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Mobbing an Schulen wird kaum diskutiert

Mobbing an Schulen: Dieses Thema brachte jüngst Hubert Graf zur Sprache. Der Herrnhuter Stadtrat hatte von einem Vorfall an der Oderwitzer Mittelschule gehört, der ihn bewegte. Die SZ veröffentlichte...

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Von Cornelia Mai

Mobbing an Schulen: Dieses Thema brachte jüngst Hubert Graf zur Sprache. Der Herrnhuter Stadtrat hatte von einem Vorfall an der Oderwitzer Mittelschule gehört, der ihn bewegte. Die SZ veröffentlichte dazu bereits Leserbriefe und hat nun Beteiligte befragt:

Der Stadtrat

„Wir haben ja selbst keine Mittelschule mehr in Herrnhut. Unsere Kinder müssen in andere Orte zur Schule fahren“, sagte Hubert Graf auf der Sitzung und fragte, ob sich Stadtrat und Verwaltung nicht einmal mit dem Thema beschäftigen und Kontakt zu jenen Schulen herstellen sollten, wo Kinder aus Herrnhut und Ruppersdorf unterrichtet werden.

„Ich will keine Schule verurteilen. Aber wenn so etwas wie Mobbing vorkommt, dann braucht vielleicht die Schule Unterstützung. Und schließlich haben wir als Räte auch eine Verantwortung unseren Mädchen und Jungen gegenüber“, so seine Überlegungen.

Der Schulleiter

Im aktuellen Fall – eine Schülerin hatte sich massiv von Mitschülerinnen unter Druck gesetzt gefühlt – zeigte der Schulleiter durchaus „Bereitschaft zu einem informativen Gespräch, wenn das von der Stadt gewünscht wird“. Hilfe von außen sei aber nicht nötig, bekräftigte Bernd Runge. „Wir haben zwei Beratungslehrer und einen Sozialarbeiter, an die sich Schüler und Eltern wenden können“, sagte er. Außerdem arbeite in der Schule eine sehr aktive Streitschlichtergruppe. Dass in besagtem Fall, keine von den Eltern mit getragene Lösung gefunden werden konnte, bedauerte er. „Es hat mehrere Gespräche gegeben. Die Entscheidung hat letztlich die Klassenkonferenz getroffen, nicht ich“, sagte Runge.

Der Vater

Die Eltern wollen das Geschehen heute nicht mehr kommentieren. Vater Gottfried Posselt möchte, dass seine Tochter zur Ruhe kommen kann. Auf Vermittlung der Bildungsagentur in Bautzen habe sie jetzt einen Psychologen an ihre Seite gestellt bekommen. „Mit ihm wird sie die Vergangenheit aufarbeiten“, sagte der Vater. Es hat einen Schulwechsel gegeben. Die Zukunft der Tochter sei nun gesichert.

Hilfe brauchen aus seiner Sicht die Lehrer, mehr Aufklärung über die Formen und Auswirkungen von Mobbing. Denn aus Erfahrung in seinem beruflichen Umfeld weiß der Herrnhuter, dass Mobbing für die Opfer deshalb so tief geht, „weil in 90 Prozent der Fälle, sie zu Tätern gestempelt werden“.

Die Ministeriumssprecherin

Im Kultusministerium scheint Mobbing an Schulen bisher kein Thema zu sein. „Im Landtag hat es dazu mal eine kleine Anfrage gegeben“, sagt die Ministeriumssprecherin. Allerdings würden solche Fakten von den Schulen nicht abgefragt. Eine Statistik gäbe es folglich nicht dazu.

Der Schulamtssprecher

Mathias Peter, Sprecher der Bildungsagentur in Bautzen, muss derweil einräumen: „Alles was in der Gesellschaft vorkommt, das gibt es auch an Schulen.“ Bisher habe er aber noch von keinem Fall gehört, in dem das Mobbing-Opfer die Schule wechseln musste. Immer versuche man, eine für alle Seiten einvernehmliche Lösung zu finden.

Wenn Kinder Probleme haben, sich ausgegrenzt oder anderweitig unter Druck gesetzt fühlen, rät er den Eltern, schnellstens das Gespräch mit dem Klassenlehrer, dem Schulleiter oder einem Beratungslehrer zu suchen. Günstig sei immer auch eine Vertrauensperson außerhalb des Schulsystems, wie zum Bespiel ein Sozialarbeiter. Aber auch die Bildungsagentur helfe in diesen Fällen.

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