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Die ganze Welt auf dem Laufsteg

Die Models bei einer Modenschau auf Pirnas Sonnenstein tragen keine teure Markenkleidung und haben stattdessen etwas zu erzählen.

Noch einmal Verlobung: Jens Sommerfeldt mit seiner pakistanischen Frau Naima und ihrem Sohn Michael.
Noch einmal Verlobung: Jens Sommerfeldt mit seiner pakistanischen Frau Naima und ihrem Sohn Michael. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Hochzeitsrobe aus Pakistan für die ganze Familie, ein pink Mädchentraum, ein afrikanisches Gewand, bayrische Lederhosen und die gute alte DDR-Schürze: Sie alle wurden jetzt auf dem roten Teppich getragen. Er lag auf einem Fußweg auf dem Pirnaer Sonnenstein und wurde zum Laufsteg für Weltmode. Getragen von Menschen aus aller Welt. 

Bilquis stammt aus Nigeria und trägt ein in Dresden von einer Afrikanerin genähtes kenianisches Kleid. Bilquis trägt dazu eine bunte Kette, eine sogenannte Beads. Die Kopfbedeckung aus dem gleichen Stoff wie das Kleid ist mehr als ein Accessoire. Sie ist Schutz, weil das Haar nicht gezeigt werden soll. Gebunden wird es so, das nichts verrutscht und drückt. Wroud hat seit zwei Tagen ein neues Lieblingskleid. Es ist ein Geschenk der großen Schwester für das dritte Schuljahr von Wroud. Beide kommen aus dem Irak. Bei der Modenschau trägt Aya, die große Schwester, ein marokkanisches Gewand. Noch internationaler geht es  nicht. 

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Die Nigerianerin Bilquis trug ein in Dresden von einer Afrikanerin genähtes kenianisches Kleid. 
Die Nigerianerin Bilquis trug ein in Dresden von einer Afrikanerin genähtes kenianisches Kleid.  © Karl-Ludwig Oberthuer
Sommermode: Wroud (Mitte) und Petra Schröter in ihren luftigen Lieblingskleidern. 
Sommermode: Wroud (Mitte) und Petra Schröter in ihren luftigen Lieblingskleidern.  © Karl-Ludwig Oberthuer
Mit Schrubber und Nylonschürze: Eine modische Erinnerung an die DDR.
Mit Schrubber und Nylonschürze: Eine modische Erinnerung an die DDR. © Karl-Ludwig Oberthuer

Ein aus Bayern und schon lange in Pirna wohnendes Ehepaar steuert Lederhose und Dirndl bei, eine Amerikanerin mit deutschen Wurzeln trägt zum Dirndl Cowboystiefel und unter dem blauen Arbeitskittel ihrer Eltern trägt eine Pirnaerin eine DDR-Nylonschürze. So bunt wie Kleidungsstücke zum Teil sind, so sind sie zusammengestellt und ergeben gemeinsam ein Bild. Ein Bild, zu dem jeder etwas erzählt. Etwas vom Alltag der Menschen und von den Höhepunkten im Leben. 

Von Pakistan nach Deutschland

Jens Sommerfeldt, seine Frau Naima und sein Sohn Michael brauchen etwas länger zum Umziehen. Beim ersten Gang trugen sie ihre Verlobungskleidung. Sie ein farbenfrohes Kleid mit leichtem Schaltuch über dem Kopf, er das typische lange Oberteil, dem ebenfalls ein Schal das festliche Aussehen gibt. Nun folgt das Hochzeitsgewand. Er in einem samtenen Mantel, sie in ihrem mit schwerem Schmuck verzierten Kleid, der zweijährige Sohn ganz in Hell und handgenähten Schnabelschuhen, die an den kleinen Muck erinnern. Der Schmuck auf Naimas Kleid findet sich auf ihrem Kopf und am Hals wieder. Das Nähen eines solchen Kleides dauert viele Wochen. Auch Jens Sommerfeldts Mantel ist bestickt.

Naima und Jens Sommerfeldt haben vor knapp fünf Jahren geheiratet. Er hat sie während eines Hilfsprojektes in Pakistan kennengelernt. Insgesamt zehn Jahre lebte er dort, erst lernte er seine Frau kennen, dann war das Hilfsprojekt beendet und sie entschieden sich, gemeinsam nach Deutschland zu gehen. Er hatte damals in Pakistan geholfen, eine Schule zu bauen. Für ihn bleibt auch hier "dort" immer im Herzen. In vielen kleinen und großen Dingen. Einen großen Unterschied erklärte ihm ein alter Pakistani mit wenigen Worten: "Ihr habt die Uhren, wir die Zeit." 

Alle Models sind Nachbarn

All diese Kleider, Hosen, Blusen, die am Freitag getragen wurde, sind mehr als Kleidungsstücke. Genau das wollten die Macher der multikulturellen Modenschau zeigen. Sie war eine recht spontane Idee, die Veranstaltung entsprechend improvisiert, was aber weder den Machern noch Zuschauern schadete. Caritas, Freie Kirchgemeinde und die AG Asylsuchende überlegen, ob der Premiere vielleicht eine Fortsetzung folgt.  An den Kleidungsstücken und ihren Trägern wird es nicht liegen. Der Schrank mit der Mode der Welt  hängt voll. Und die Models sind unsere Nachbarn. 

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