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Monsterspaß für Mutige

Auf breiten Reifen und in rasantem Tempo geht es am Valtenberg zu Tale. Wer die Natur liebt und auf Geschwindigkeit steht, kommt beim Rollerfahren auf seine Kosten.

Reporterin Franziska Springer hat für Sächsische.de das Monsterroller-Fahren am Valtenberg in Neukirch getestet.
Reporterin Franziska Springer hat für Sächsische.de das Monsterroller-Fahren am Valtenberg in Neukirch getestet. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch. Monsterroller sind der Stoff, aus dem aufregende Ferienerlebnisse sind. Aber sie sind scheu. An nur drei Orten in Sachsen lassen sich die Ungetüme aus Stahl und Gummi aufspüren. Neben Oberwiesenthal und Altenberg sind einige Exemplare der Gattung seit 2018 auch in einem Schiffscontainer auf dem Neukircher Valtenberg zu Hause. Dort warten sie auf 588 Metern Höhe über dem Meeresspiegel auf unerschrockene Freizeitabenteurer.

Die aber müssen den Gipfel erst erklimmen. Denn die Valtenberg-Baude, neben der die Monsterroller ihr Domizil haben, ist eine der wenigen in der Region, die mit dem Auto nicht zu erreichen sind. Was also tun?

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Mit dem E-Bike auf den Gipfel

Familien und privaten Gruppen stehen zwei Fortbewegungsmöglichkeiten zur Wahl. Die eine ist die Klassische: Zu Fuß schlagen sich Wanderfreunde zum Gipfel durch, rasten und laufen nach Gutdünken. Die andere ist die Unterhaltsamere. Sie nimmt ihren Anfang am Fuß des Neukircher Hausbergs. Dort liegt, eingebettet in die idyllische Umgebung des Valtentals, das Georgenbad - Heimstatt und Refugium der Monsterroller-Crew rund um den Neukircher Thomas Luft. Er holte die grünen Ungetüme vor zwei Jahren in die Oberlausitz - und brachte eine ganze Armada an E-Bikes mit. Mitsamt einer Routenempfehlung können sie von privaten Gruppen für fünfstündige Individual-Touren  gemietet werden können.

Egal, für welche Art von Aufstieg man sich entscheidet: Zur vereinbarten Zeit treffen sich alle für die große Abfahrt auf dem Berggipfel.

© SZ Grafik

Für die Reporterin von Sächsische.de heißt das: In die Pedale treten! Denn als sie sich am Georgenbad auf das E-Bike schwingt, sind alle anderen schon oben. Das macht die Auffahrt über 242 Höhenmeter zwar ein wenig einsam, gibt aber Gelegenheit, Körper und Bike auf die Belastungsfähigkeit hin zu testen. Und das fetzt! Im Turbo-Modus können trotz teils steilem Anstiegs Spitzengeschwindigkeiten bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreicht werden. Wer jetzt denkt, das sei nicht anstrengend, der irrt. Vorschub gibt das Elektrorad nur, wenn auch gestrampelt wird. Bei solchen Geschwindigkeiten merken das auch die Muskeln in den Oberschenkeln schnell. Das warm-feuchte Wetter - am Vortag hat es hier geregnet - trägt das Seine zur schweißtreibenden Erfahrung bei.

Der Weg hinauf findet sich leicht. Keine zwanzig Minuten nach Fahrtantritt ist die Gruppe der Rollerer auf dem Gipfel endlich komplett. Oben wartet neben drei Familien und einem Pärchen Marika Barber, Mitglied der Monster-Crew seit der ersten Stunde, und erteilt eine Lehrstunde im Rollerfahren.

Stabile Gerüste aus Stahl, bullige Ballonreifen mit griffigen Stollen und ihre giftgrüne Farbe machen die Monsterroller am Valtenberg zur unverwechselbaren Attraktion.
Stabile Gerüste aus Stahl, bullige Ballonreifen mit griffigen Stollen und ihre giftgrüne Farbe machen die Monsterroller am Valtenberg zur unverwechselbaren Attraktion. © SZ/Uwe Soeder

Das klingt erstmal komisch, ist aber nötig. Denn anders als Tretroller aus Kindertagen weisen die grünen Stahlkolosse einige Eigenheiten auf, mit den man sich besser vor Fahrtantritt vertraut macht. Da wäre allein ihre schiere Masse: Mit 15 Kilo ist so ein Monsterroller wahrlich kein Leichtgewicht. Auch an den großen Wendekreis und die bissigen, hydraulischen Kolbenbremsen sollte man sich erst in der Ebene gewöhnen, bevor es an die Abfahrt geht. 

Wahrlich unterhaltsam sind hingegen die dicken Stollenreifen. Sie sind mit nur wenig Luft gefüllt und meistern selbst unebenstes Gelände mühelos. Die eigentliche Technik ist schnell erklärt: Gewicht nach hinten verlagern, um dem Abstieg über den Lenker vorzubeugen. Vorausschauend fahren. Mit Lenker und Körper die Richtung diktieren. Seine Geschwindigkeit, so Marika Barbers Rat, sollte jeder Rollerer für sich selbst hinausfinden. Je nach Gutdünken kann die Abfahrt gemächlich oder mit Speed angegangen werden. Unterwegs gibt es Möglichkeiten für Fotos und Pausen.

Mit Speed über die Waldautobahn

Und dann ist es soweit: Auf 3,3 Kilometern Länge dehnt sich die Georgenbad-Tour aus. Deren Highlight ist zweifelsfrei ein Stück frisch asphaltierter Waldweg. "Keine Unebenheiten, keine Huckel - deswegen nennen wir diesen Abschnitt die Waldautobahn", sagt Marika Barber voller Verheißung und verrät damit nicht zu viel.

Auf ebener Strecke verhalten sich die Monster ganz anders als auf Waldboden. Die Geschwindigkeit auf dem Asphalt nimmt spürbar zu, der kühlende Fahrtwind ist bei knapp 30 Grad Außentemperatur eine wahre Wohltat. Genau wie die seichten Regenpfützen, die sich nach einer scharfen Linkskurve auf dem dann folgenden naturbelassenen Hohlweg auftun.

Vorsichtiges Rantasten an die geeignete Geschwindigkeit empfiehlt sich auf unebenen Waldwegen. Auf asphaltierter Strecke kann man den Monsterroller schon mal laufen lassen.
Vorsichtiges Rantasten an die geeignete Geschwindigkeit empfiehlt sich auf unebenen Waldwegen. Auf asphaltierter Strecke kann man den Monsterroller schon mal laufen lassen. © SZ/Uwe Soeder

Auch hier braucht es erneut Geschicklichkeit, denn es gilt, nicht zu langsam und mit ausreichend Schwung die letzte Etappe der Abfahrt anzugehen. Wer zu ängstlich an die Sache rangeht, muss schieben. Echten Rollerprofis passiert das natürlich nicht. Sie meistern die Abfahrt zum Georgenbad, ohne einmal Schwung zu holen.

Nach etwa 20 Minuten ist die rasante Tour über Stock und Stein geschafft. Unten wartet bis zum Ferienende noch eine Überraschung für die mutigen Monsterbezwinger: Ein giftgrünes Monster-Eis ist zusätzlicher Lohn für die Mühe. Den Monsterroller-Führerschein, gültig für drei Jahre, gibt es mit einem Augenzwinkern für jeden, der den Weg ins Tal gefunden hat.

Alles Wissenswerte rund um die grünen Monster

Wer kann rollern? 

Im Prinzip kann jeder, der sicher mit dem Fahrrad bergab fahren kann, auch Monsterroller fahren. Die grünen Roller sind empfohlen für Menschen ab 1,50 Meter Körpergröße – also ab einem Alter von etwa zehn Jahren. Darüber hinaus stehen Kinderroller zur Verfügung. Gefahren werden können sie ab einer Körpergröße von 1,35 Meter.

Wo kann gerollert werden?

In Neukirch kann zwischen drei verschiedenen Touren gewählt werden. Sie sind jeweils zwischen 3,3 und 4 Kilometer lang. Ausgangspunkt ist immer das Georgenbad. Endet die Tour an einem anderen Punkt, wird man per Shuttle zurückgebracht.

Was kostet das? 

Ganz günstig ist Monsterrollern nicht: Zwischen 25,90 Euro und 35,90 Euro kostet eine Abfahrt je Person. Im Preis enthalten ist die Miete für Helm und Roller, gegebenenfalls auch das Shuttle zurück zum Georgenbad. 

Wo kann man buchen? 

Eine Terminanfrage mit Wunschtermin, Tour und Teilnehmerzahl kann man über die Internetseite monsteroller.info abschicken.

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