete damit eine Erfolgsgeschichte, die immer wieder neue Angebote für die Fahrzeugindustrie hervorbringt. Zu den jüngsten Entwicklungen aus dem Hause Miunske gehörte 2019 eine Multifunktions-Fernbedienung für Nutzfahrzeuge. Das kleine Relais aus Großpostwitz braucht keinen Extra-Kasten im Fahrzeug, sondern passt ganz genau dorthin, wo es gebraucht wird.

Nun kommt also die neue Fertigungslinie für Leiterplatten dazu. Das hat seinen Grund. Denn der mittelständische Betrieb leistet sich etwas, worauf viele andere Firmen verzichten: eine eigene Forschung und Entwicklung. Das kostet erst einmal Geld und ist, bei einem Jahresumsatz von rund elf Millionen Euro, ein ernst zu nehmender Posten im Zahlenwerk. Aber es lohnt sich. So präsentierte Miunske 2009 die erste Lenksäule „Made in Germany“ für Nutzfahrzeuge. Inzwischen gehört sie zur Standardausrüstung.

„Ein neues Produkt braucht erst einmal eine gewisse Anlaufzeit, ehe es sich durchsetzt und Bestellungen eingehen. Da können schon mal drei, vier Jahre vergehen“, erklärt die Geschäftsführerin. Der Erfolg gibt der Unternehmensleitung recht: Miunske gewann schon den Großen Preis des Mittelstandes und gehörte zu den Top fünf bei der Suche nach Sachsens Unternehmer des Jahres. Durch die Corona-Krise ist der Familienbetrieb bisher nahezu unbeschadet gekommen. Firmensprecherin Bettina Miska berichtet von „geringfügiger Kurzarbeit, um so flexiblel auf die Nachfrage reagieren zu können“.

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