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Sachsen

Lkw-Fahrer gesteht Tötung von Tramperin Sophia

Sie wollte von Leipzig nach Nürnberg trampen, doch da kam die 28-jährige Studentin nicht an. Der Angeklagte legt seine Sicht dar, was auf der Fahrt passierte.

Der des Mordes an Sophia Angeklagte mit seinem Anwalt im Gericht.
Der des Mordes an Sophia Angeklagte mit seinem Anwalt im Gericht. © Daniel Karmann/dpa

Bayreuth. Warum musste die Studentin Sophia Lösche sterben? Dieser Frage geht das Landgericht Bayreuth nach. Vor Gericht steht ein Lastwagenfahrer. Er soll die 28-jährige Frau ermordet haben. Zwölf Verhandlungstage mit 17 Zeugen und drei Sachverständigen sind angesetzt, um herauszufinden, was geschehen ist.

Der angeklagte Lkw-Fahrer entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen. Von seinem Anwalt ließ er zum Prozessauftakt sagen, dass ihm leid tue, was passiert ist. Dann ließ er schildern, wie Sophia starb. Demnach habe der Mann die junge Frau, die in Sachsen in sein Auto gestiegen ist, nicht vergewaltigt und getötet, um die Tat zu verschleiern. Die beiden hätten sich ganz gut verstanden, behauptet der Mann. Er hätte sie auf einen Kaffee eingeladen. Zurück im Lkw habe Sophia etwas vermisst und ihn beschuldigt, es eingesteckt zu haben. Daraufhin sei es zum Streit gekommen, der eskalierte und bei dem er Sophia erschlagen habe. Mord sei es also nicht gewesen.

Die Leiche der Frau habe der schmächtige Mann dann verschnürt und ins Bett im Lastwagen gelegt. An einer Tankstelle unterwegs besorgte er Benzin, überschüttete die Leiche und versuchte, sie zu verbrennen, was aber misslang. Laut der verlesenen Erklärung habe er nicht gewusst, was er mit der Toten machen sollte. So hielt er an einer anderen Tankstelle und wollte noch einmal Benzin besorgen. Dann bemerkte er Blut an seiner Kleidung und entsorgte diese dort in Panik, wurde dabei allerdings gefilmt von einer Überwachungskamera.

In diesem Gerichtssaal wird gegen den angeklagten Lkw-Fahrer verhandelt.
In diesem Gerichtssaal wird gegen den angeklagten Lkw-Fahrer verhandelt. © SZ/Tobias Wolf

Fest steht bisher: Die Germanistik-Studentin wollte im Juni 2018 von ihrem Studienort Leipzig in Richtung Nürnberg trampen. Von dort aus wollte sie nach Aussage ihres Bruders per S-Bahn weiter zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Doch dort kam Sophia nie an.

Die Anklage deckt sich mit der Geschichte des Beschuldigten: An einer Tankstelle an der Autobahn 9 in Sachsen soll der 1977 geborene, marokkanische Lkw-Fahrer die Tramperin mitgenommen und der Anklage zufolge später ermordet haben, nach Gerichtsangaben mit stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Jetzt müssen die Richter entscheiden, ob die Variante des Angeklagten glaubhaft ist.

Spanische Polizisten sichern im August 2018 am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren. Dort wurde die Tramperin gefunden.
Spanische Polizisten sichern im August 2018 am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren. Dort wurde die Tramperin gefunden. © Jesus Andrade/El Correo/dpa

Die Tat soll sich in Oberfranken ereignet haben. Der Lkw-Fahrer wurde in Spanien festgenommen. Dort wurde auch Sophias Leiche entdeckt, einige Tage nachdem ihre Familie sie vermisst gemeldet hatte.

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Vor Prozessbeginn demonstriert eine Initiative gegen Gewalt gegen Frauen vor dem Landgericht Bayreuth. © SZ/Tobias Wolf

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