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Begrüßung mit Hammer und Sichel

Ein reich illustriertes Buch zählt jedes Gerät auf, das den Mond erreichte. Manches davon inspirierte sogar den sozialistischen Wohnungsbau.

Seit die sowjetische Sonde „Luna 2“ am 13. September 1959 auf dem Mond landete, ist dort diverses Gerät angekommen. Ein Buch listet jetzt alles ganz genau auf.
Seit die sowjetische Sonde „Luna 2“ am 13. September 1959 auf dem Mond landete, ist dort diverses Gerät angekommen. Ein Buch listet jetzt alles ganz genau auf. ©  dpa

Von Uwe Salzbrenner

Die allererste Mondsonde, „Luna 2“, ist am 13. September 1959 zwischen den Kratern Autolycus und Archimedes hart gelandet. Damit hat die Sowjetunion den ersten Wettlauf zum Mond gewonnen. Die fußballgroße Kapsel, knapp vier Zentner schwer, erzeugt während des Anflugs eine Gaswolke von 650 Kilometern Länge, die von der Erde aus gut zu erkennen ist. Mit dem Aufschlag auf dem Mond ist die Sonde Schrott, verteilt jedoch auftragsgemäß Metall-Konfetti mit dem Abbild von Hammer und Sichel.

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Die erste Sonde der Vereinigten Staaten von Amerika, die es zum Mond schafft – extraleicht aus Balsaholz –, kommt als Irrläufer an und zerschellt. „Ranger 7“, ein metallener Turm, liefert Fotos bis zum Aufprall. Die sowjetische „Luna 9“ landet als erste Sonde weich, in ein Kissen gepackt. Dann stürzen wieder mehrere russische Sonden ab, die sich an Mondumkreisungen versuchen, ehe die amerikanische „Surveyor 1“ im Sommer 1966 unbeschadet auf die Mondoberfläche gelangt. Sie arbeitet freilich anschließend 42 Tage in Hitze und Kälte als Fotomaschine – solange die Batterie samt Solarpaneel hält.

Wenn ein „Architekturführer Mond“ die lange Reihe zerstörter, verirrter oder längst stillgelegter Sonden aufführt und später die „Apollo“-Landegeräte und „Lunochods“ samt gezielt abgesprengter Raketenstufen, hält er mehr Dinge für Architektur, als allgemein üblich ist. Paul Meuser, nach einem Designstudium in New York zur Architektur gewechselt, zählt alle räumlichen Gebilde dazu, die Ingenieure nach statischen Gesetzen, womöglich nach ästhetischen Prinzipien konstruiert haben.

Für ihn sind die Relikte der Mondmissionen Teile einer nun musealen technisch-räumlichen Entwicklung. Sein Kronzeuge ist der österreichische Architekt Hans Hollein, der kurz vor den bemannten Mondflügen seine Arbeit als das Schaffen von Umwelt, von künstlichen Zuständen definiert hat. Holleins 1968 in der Zeitschrift Bau erschienener Text ist im „Architekturführer Mond“ nachgedruckt – neben einem Interview mit einer russischen Architektin, Vorschlägen zur Mondarchitektur und Beiträgen zu den Mondfahrtprogrammen Chinas und Indiens. Offenkundig will man dort beiläufig, wie einst die Sowjetunion, der Konkurrenz den Besitz leistungsfähiger Trägerakten beweisen.

Die Amerikaner fliegen letztmals 1972 zum Mond, nachdem sie ihren Wettstreit – ein Mensch auf dem Mond – längst gewonnen haben. Die Sowjetunion holt 1976 mit einer Rückkehrsonde nochmals Bodenproben. Die zweite Welle der Reisen, jetzt unbemannt, beginnt 1990 mit japanischen Sonden. Dieser zeitliche Schnitt, der Abstand auch zu künftigen Mondprogrammen schärft den Blick. Was kann man anhand der fotografierten Mondvehikel, der Zeichnungen, Skizzen, Risse nicht alles erkennen: das Pyramidenmodell des Eiffelturms bei den Sonden der Amerikaner; die Entwicklung komplexer Leichtbaukonstruktionen. Später bei der bemannten Raumfahrt den Versuch, das Innere so komfortabel wie möglich zu gestalten. Um die Schönheit des Äußeren kümmert man sich am Rande.

Dieser „Wohnungsbau fürs Existenzminimum“ ist selbst Vorbild – gewiss für die sozialistische Moderne des 20. Jahrhunderts, aber auch für den Westen. Mit der Technik nach außen baut man 1977 in Paris das Centre Pompidou.

Paul Meuser, Architekturführer Mond, Dom publishers, 368 Seiten, 38 Euro

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