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Löbau

"Mobilität zu sichern, ist staatliche Aufgabe"

Sylvio Pfeiffer-Prauß will für die Grünen in den Landtag einziehen. Er tritt im Wahlkreis 59 an, der den Altkreis Löbau umfasst. Seine Ziele erklärt er hier:

Sylvio Pfeiffer-Prauß tritt für die Grünen im Wahlkreis 59 an.
Sylvio Pfeiffer-Prauß tritt für die Grünen im Wahlkreis 59 an. © Rafael Sampedro/ Montage: SZ-Bildstelle

Herr Pfeiffer-Prauß, wie würde man Sie als Landtagsabgeordneten erleben?

Sylvio Pfeiffer-Prauß: Wichtig wäre mir, den Kontakt zu den Bürgern nicht zu verlieren. In den Plenarsitzungen und bei der Arbeit in den Ausschüssen würde ich das einbringen, was die Menschen vor Ort umtreibt. Ein Vorbild auf Landesebene ist für mich Franziska Schubert mit ihrem hohen Detailwissen und ihrer bodenständigen Art. Bei den politischen Mitbewerbern finde ich das Pensum, das Stephan Meyer absolviert, sehr beachtlich.

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Sie kandidieren in einem Wahlkreis, der als abgehängt gilt. Sehen Sie das so?

Pfeiffer-Prauß: Ich habe vor zwölf Jahren meine Diplomarbeit zur demographischen Entwicklung und die Auswirkungen auf die Volksbank Löbau-Zittau geschrieben und mich viel mit diesen Fragestellungen beschäftigt. Tatsächlich ist die Region viele Jahre durch die Politik des Freistaates abgehängt worden - beim ÖPNV, durch den Abbau an Polizisten... Das kritisiere ich und möchte mich für eine andere Politik einsetzen. Ich teile die Sicht des abgehängt seins nicht, finde es sogar gefährlich. Hier gibt es große Vielfalt, lebendige Vereinsstrukturen. Aber natürlich fehlen anderthalb bis zwei junge Generationen, das beschäftigt gerade die Älteren.

Was kann man Ihrer Ansicht nach tun, um das zu ändern?

Pfeiffer-Prauß: Ich denke, man sollte im Landeshaushalt einiges anders machen. Wie viel Geld wird in Straßen statt in das Schienennetz gesteckt? Mobilität ist keine Privatsache, das ist eine staatliche Aufgabe. Ein Auto kostet, wenn man ehrlich ist, locker 300 bis 400 Euro im Monat - das ist nicht sozial. Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, das ÖPNV-Netz, eine bessere Taktung wiederherzustellen.

Ist denn für Sie die B178 kein wichtiges Thema?

Pfeiffer-Prauß: Sie ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein wichtiges Thema, vor allem, wenn man zeigen will, wie Staat nicht funktioniert. Ob ihre praktische Bedeutung, wenn sie mal fertig ist, noch so hoch ist, wird sich zeigen. Ich fände es sinnvoll, die Straße endlich von Zittau bis zur Autobahn durchzubauen - ob nun drei- oder vierspurig hat da nicht die Priorität. Wir müssen generell die Mittel, die von Bund und Freistaat zur Verfügung stehen in Teilen umwidmen. Wenn man den Straßenverkehr reduzieren will, macht der sechsspurige Ausbau der A4 keinen Sinn. Es muss Lkw-Verkehr auf die Schiene. Wenn Ihnen die Hose zu eng wird, ist es doch auch keine echte Lösung für das Problem, sich eine neue Hose zu kaufen.

Apropos Problem: Wo sehen Sie größere Probleme für die Zukunft?

Pfeiffer-Prauß: Mich beschäftigt vor allem das Thema soziale Gerechtigkeit und Lohngerechtigkeit. Aus meiner jahrelangen Tätigkeit bei der Commerzbank weiß ich, was auf den Gehaltszetteln der Oberlausitzer steht. Wie kann es sein, das es derart dramatische Lohnunterschiede gibt und gleichzeitig die Frage des Fachkräftemangels steht? Daher kommt ein großer Teil der Frustration in der Bevölkerung. Hier wurde den Menschen über Jahre eingeredet, dass sie froh sein können, ihren Job zu behalten, mehr bezahlen ginge aber nicht. Das hat sich jetzt grundlegend geändert.

Was soll da die Landespolitik tun?

Pfeiffer-Prauß: Wenn man als Staat sozial-ökologische Bedingungen zum Teil der eigenen Ausschreibung macht, kann man auch die Rahmenbedingungen verändern. Das andere ist: Wenn der Staat selbst Ausgründungen betreibt, um zu sparen, beschleunigt er die Spirale nach unten, das haben wir erlebt.

Eine Spirale nach unten gab es auch bei der Zahl der Polizisten...

Pfeiffer-Prauß: Die Zusage, 1.000 neue Polizisten einzustellen, ist tatsächlich richtig. In einem Notfall geht es um Geschwindigkeit, da ist es wichtig, das Kräfte vor Ort sind. Die Wege, die Sachsen mit der Sicherheitswacht gegangen ist, halte ich nicht für zielführend, ansprechbare Streifenpolizisten sind wichtiger. Unabhängig davon ist die Zahl beispielsweise der Einbrüche nicht mehr so hoch wie vor 15 Jahren.

Hilft Ihrer Ansicht nach die Videoüberwachun?

Pfeiffer-Prauß: Das ändert nichts an der Kriminalität, man hat sie dann bestenfalls gefilmt. Im Zweifelsfall verlagert sich das Problem nur. In meinen Augen ist das eine Scheinsicherheit, die Verbrechen nicht verhindert. 

Wie kann man Probleme im Bildungssystem verhindern?

Pfeiffer-Prauß: Die Verbeamtung ist ein Weg gegen den Lehrermangel. Das Hauptproblem ist in meinen Augen aber die Unattraktivität der ländlichen Räume. Der Freistaat hat die Lehrerausbildung stark zentralisiert - in Dresden und Leipzig - in Ostsachsen ist da nicht viel. Hier hat der Freistaat einen entscheidenden Hebel, könnte die Ausbildung in die ländliche Region verlagern. Was das Schulsystem betrifft, bin ich generell für längeres gemeinsames Lernen bis zur siebten Klasse. Was das Thema Digitalpakt betrifft, bringt es nichts, eine grüne Tafel gegen eine elektronische auszutauschen, es braucht auch neue Formen der Wissensvermittlung und auch fächerverbindender Unterricht ist in meinen Augen ein wesentlicher Punkt.

Ein wichtiger Punkt ist für viele auch die Frage nach Mitbestimmung...

Pfeiffer-Prauß: Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement begreife ich als Kern der Demokratie. Für mich sind auch die Hürden für Bürgerbegehren oder Abwahlverfahren zu hoch.

Brauchen Kommunen mehr Eigenständigkeit?

Pfeiffer-Prauß: Es ist sehr überschaubar, nur ein kleiner Teil des Haushaltes, worüber Stadträte abstimmen können. Das - und auch die Förderpolitik des Freistaates - muss dringend geändert werden. Es ist keine gute Entwicklung, wenn eine Kommune immer nur in Fördermitteln denkt. Die Pauschale von 70.000 Euro, die der Freistaat jetzt gibt, ist ein Weg, aber das kann nicht der Zielzustand sein. Man muss mehr Landesmittel den Gemeinden zur Verfügung stellen, einiges wieder in Waage bringen, damit auch die Bürger den Eindruck haben, dass sie etwas bewirken können.

Apropos bewirken: Sie wollen auch beim Klimaschutz mehr bewirken. Wie?

Pfeiffer-Prauß: Ich finde es schade, dass es in der Diskussion immer heißt: Klimaschutz gegen Arbeitsplätze. Das ist nicht so. Wir müssen - auch hier in der Region - neue Technologien entwickeln, die man weltweit anbietet. Das ist wirtschaftlich interessant. Außerdem muss der Freistaat nun endlich auch klarstellen, dass für die Kohle keine Dörfer mehr abgebaggert werden. Das ist nämlich noch immer nicht festgezurrt.

Sylvio Pfeiffer-Prauß ist 42 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Der Diplom Bankbetriebswirt lebt in Schönbach und ist als selbstständiger Projektmanager für Digitalisierung unterwegs. Bei den Grünen ist er seit anderthalb Jahren und hat bereits für Gemeinderat und Kreistag kandidiert.

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