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Moderne Aussichten

In 1 124 Meter Höhe besitzt das Isergebirge jetzt wieder einen Aussichtsturm auf der Tafelfichte (Smrk). Am Wochenende wurde er offiziell eingeweiht.

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Von Hans Schulz

Die Tafelfichte (Smrk) ist nicht nur die höchste Erhebung des böhmischen Isergebirges, sondern auch ein attraktiver Anziehungspunkt für Touristen. Obwohl die Aussicht von dem 1 124 Meter hohen Berg besonders auf das Riesengebirge (Krkonose) und fast auf das gesamte Isergebirge (Jizerske hory) eine bemerkenswerte ist, hat das Interesse an einer Bergbesteigung in den vergangenen Jahrzehnten merklich nachgelassen. Es gab keinen Aussichtsturm mehr, eine Imbissversorgung fehlte gänzlich, und auch die Fichten, die einst hier eine parkähnliche Landschaft bildeten, sind verschwunden.

Das war nicht immer so. Heimatfreunde aus Neustadt an der Tafelfichte (Nove Mesto pod Smrkem) ließen 1892 den ersten, 20 Meter hohen Aussichtsturm durch den Zimmermann Franz Fritsch errichten. Dieser musste die langen geraden Stämme im Tal schlagen und mühsam mit Pferden auf den Berg befördern. Die Einweihung erfolgte am 21. August 1892. Neben dieser vierstöckigen Holzkonstruktion stand später eine Schutzhütte, in der Fritsch volle 30 Jahre den Touristen Erfrischungen anbot und Nachtlager gewährte.

Alter Turm brach in den

50er Jahren zusammen

Durch regelmäßige Wartung erreichte der hölzerne Aussichtsturm das stattliche Alter von 50 Jahren, was in Böhmen nicht seinesgleichen fand. Erst in den Jahren des Zweiten Weltkrieges, als weder Zeit noch Mittel zur Verfügung standen, begann der Verfall, um schließlich in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts völlig zusammenzubrechen. Über 110 Jahre nach Errichten des ersten Turmes sollten vergehen, ehe Wanderer wieder das Panorama von einer Aussichtsplattform genießen können. Am vergangenen Wochenende wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, zahlreicher Ehrengäste sowie Medienvertreter der neue Aussichtsturm eingeweiht.

Die Einweihung gilt vor Ort als Ereignis. Der Zweite Bürgermeister von Nove Mesto pod Smrkem, Miroslav Kozak, begründet: „Es war der Wunsch vieler Einwohner, Heimatfreunde und Touristen, dass auf dem höchsten Gipfel des böhmischen Isergebirges wieder ein Aussichtsturm entstand. 1991 gründete sich ein Verein, der sich mit diesem Vorhaben beschäftigte. Mitglied konnte jeder werden, der sich auch finanziell etwas beteiligte.“

Mit Hilfe des gesammelten Geldes, zahlreicher Spenden sowie Unterstützung der Stadt wurde schließlich eine Studie zum Bau in Auftrag gegeben und die Bauerlaubnis eingeholt. Unter den eingegangenen Entwürfen entschied sich die Stadt bei Beachtung der Auflagen und in enger Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein sowie Hinweisen aus der Bevölkerung für die moderne Form. Dabei ließ man sich nicht von finanziellen Aspekten leiten, sondern wählte die Variante aus, die sich am besten in die Landschaft einfügte. Miroslav Kozak: „Wir freuen uns, dass nach Überwindung vieler Hindernisse wieder ein Aussichtsturm auf dem Plateau steht. Damit dürfte eine Wanderung zur Tafelfichte erneut lohnenswerter geworden sein, auch wenn ein Imbiss vorerst nicht geplant ist.“

Genau das trifft es. Schließlich ist der Berg vor allem wegen des schönen Panoramas und als idealer Ausgangspunkt für viele Wanderungen im Isergebirge beliebt.