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Modernes Leben auf dem Land

Ein Einfamilienhaus in Dorfhain ist eines der schönsten in ganz Sachsen. Dabei gab es beim Baunoch viele Skeptiker.

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Von Paul Bartneck

Ein kleines bisschen Baustelle herrscht noch im Dorfhainer Anwesen von Frank Richter und Verena Gaber. Eine Klingel sucht man am Hauseingang beispielsweise vergeblich. Besucher werden angehalten, einfach lautstark an die Haustür zu klopfen und sich so bemerkbar zu machen. Generell wirkt das Wohnhaus zunächst sehr ungewöhnlich in der ruhigen Dorfhainer Umgebung. Auf einen zweiten Blick erkennt man jedoch, wie raffiniert sich das moderne Gebäude in die Dorflandschaft und die Hanglage einpasst.

Am 19. November wurde der Neubau mit dem ersten Preis des Landeswettbewerbs „Ländliches Bauen“ ausgezeichnet. Aller zwei Jahre wird dieser Wettbewerb vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft gemeinsam mit dem Verein Sächsischer Heimatschutz ausgerichtet.

„Wir sind ja schon 2007 hier eingezogen. Die Kategorie Neubau ist im Wettbewerb allerdings ganz neu und deswegen haben wir uns in diesem Jahr erst beworben“, erklärt Frank Richter. Die Idee für die Bewerbung kam aber nicht selbst von dem 52-Jährigen. Das Architektenbüro F29 aus Dresden, das den Bau geplant hat, reichte die Unterlagen beim Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft ein. Im vergangenen Sommer begutachteten dann acht Mitglieder einer fachkundigen Jury das Anwesen in Dorfhain. „Es war herrliches Wetter an diesem Tag und alle unsere Blumen im Garten blühten noch. Die Jury war auch sehr angetan von unserer Wohnung“, erinnert sich Frank Richter. Letztendlich konnte der Projektingenieur bei der Preisverleihung in Bretnig-Hauswalde den ersten Preis entgegennehmen.

Die Begründung für die Preisvergabe liegt in der gelungenen Zusammenführung von zeitgenössischer Formensprache und der ländlichen Umgebung. Verständlich ist aber, dass ein solcher Neubau die Gemüter in einem Dorf erhitzt. Es gab von Beginn an sowohl positive als auch negative Meinungen. „Im nahen Umfeld sind wir aber schnell sehr wohlwollend aufgenommen worden“, erklärt der ehemalige Dresdner, der mit seiner Lebensgefährtin bis 2006 im Szeneviertel Dresden-Neustadt wohnte.

Vorbild für junge Familien

Es war der Wunsch nach Ruhe, Natur und Bodenhaftung, der die beiden aus der Stadt in die ländliche Region lockte. „Mittlerweile fühlen wir uns vollkommen zu Hause in Dorfhain. Mit der Konzeption des Hauses sind wir absolut zufrieden. Die Wohnverhältnisse sind ideal“, sagt Frank Richter.

Wegen der Lage des Grundstücks am Nordhang fällt tagsüber nur wenig Sonnenlicht in die Wohnräume des Hauses. Durch eine raffinierte Konzeption und den Einbau von zusätzlichen Dachfenstern ist es den Architekten aber dennoch gelungen, dass die Wohnräume sehr hell und freundlich sind. Die von der Straße abgewandte Seite des Hauses ist fast vollständig verglast. Dadurch hat man vom Wohn- und Schlafzimmer einen wunderschönen Blick auf den Tharandter Wald.

Davor liegt noch der Garten der Familie. „Meine Lebensgefährtin hat sich hier zu einem echten Pflanzenkenner entwickelt und kümmert sich nun mit Leidenschaft um unseren Garten“, erklärt Frank Richter. Ihr nächstes Projekt ist, hier einen Landschaftsgarten anzulegen. Es soll alles sehr naturnah bleiben und „in Harmonie mit der Landschaft sein“. Schade, dass davon jetzt im Winter natürlich nicht viel zu erkennen ist.

Mit ihrem Beispiel wollen Frank Richter und Verena Gaber junge Leute ermutigen, aufs Land zu ziehen. „Ich denke, wir haben gezeigt, dass es für junge Familien durchaus möglich ist, auch auf dem Land ganz eigene Wege zu gehen und individuelle Lösungen zu finden“, fasst Frank Richter zusammen.

Vielleicht folgen ja wirklich einige Familien dem Beispiel der beiden Dresdner. Das ländliche Leben kann durch solche gelungenen Projekte auf jeden Fall nur interessanter werden.