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Moderne Verbrecherjagd

Die Polizeigewerkschaft stellt den Streifenwagen der Zukunft vor. Die Döbelner Beamten durften gestern Probe sitzen.

Von Peggy Zill

Es ist vor allem eine Frage des Platzes. Davon bietet ein VW-Bus ganz offensichtlich mehr als ein Golf. Aber es geht auch um bessere Arbeitsplätze für die Polizisten und ein bisschen um Gemütlichkeit. „Bei einer Befragung im Golf sitzt man hintereinander. Im Kleinbus kann man sich gegenübersitzen“, zählt Hans-Georg Liebick nur einen der Vorteile des Busses auf. Keine Verrenkungen und kein Schreiben auf dem Schoß. Liebick ist als Bürgerpolizist zurzeit in Ostrau unterwegs. Gestern war er aber vor allem als Vertreter der Deutschen Polizeigewerkschaft auf den Steigerhausplatz, um den Kollegen des Döbelner Reviers den interaktiven Funkstreifenwagen, so wie ihn sich die Gewerkschaft wünscht, vorzuführen. „Wir haben den Prototyp bauen lassen, um einfach mal zu zeigen, wie es aussehen könnte.“ Die Gewerkschaft kritisiert, dass die stärkere Belastung der Beamten dafür sorge, dass sich deren Arbeitsplatz immer mehr vom Revier in den Streifenwagen verschiebe. Beengtes Arbeiten belaste die Gesundheit der Beamten. Nach dem Probesitzen im VW-Bus, der in Erlkönig-Tarnung kam, waren zumindest die Döbelner Kollegen begeistert. Denn im Fahrzeug ist alle Technik verbaut, die die Beamten brauchen. In Höhe des Rückspiegels hängt eine Kamera, die Verkehrskontrollen aufzeichnet. Auch das Geschehen auf der Rückbank kann gefilmt werden. Beim Transport eines Delinquenten zum Beispiel kann so ausgeschlossen werden, dass dieser später behauptet, die Polizisten hätten ihm etwas getan. „Alle Aufzeichnungen können dann über W-Lan ans Revier gesendet und müssen nicht im Fahrzeug gespeichert werden“, erklärt Marcus Wanko. Die Firma, für die er arbeitet, hat den Bus nach den Vorgaben der Gewerkschaft umgebaut. Auf dem Dach befinden sich die Kennzeichenscanner. Per Laptop werden gesuchte Nummernschilder herausgefiltert. Neu sind auch das viel flachere Blaulicht und die einklappbare Anzeigetafel, die den Spritverbrauch deutlich reduzieren sollen. Trotzdem ist der Bus teurer als der Golf Variant, von dem das Innenministerium für die Polizei schon 100 Stück bestellt hat. Prinzipiell habe man auch nichts gegen den Golf, so Hans-Georg Liebick. Aber für alle Einsätze sei dieser nicht geeignet. Deshalb sei der Kleinbus als ergänzendes Fahrzeug eine gute Sache. Im Grunde sei er ein rollendes Büro und könnte mit eigener Stromversorgung auch als mobile Wache zum Einsatz kommen.

Garten
Der Garten ruft
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Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Vernehmungen lassen sich im Bus bequemer durchführen. Die Sitze vorn können gedreht werden.
Vernehmungen lassen sich im Bus bequemer durchführen. Die Sitze vorn können gedreht werden.
Vor dem Rückspiegel ist eine Kamera installiert. Eine weitere zeichnet das Geschehen auf der Rückbank auf.
Vor dem Rückspiegel ist eine Kamera installiert. Eine weitere zeichnet das Geschehen auf der Rückbank auf.

Dafür machte er gestern im Namen der Gewerkschaft Werbung. Nach Döbeln ging es zu den Revieren nach Rochlitz, Mittweida und Freiberg. Polizeigelände durften er und Marcus Wanko allerdings nicht betreten.

Anfang 2011 wurde im Rahmen des Projektes „Polizei.Sachsen.2020“ beschlossen, einen interaktiven Funkstreifenwagen zu konzipieren, zu erproben und bei der sächsischen Polizei einzuführen.