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Moderner Schulneubau fällt durch

Schon im Mai soll an der Schillerschule gebaut werden. Der Ortsbeirat fühlt sich von Zeitplan und Architektur überfahren.

Von Kay Haufe

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Mit versteinerter Miene verließ Michael Fücker am Mittwoch den Sitzungssaal. Der städtische Abteilungsleiter Schulbau musste eine herbe Schlappe verkraften. Denn die Pläne für eine neue Einfeldturnhalle an der 62. Oberschule waren im Loschwitzer Ortsbeirat gnadenlos durchgefallen.

Nicht, dass die neue Turnhalle nicht dringend gebraucht wird. Die alte ist so marode, dass regelmäßig Putz von der Decke fällt. Die Sanitäranlagen stinken zum Himmel. Zu klein ist sie ohnehin. Doch das moderne Gebäude mit begrüntem Flachdach, das nun entstehen soll, entsprach so gar nicht den Geschmäckern der meisten Loschwitzer Räte. „Wenn meine Studenten so einen Entwurf einreichen, würde ich Nacharbeiten empfehlen“, sagte Ralf Weber von den Grünen, der einen Lehrstuhl an der Fakultät Architektur der TU Dresden innehat. Der Neubau passe sich nicht harmonisch in die Umgebung ein, die Brücke zum Altbau sei unsensibel geplant. „Alles an diesem Gebäude ist falsch“, so Weber.

SPD-Ortsbeirat Otto Wenzel verwies darauf, dass der Neubau von der Elbe betrachtet die Loschwitzer Kirche bis zum First verdecke. Das sei aus gestalterischer Sicht daneben. Zudem kritisierte er, dass nur eine Einfeld-Halle vorgesehen ist, obwohl die Schule ab dem Schuljahr 2015/16 auf drei Züge erweitert werden soll. „Das ist doch von vornherein viel zu klein“, so Wenzel.

Doch Michael Fücker verwies auf den geringen Platz, der auf dem Schulgrundstück vorhanden ist. Eine größere Halle hätte aufgrund von Abstandsflächen und Vorgaben des Umwelt- und Denkmalschutzamtes nicht geplant werden können. Stattdessen könne in der Zukunft entlang der Amtsstraße, auf dem jetzigen Sportplatz, eine zweite Einfeld-Halle entstehen. „Unser Entwurf ist das die einzig machbare Variante, um eine neue Turnhalle sowie weitere Klassen- und Fachräume auf dem Areal zu bauen“, sagt er.

Bereits im April soll die alte Halle abgerissen werden, im Mai der Neubau beginnen. Geplant ist, ihn zum Schuljahresbeginn im August 2015 fertig zu übergeben. Fücker entschuldigte sich anfangs der Sitzung bei den Räten, dass er die Pläne erst so spät vorstelle. „Aber angesichts der vielen Schulneubauten und -sanierungen, die in der Stadt Dresden laufen, kommen wir kaum hinterher“, so Fücker. Die Räte fühlten sich zeitlich indes völlig überfahren. „Es gibt doch keine Möglichkeit mehr, etwas daran zu verändern. Hier geht es nur um Ja-Sagen“, sagte Linken-Ortsbeirat Hans-Joachim Burkhardt.

Anders sah es hingegen Dietmar Fischer von der FDP. „Abgesehen von der Optik ist das doch eine vernünftige Planung. Und durch die Dreizügigkeit schafft die Stadt auch mehr Platz in der Schule. Wir dürfen nicht immer nur kritisieren“, sagte Fischer. Doch mit dieser Meinung blieb er weitgehend allein. Der Ortsbeirat lehnte die Vorlage mehrheitlich ab. „Schade, dass die Räte keine Begründung beigefügt haben“, sagte Fücker. Denn bis zum 27. März soll die Vorlage durch diverse Ausschüsse in den Stadtrat. Das Votum des Ortsbeirates ist lediglich beratend.

Stimmt der Stadtrat für den Bau, entsteht ein vierstöckiger Neubau, dessen zwei Untergeschosse in der Erde liegen. Er bekommt einen modernen Speisesaal sowie Fach- und Klassenzimmer. Zusätzlich erhält der Altbau einen Fahrstuhl und neue Sanitäranlagen. Im Treppenhaus werden Brandschutztüren eingebaut. Rund zehn Millionen Euro kosten Neubau und Altbausanierung.