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Monarchs stürmen in die Königsklasse

Der deutsche Vizemeister ist Teil eines neuen Football-Wettbewerbs. Finanziell lukrativ ist der Start beim Big-6-Turnier für die Dresdner vorerst nicht.

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Von Alexander Hiller

Sie haben zwar noch keinen neuen Trainer, sind aber Teil eines großen Plans. Die American Footballer der Dresden Monarchs kämpfen im nächsten Jahr um die Krone des Europäischen Klubfootballs. Und das in einem völlig neuen Rahmen. Der europäische Verband EFAF hebt in der kommenden Saison die „Big 6 European Football League“ aus der Taufe – und die Elbestädter sind dabei. Dank ihrem Einzug ins Finale um den German Bowl. „Big 6 ist ein Projekt der nationalen Verbände der Schweiz, Österreichs und Deutschlands“, erläutert Thomas Meyer, sowohl Geschäftsführer der EFAF als auch des deutschen Verbandes AFVD. Das letzte große Football-Projekt auf dem Kontinent, die NFL Europa, wurde nach anfänglichem Hype im Jahr 2007 endgültig beerdigt.

Nun wagen die drei führenden Football-Nationen Europas einen neuen Versuch, auch aus sportlichen Gründen. Das wird auch aus der offiziellen Pressemitteilung zum Start des Turniers deutlich. „Seit knapp fünf Jahren hat keine dieser Mannschaften mehr – außer in direkten Duellen untereinander – auf europäischer Ebene verloren“, heißt es in dem Schreiben. Anders formuliert: Für die „großen Vereine“ – deshalb das „Big“ – hatte die Champions League des Footballs wegen der eigenen Überlegenheit seinen Reiz, jegliche Spannung verloren. Das letztjährige Viertelfinale gegen die Sollerod Gold Diggers aus Dänemark gewann der amtierende Eurobowl-Sieger Wien beispielsweise mit 62:3. „Vor allem für die heimischen Fans waren diese ungleichen Partien relativ uninteressant“, sagt Meyer. Das soll sich mit dem Sechser-Turnier nun ändern. Beteiligte Vereine: Raiffeisen Viking Vienna, Swarco Raiders Tirol, der Schweizer Meister Calanda Broncos sowie die drei deutschen Teams New Yorker Lions aus Braunschweig, Berlin Adler und die Dresden Monarchs.

„Der Wettbewerb wurde bewusst als Einladungsturnier gestaltet. Kein Spiel soll einen klaren Favoriten haben“, sagt Meyer. Harte Auflagen für die startwilligen Klubs habe es aber nicht gegeben. „Alle Vereine verfügen über langfristig angelegte Partnerschaften zu Sponsoren, sind im Management vorbildlich aufgestellt, die größten Publikumsmagneten Europas und stehen im Zentrum nationalen wie internationalen Medieninteresses“, heißt es in dem EFAF-Schreiben zu den Auswahlkriterien.

„Wir sind nur aufgrund unserer Teilnahme im German-Bowl-Endspiel dabei“, sagt Monarchs-Geschäftsführer Jörg Dreßler. Der finanzielle Zusatzaufwand für den europäischen Wettbewerb neben dem normalen Bundesliga-Alltag hält sich in Grenzen. Dem Vernehmen nach planen die Monarchs mit etwa 20.000 Euro Mehraufwand. Durch die Einteilung des Sextetts in zwei Dreier-Staffeln ist auch die sportliche Zusatzbelastung überschaubar – wahrscheinlich nur zwei Partien. Es sei denn, die Dresdner qualifizieren sich als Gruppensieger für das Finale um den Eurobowl. Was angesichts der Gegnerschaft kaum möglich scheint. Zunächst treten die Monarchs in der Gruppe A in der Neuauflage des German Bowls daheim gegen die New Yorker Lions an (3. Mai). „Wir arbeiten daran, die Partie im Glücksgas-Stadion auszutragen, das wäre der richtige Rahmen“, betont Monarchs-Präsident Sören Glöckner. Am 15. Juni müssen die Dresdner beim amtierenden Eurobowl-Sieger Wien ran. „Es wäre wünschenswert, wenn es uns gelingt, unseren Kader auch in der Breite aufzustocken. Ich glaube, dass wir durch diesen Wettbewerb zunehmend für Spieler attraktiv werden“, betont Dreßler.

Geld verdienen lässt sich mit der Teilnahme im europäischen Wettbewerb für die Dresdner nicht. „Unser Spiel in Wien wird zur Primetime im ORF übertragen – das ist für Österreich ja in etwa so wie das ZDF bei uns. Davon können wir derzeit nur träumen“, sagt der Geschäftsführer. Dennoch mussten die Monarchs-Macher nicht lange überlegen, als die Idee an sie herangetragen wurde. „Das Konzept hat uns von Anfang an überzeugt“, unterstreicht Sören Glöckner.

Bliebe noch die Frage offen, mit welchem Trainer die Dresdner dieses Projekt in Angriff nehmen? Nachdem der auslaufende Vertrag mit dem Kalifornier Gary Spielbuehler nicht verlängert worden war, läuft die Suche. „Wir liegen gut im Zeitplan, werden vor Weihnachten noch Vollzug vermelden, hoffe ich“, erklärt Dreßler. Das klingt nach einem bereits konkreten Personenkreis. „Wir haben mit unserer Wunschperson gesprochen, mehr gibt es erstmal nicht zu melden“, sagt Glöckner.