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Morddrohung gegen Dresdner Stadtrat

Wüste Beschimpfungen müssen Dresdens Stadträte öfter über sich ergehen lassen. Nun hat aber Linke-Stadtrat Christopher Colditz eine Morddrohung erhalten.

Linke-Stadtrat Christopher Colditz hat eine Morddrohung erhalten.
Linke-Stadtrat Christopher Colditz hat eine Morddrohung erhalten. © Sven Ellger

Dresden. In der Nacht zu Montag erhielt der Dresdner Stadtrat Christopher Colditz (Linke) eine Mail, die keinesfalls mehr als kritische Auseinandersetzung bezeichnet werden kann. Es ist vom "Gnadenschuss" die Rede.

Bereits der Absender ist mehr als verstörend. Die Person, die geschrieben hat, sendet von der Mailadresse "[email protected]", die Person nennt sich "Angela Hitler - Bolschewik". 

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Angeredet wird Colditz mit: "Die Pocken, du Misthaufen von Faschist!" Er wird als  "sozialistisches Miststück", "Faschistes Stück Dreck" und "kleines Faschistes Milchbubie" bezeichnet.

Auch wenn die Rechtschreibung zu wünschen übrig lässt, wird der Verfasser oder die Verfasserin sehr explizit. "Es dauert nicht mehr lange, der Tag X kommt in wenigen Wochen. Wenn der Mensch wütend ist werdet ihr ihn nicht mehr aufhalten - die letzten 3 Tage waren nur der Anfang. Du wirst u.a. wegen Terrorismus verurteilt. Noch nicht gewusst, euer Soros-Obama Antifa Verein ist eine terroristische Organisation. Willst du wissen was man mit Terroristen laut Kriegsrecht macht? GMADENSCHUß von hinten - wie ein Hund, denn das seid ihr Faschisten, nur wilde Hunde!" Dazu noch einiges wirres Zeug mit Hitler und Obama. 

Worum es dem Absender konkret geht, vermag auch Colditz nicht zu beurteilen. "Ich habe das allerdings angezeigt, weil ich es schon als Morddrohung auffasse."

Das sei auch für ihn neu, der etwa seit einem Jahr Stadtrat ist.  "Drohungen von Neonazis habe ich schon öfter erhalten, eine Morddrohung allerdings das erste Mal. Hier zeigen sich die Früchte jahrelanger Hasstiraden und die Vergiftung der gesellschaftlichen Debatten durch Pegida, AfD und anderen Neofaschisten." 

Leider passiere es immer häufiger, dass Menschen, die sich für eine solidarische Gesellschaft einsetzen, Morddrohungen erhalten und auf Todeslisten stehen. "So eine Drohung lässt einen nicht kalt, schon gar nicht, wenn einem der "Gnadenschuss von hinten" angedroht wird. Doch davon werde ich mich nicht einschüchtern lassen, gerade jetzt ist es wichtig, gegen Pegida, AfD und andere Menschenfeinde anzukämpfen und für eine gerechtere Gesellschaft einzustehen." 

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Auch Colditz Fraktionschef André Schollbach ist entsetzt. „Ich verurteile diese feige und hinterhältige Drohung." Die Linke werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen und weiterhin ihre politischen Positionen vertreten. "Alle Menschen, die Opfer von Anfeindungen, Drohungen und Gewalt der extremen Rechten geworden sind, haben unsere Solidarität“, so Schollbach.

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