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Morgen soll der alte Motor wieder laufen

Zwei Jahre hat Rico Markwardt getüftelt, gebaut und probiert. Die Maschine von 1938 soll die Attraktion der M-Hütte werden.

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Von Kerstin Fiedler

Tiefschwarz glänzen die meisten Teile des Rohölmotors von 1938 mittlerweile. Denn Rico Markwardt hat sie alle einmal einzeln in der Hand gehabt. Hat sie begutachtet, kontrolliert, repariert und – wenn es notwendig war und sie vielleicht sogar gefehlt haben, ersetzt. Morgen ist nun der große Moment. Die Maschine soll zum Saisonstart im Museum Margarethenhütte wieder laufen.

Als Markwardt die Maschine vor zwei Jahren unter einer Plane verborgen entdeckte, war er zwar sofort davon begeistert. Aber er wusste natürlich nicht, was ihn erwartete. Viele waren skeptisch. Doch der Brösaer ist ein Tüftler. Und er ist jemand, der nicht so schnell aufgibt. „Die Zeit im Museum der M-Hütte war die interessanteste in meinem ganzen Arbeitsleben“, sagt Markwardt selbst. Seit 2011 hat er dort eine Bürgerarbeitsstelle. Und hat dabei schon manche Maschine wieder zum Laufen gebracht. Nun also der Rohölmotor, der einst im Schloss Milkel stand. Dort hat er Strom erzeugt, indem er einen 25-Kilowatt-Drehstromgenerator antrieb. Einen solchen Generator haben die Vereinsmitglieder in der M-Hütte auch da. „Das dürfte dann die nächste Aufgabe werden, den Motor an den Generator anzuschließen, um Strom zu erzeugen. Dazu muss ich mir aber noch einiges überlegen“, schmunzelt Rico Markwardt, der glücklich ist, „sein Baby“ so weit gebracht zu haben.

Dabei kennt er sich mit Oldtimern aus, hat schon ein Cabrio und einen Lieferwagen IFA F8 aus den 50er-Jahren von Grund auf neu aufgebaut. Dazu muss man Tischler, Sattler, Kfz-Mechaniker sein und ein Herz für die alte Technik haben. Deshalb war er jetzt ganz stolz, als Claus Bieberstein, 78-jähriger Gesellschafter der gleichnamigen Firma Motoreninstandsetzung und Baumaschinenservice Königswartha, ihm bestätigte, dass er alles richtig gemacht hat. „Er meinte zwar, dass ich ein bissel verrückt sei. Aber er sagte auch, dass er den Hut zieht“, sagt Rico Markwardt stolz. Gemeinsam haben sie den Fehler gefunden, warum die Maschine noch nicht lief. In der Nähe von Altenburg holte er sich bei einem Schleppertreffen noch letzte Anregungen, denn dort steht eine baugleiche Maschine. Nur ein einziges Detail hatte Markwardt gemeinsam mit seinem Sohn nicht auseinandergebaut – und genau da lag der Fehler. Auch beim ersten Probelauf lief noch nicht alles rund. Also bauten die beiden Männer – der Sohn ist CNC-Fräser und half beim Herstellen der fehlenden Teile – alles noch einmal auseinander. „Jetzt weiß ich alles zu diesem Motor, kenne jede Schraube“, sagt der 51-Jährige.

Doch nicht nur die Technik interessiert den Tüftler. Auch die Geschichte. So erfuhr er, dass der Motor aus der Nieskyer Fabrik Christoph und Unmark stammt, die 1882 von zwei Dänen gegründet wurde. Zunächst wurden dort nur einfache Holzhäuser gebaut, erst 1917 kam eine Waggonfabrik dazu und es wurden auch Motoren gebaut. Das Großdubrauer Modell entstand 1938 und wiegt immerhin vier Tonnen.

Morgen nun hofft Rico Markwardt, dass viele Besucher sich diese Premiere nicht entgehen lassen wollen. Außerdem werden zum Saisonauftakt wieder Bahnstabisolatoren gedreht, die beiden Sonderausstellungen sind zu besichtigen. Groß und Klein werden zum Töpfern eingeladen.

1. Mai, 10 bis 17 Uhr, Eintritt: Kinder ab 6 Jahre 1 Euro, Jugendliche ab 15 Jahre 2 Euro, Erwachsene 3 Euro

www.museum-mhuette.de