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Möbel auf die Straße gestellt

Ein Mietstreit eskaliert. Jetzt findet sich die Vermieterin wegen Hausfriedensbruchs auf der Anklagebank wieder.

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Von Jürgen Müller

Die Vermieterin macht kurzen Prozess. Weil eine Mieterin nach der Kündigung ihre Radebeuler Wohnung nicht vollständig ausgeräumt hat, lässt sie kurzerhand die Wohnungstür öffnen, stellt die restlichen Möbel und Gegenstände auf die Straße und lässt die Schlösser auswechseln. Sie fühlt sich im Recht. Deshalb ist es für die 65-Jährige unfassbar, dass sie sich selbst auf der Anklagebank wiederfindet. Hausfriedensbruch wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor.

Die Mieterin habe Mietrückstände gehabt, deshalb habe sie versucht sie anzurufen und Kurznachrichten geschickt. Die Frau habe jedoch nie geantwortet. Aus der Wohnung sei ein fürchterlicher Gestank gekommen. Sie habe die Tür öffnen lassen. In der Wohnung fand sie jede Menge tote Mäuse und Katzenkot, sagt die Vermieterin.

Eine Spur der Verwüstung

Außerdem habe die Mieterin die Elektro-Deckenheizung angebohrt. Das ist eine reine Vermutung, gesehen hat die Angeklagte aus Niedersachsen das nicht. Weil fortan die Heizung nicht mehr funktionierte, habe die Mieterin die Miete erst um 35 Prozent gekürzt, dann gar nicht mehr gezahlt. Daraufhin habe sie ihr den Mietvertrag gekündigt, sagt die Angeklagte. Weil die Mieterin, die übrigens Polizistin sein soll, die Wohnung nicht pünktlich räumte, schritt die Angeklagte selbst zur Tat. „Diese Frau hinterlässt eine Spur der Verwüstung, hat bei mir über 2 000 Euro Mietschulden, und ich soll 750 Euro Strafe zahlen“, fragt sie völlig fassungslos. Das sei für sie eine Monatsrente. Diese Geldstrafe wurde im Strafbefehl festgelegt, gegen den sie Einspruch einlegte.

Das Gericht möchte das Verfahren gegen eine Geldauflage von 300 Euro einstellen. Zwar hat die Frau einen Hausfriedensbruch, also eine Straftat begangen, doch ihre Schuld ist gering. Außerdem wurde sie selbst geschädigt, was die Tat allerdings nicht rechtfertigt. Die Staatsanwältin spielt bei diesem Vorschlag nicht mit. Richterin Ute Wehner rät der Angeklagten dringend, ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen. Nachdem der Versuch der Angeklagten, mit ihrer Anwältin zu telefonieren, fehlschlägt, willigt sie schließlich ein. Überzeugt davon, dass das richtig ist, ist sie nicht. Beim Verlassen des Saales wettert sie, dass sie sowieso kein Recht bekäme, weil die Mieterin Polizistin sei.

Da liegt sie aber falsch. Denn auch die Mieterin bekommt eine Strafe. Weil sie als Zeugin geladen wurde, aber unentschuldigt fehlt, brummt ihr das Gericht ein Ordnungsgeld von 300 Euro auf. Zahlt sie das nicht, muss sie für zehn Tage ins Gefängnis.