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Wohnen hinter trutzigen Mauern

Die Sanierung des Großharthauer Rittergutes macht Fortschritte. Das ist gut für den Ort.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Großharthau. Anfang April kommen die Möbelwagen. Dann ziehen die nächsten Mieter im Großharthauer Rittergut ein. Acht Wohnungen im Ostflügel, davon zwei im „Rondell“, dem zum „Kyffhäuser“ zugewandten Rundteil, sind so gut wie fertig. Die kleinste Wohnung misst 49 Quadratmeter, die größte 140 Quadratmeter.

Das dem Hotel „Kyffhäuser“ zugewandte Rondell des Rittergutes vor der Sanierung.
Das dem Hotel „Kyffhäuser“ zugewandte Rondell des Rittergutes vor der Sanierung. © Walther & Partner GmbH Dresden
Das Rondell nach dem Umbau. In diesem Teil des Rittergutes entstanden zwei Wohnungen. Sie werden im April bezogen.
Das Rondell nach dem Umbau. In diesem Teil des Rittergutes entstanden zwei Wohnungen. Sie werden im April bezogen. © Steffen Unger

Es ist Erstbezug in einem Gebäude, das um die 300 Jahre alt sein mag. Erstbezug nicht nur nach der Sanierung, sondern überhaupt. Die Häuser neben dem früheren Herrenhaus wurden mehrere Jahrhunderte lang als Wirtschaftsgebäude genutzt. Sie dienten zum Beispiel als Speicher oder Fahrzeughalle. Nun lässt sie das Unternehmen Walther & Partner GmbH, eine Bauträgergesellschaft aus Dresden, zum Wohnhaus umbauen.

Im ersten Bauabschnitt, der vor dem Abschluss steht, entstehen 14 Wohnungen. Zwölf weitere kommen im zweiten Bauabschnitt hinzu. Für den laufen momentan die Rohbauarbeiten. Bis Ende des Jahres sollen auch diese Wohnungen bezugsfertig sein, sagt Geschäftsführer Jochen Walther. Dabei handelt es sich ausschließlich um Eigentumswohnungen. Alle sind verkauft, größtenteils an Leute, die Kapital anlegen und die Wohnungen vermieten. Um die Vermietung kümmert sich eine Hausverwaltung in Dresden.

Jede Wohnung mit eigenem Charakter

Ein früheres landwirtschaftlich genutztes Gebäude, das noch dazu unter Denkmalschutz steht, zum modernen Wohnhaus umzubauen, ist eine Herausforderung. Das Haus wurde entkernt. Es wurden massive Decken und Wände eingezogen, Treppenhäuser errichtet. Jede Wohnung ist individuell, hat ihren eigenen Zuschnitt und Charakter, sagt Jochen Walther. Er zeigt den Presseleuten eine der kleineren Wohnungen. Die Räume zum Hof hin – Südseite – sind lichtdurchflutet. Der holzverkleidete Balkon, der ein Stück in die Wohnung hinein ragt, strahlt seine eigene Wärme aus. Er ist uns schon vom Hof aus aufgefallen. Er fügt sich in die Fassade gut ein. Die Denkmalschutzbehörde trägt diesen Kompromiss mit. Hinter historischen Mauern wird so moderner Komfort geboten. Während die Wohnungen im Obergeschoss einen Balkon bekommen, gibt es im Erdgeschoss eine Terrasse.

Die Fassade, einschließlich barockem Giebel und traditionellen Holzfenstern, wird erhalten, das Dach wurde mit Schiefer eingedeckt. Der Dachstuhl musste erneuert werden. In der oberen Wohnung im Rondell, einer rund 130 Quadratmeter großen Maisonettewohnung, wurden die Balken des Dachstuhls zwischen dem Trockenbau sichtbar gelassen. Neben den runden Außenmauern schafft auch das eine besondere Atmosphäre. Die sprichwörtlichen goldenen Türklinken findet man im Großharthauer Rittergut nirgendwo. Dafür aber eine gediegene Ausstattung – von Holztüren, die nicht glatt, sondern dem Charakter des Rittergutes angemessen getäfelt sind, bis zur Brennwertheizung, die alle Wohnungen mit Wärme versorgt.

Gutes Ende nach mehr als 20 Jahrem

Mit der Sanierung des Ostflügels und des sich anschließenden Kopfbaus wird die Restaurierung des Rittergutes nach über 20 Jahren abgeschlossen. Der frühere Eigentümer, ein Dachdeckermeister, der Insolvenz anmelden musste, hatte in den 1990er-Jahren bereits das prägende Torhaus saniert und begonnen, den Westflügel zu modernisieren. Dann war jahrelang Ruhe. Die Firma Walther & Partner aus Dresden kaufte die Immobilie vor rund zehn Jahren, sanierte den Westflügel und schuf darin Eigentums- und Mietwohnungen. Mit dem sanierten Ostflügel gibt es künftig fast 50 hochwertige Wohnungen am Rande des Großharthauer Schlossparks.

Die Dresdner Gesellschaft wurde 1994 gegründet. Sie ist auf den Gebieten der denkmalgerechten Altbausanierung und im Neubau tätig. Er engagiere sich für Projekte, von deren Erfolg er überzeugt ist, sagt Jochen Walther. Großharthau im Dresdner Umland gehört dazu. Aktuell plant das Unternehmen ein neues Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft der Gemeinde; der Umbau der ehemaligen Schule in Großröhrsdorf zu einem Wohnhaus.