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Mogelpackung „Große Emma“?

Die Sparkasse schränkt mit der neuen Geschäftsstelle ihre Leistungen ein. Das ist schlecht für Händler und Senioren.

Von Susanne Plecher

Es regt sich Unmut auf dem Dorf. Einige Geschäftstreibende, aber auch ältere Bürger sind nicht sonderlich erfreut über den neuen Auftritt, den die Sparkasse in der „Großen Emma“ in Zabeltitz plant. Am Montag soll dort das deutschlandweit erste Dienstleistungszentrum dieser Art eröffnet werden. Verschiedene Anbieter teilen sich darin Räume und Miete, um die Infrastruktur auf dem Land zu erhalten.

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Eigentlich keine schlechte Idee, wäre da nicht ein schaler Beigeschmack. Denn für die Zabeltitzer Bäcker Andreas und Silvio Haase ist die neue Geschäftsstelle des Geldinstituts eine Mogelpackung. Ihr Vorwurf: Die Sparkasse schaffe mit der „Großen Emma“ Tatsachen, um ihr bisheriges Leistungsspektrum auf dem Dorf zusammenzustreichen. Aus der Luft gegriffen ist das keinesfalls. Die Bäckermeister berufen sich auf ein Schreiben des Geldinstituts von Anfang Juni, indem die Sparkasse selbst darauf hinweist, dass es „eine Kasse in Zabeltitz im Rahmen der Großen Emma nicht mehr geben“ werde. Damit entfalle auch die Möglichkeit, Geld ein- und auszuzahlen. Das jedoch ist ein Service, den nicht nur örtliche Händler und Geschäftsleute gern nutzen, sondern auch viele Senioren, die mit der Bedienung von Geldautomaten Schwierigkeiten haben.

Wie Sparkassensprecher Ralf Krumbiegel sagt, habe die Zabeltitzer Filiale bereits seit 2010, also seit vier Jahren, auf der internen Streichungsliste gestanden. Längerfristig hätte die einzige Option zur Schließung nur die Reduzierung des örtlichen Angebots sein können. Besser einschränken als schließen also? Die Sparkasse findet das schon. „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leichtgemacht. Insgesamt nutzen zu wenige diesen für uns mit sehr hohen Kosten verbundenen Service“, heißt es in dem Brief, der an alle Geschäftsleute geschickt wurde. Alle anderen Kunden sind bisher offiziell nicht darüber informiert worden.

„Ein Minimum an Service muss man schon bieten“, sagt Andreas Haase. Und das Minimum sei eigentlich mit der Halbierung der Kassenöffnungszeiten vor einigen Jahren erreicht gewesen. Immerhin konnte man danach an einem Vormittag und einem Nachmittag pro Woche deren volles Leistungsspektrum nutzen. Bis gestern. Das war der letzte Öffnungstag der alten Geschäftsstelle. In der Neuen fallen zumindest die direkten Geldgeschäfte weg. Alle anderen Servicedienste wie die Eröffnung von Girokonten, das Bearbeiten von Überweisungen und Daueraufträgen etc. sind weiterhin möglich.

Außerdem, so Sparkassensprecher Krumbiegel, stünde das Personal vor Ort mit Rat und Tat bei der Bedienung des Geldautomaten zur Verfügung. An dem kann man nicht nur Geld abheben, sondern auch die Kontoauszüge ausdrucken lassen. Dass die Sparkasse kein Modell mit Einzahlungsfunktion ausgewählt hat, begründet er mit mangelndem Platz. Im Foyer der „Großen Emma“ gebe es den zwar offensichtlich, aber durch die Anordnung der Türen und die Bibliothek eben doch nicht genug davon. Deshalb ist der Geldautomat im Außenbereich eingebaut worden. Und für draußen sei schlicht kein Automat mit Einzahlungsfunktion zu haben. „Uns ist kein Hersteller bekannt“, sagt er. Dass die neue Geschäftsstelle keine Kassendienste anbieten wird, begründet er mit dem Kostendruck. Aktuelle Auflagen sähen vor, dass mindestens zwei Mitarbeiter ständig anwesend sein müssten, von einer Alarmanlage, einem Wachdienst und hohen Versicherungssummen ganz zu schweigen. Um genau aus dieser Kostenfalle herauszukommen, habe die Sparkasse ja die „Große Emma“ entwickelt.

Andreas Haase hat nun weitere Wege. Zur Einzahlung seines Umsatzes muss der Bäcker nach Großenhain oder Gröditz fahren. Oder er nutzt den Geldtransport-Dienstleister, den die Sparkasse ihm vorschlägt. Der kostet allerdings 25 Euro – pro Anfahrt. „Uns ist bewusst, dass das nicht auf Begeisterung stößt“, sagt Ralf Krumbiegel. Die Sparkasse hat deshalb am Mittwoch zu einem Gespräch eingeladen. Erschienen ist dazu genau ein Gewerbetreibender. „Wir sind weiter für Gespräche offen“, erklärt Ralf Krumbiegel und deutet individuelle Lösungsmöglichkeiten an.