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Mopsfledermaus bremst Kanalbau aus

Dass sich die größte sächsische Wochenstube der Tierchen im Ort befindet, wusste die Gemeinde Moritzburg nicht. Nach einem Baustopp wurde nun umgeplant.

Von Sven Görner

Der gerade begonnene Abwasserkanalbau in Friedewald sorgt für Aufregung. Bei Anwohnern und im Moritzburger Rathaus. Am Montag vergangener Woche zunächst, weil viele Leute wohl nicht damit gerechnet hatten, dass die Firma tatsächlich einen scharfen Start hinlegt. Am Donnerstag beendete dann plötzlich ein vom Umweltamt ausgesprochener Baustopp das zügige Arbeiten. Der Grund dafür sind ganz besondere Anwohner der Sachsenallee: vom Aussterben bedrohte und daher streng geschützte Mopsfledermäuse.

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Von ihrer Existenz in unmittelbarer Nachbarschaft der Baustelle hätten weder die Gemeinde noch die Planer etwas gewusst, sagt Bürgermeister Jörg Hänisch. Damit die sensiblen Tierchen, sie sind im ausgewachsenen Zustand nicht viel größer als eine Streichholzschachtel, nicht verscheucht werden, musste dringend gehandelt werden.

Fledermäuse überwintern in feuchten Höhlen und Kellern. Im Sommer hausen sie dagegen auf Dachböden uralter, leicht verfallener Häuser. Zumindest passt diese verbreitete Vorstellung so schön zum Vampir-Image, das den kleinen Tierchen gleich noch mit angedichtet wird. Zum Teil stimmen diese Klischees sogar.

Die Mopsfledermäuse in Friedewald haben sich indes ein sehr modernes Quartier für die Aufzucht ihrer Jungen ausgesucht. Zwar ist das Haus auch schon ein paar Jahrzehnte alt. Das sieht man aber nicht, weil es die jetzigen Besitzer nach ihrem Einzug modernisiert haben. Damals wussten sie allerdings noch nichts von ihren kleinen Untermietern. Dass diese die warme Jahreszeit unter einer Holzverkleidung des Hauses verbringen und dort auch ihren Nachwuchs aufziehen, erfuhr die Familie erst vom Umweltamt des Landkreises. Verbunden mit dieser überraschenden Nachricht waren zudem gleich mehrere Auflagen.

„Die Wand, an der sich der schmale Holzstreifen befindet, durften wir nicht wie die anderen dämmen. Zum Streichen mussten wir biologische Farbe nehmen“, sagt die Frau des Hauses. Zudem muss die Familie alles unterlassen, was die geschützten Tiere bei der Aufzucht ihrer Jungen stören oder sie gar dauerhaft aus ihrer Behausung vertreiben könnte. „Vor allem reagieren sie sehr sensibel auf Lärm und Staub“, weiß die Bewohnerin. Bei Nichtbeachtung würden der Familie empfindlich Strafen drohen, ergänzt die Frau.

Das klingt hart, wird aber umso verständlicher, wenn man um die Bedeutung des Friedewalder Wohnquartiers der Mopsfledermäuse weiß. „Es ist sachsenweit die größte Wochenstube dieser streng geschützten Art“, erklärt Ullrich Dingeldey auf Nachfrage der SZ. Er ist Mitglied der Nabu-Fachgruppe Fledermausschutz Dresden, die sich auch um die hiesigen Tiere kümmert. „Normal sind Wochenstuben mit bis zur 30 Tieren. In der Friedewalder wurden vor zwei Jahren um die 130 Mopsfledermäuse gezählt.

Damit sie auch in diesem Jahr wieder möglichst viele Jungtiere aufziehen können, wurde der Ablauf des Kanalbaus jetzt umgeplant. „Bis Mitte August ruhen die Arbeiten in dem betreffenden Abschnitt der Sachsenallee und technologisch bedingt auch auf einem Teil der Goethestraße“, sagt Moritzburgs Bauamtsleiterin Birgit Hohmann. Dass sich der Bau dadurch über das für den November geplante Ende hinaus verzögert, sei derzeit von der Firma noch nicht angekündigt worden.