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Mogelpackungen auf der Spur

Wirtschaft. Das Eichamt hat in Bautzen Bäckerund Fleischer überprüft,die SZ war dabei.

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Von Heiko Engel

Heike Jähngen reiht sich bei einem Bautzener Fleischer wie jeder andere Kunde in die Schlange ein. Es ist an diesem Tag ihr erster Kontrolltermin in Bautzen. Weitere Fleischer und Bäcker stehen noch auf der Liste. Die Prüferin vom Landesamt für Mess- und Eichwesen in Dresden stellt die junge Frau hinter der Wursttheke auf die Probe: Speichert sie das Gewicht des Plastikbechers beim Wiegen ein? „150 Gramm von dem bunten Frühlingssalat, bitte“, sagt Heike Jähngen. Die Verkäuferin drückt die so genannte Tara-Taste, die Waage zeigt „Null“, das Bechergewicht ist jetzt eintariert. Ohne Tara hätte Heike Jähngen und jeder andere Kunde den Becher mitbezahlt.

„Sie haben alles richtig gemacht“, sagt die Ingenieurin und zeigt der verblüfften Verkäuferin ihren Dienstausweis. Dann fällt Heike Jähngens Blick auf die Wurstgläser, die die Fleischerei selbst abfüllt. Jetzt wird es ernst, die Chefin kommt. „Wir gehen besser nach hinten“, schlägt die Kontrolleurin vor. Denn die Gläser sind nicht korrekt beschriftet: 200 Gramm steht auf den Deckeletiketten, daneben plus minus 20 Gramm. Das entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben. Denn für jedes einzelne Glas ist der Inhalt auf dem Etikett genau anzugeben. „Ich muss das ahnden“, sagt Heike Jähngen – zumal sie dem Betrieb beim ersten Besuch ein entsprechendes Informationsblatt überreicht habe. Zwei Wurstgläser nimmt die Kontrolleurin mit, als Beweisstücke. Jetzt droht ein saftiges Bußgeld. Wie hoch das ausfällt, entscheidet die Bußgeldstelle beim Eichamt. Dem Fleischermeister steht der Ärger ins Gesicht geschrieben, er fühlt sich durch die Behörde gegängelt.

Schroffe Reaktionen erlebt die Kontrolleurin regelmäßig. „Das ist nicht immer der Traumjob.“ Mit dem weißen Amts-Opel fährt sie jeden Monat gut 1 200 Kilometer durch die Landkreise Bautzen, Löbau-Zittau, Meißen und Riesa-Großenhain, zuständig ist sie außerdem noch für einen Teil Dresdens. In 282 Bäckereien, 164 Fleischereien und 164 weiteren Unternehmen wie Komet, den Geha-Mühlen oder Ontex behält Heike Jähngen im Auge , ob zum Beispiel Waren mit korrekten Gewichtsbezeichnungen versehen sind und genauso viel in Verpackungen drin ist wie auf dem Etikett steht. Weitere Mitarbeiter des Eichamtes prüfen Zapfsäulen, Schadstoffmessgeräte in Kfz-Werkstätten, Wasserzähler, Taxameter.

Wenn Heike Jähngen Verstöße feststellt, führt sie das zu meist auf Fahrlässigkeit zurück. Vorsatz steckt ihrer Meinung nach nicht dahinter. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das systematisch betrieben wird“, berichtet sie auf dem Weg zu einer Bäckerei. – Heike Jähngen nimmt den Koffer mit der Waage aus dem Wagen, betritt das Geschäft, zückt den Ausweis und lässt sich acht Schwarzbrote und zehn Mischbrote bringen. Sie prüft, ob die Angabe auf dem Preisschild mit dem tatsächlichen Gewicht der Backwaren übereinstimmt. Heike Jähngen stellt fest: Der Bäcker meint es mit seinen Kunden besonders gut, jedes Brot hat um die 20 Gramm Übergewicht. „Keine Beanstandungen“, konstatiert die Ingenieurin fürs Protokoll. Wenige Minuten später ist sie schon unterwegs zur nächsten Stichprobe.