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Moritzburger Hengst mit königlichem Auftrag

Millennium hat in Deutschland schon für wertvollen Nachwuchs gesorgt. Jetzt soll er auch sportlich punkten.

Von Sven Görner

Ein Handkuss für die Queen von Dolce Luciana. Das Bild der glücklich dreinschauenden Königin Elisabeth II. von Großbritannien mit ihrer bildhübschen Stute verrät viel von der großen Leidenschaft der Monarchin. Sieht man einmal von Herzogin Kate ab, die an einer Pferdehaarallergie leidet, sind die Windsors ein Königshaus voller Pferdenarren. Der Pferdezucht und dem Pferdesport in all seinen Facetten widmet die Monarchin viel Zeit und Aufmerksamkeit. Sogar Staatsgäste hat sie schon hoch zu Pferde empfangen. Seit Jahrzehnten ist die 87-Jährige auf der Insel eine erfolgreiche Züchterin von Renn-, Military- und Kutschpferden. Wer bei den königlichen Pferdezuchten einen Fuß in die Tür bekommen will, muss schon Besonderes zu bieten haben. So wie das Moritzburger Landgestüt.

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Zu dessen edlen Deckhengsten gehört der 2008 geborene Trakehner Millennium – ein Ausnahmehengst der Extraklasse. Er wurde in diesem Jahr ausgewählt, bei einer züchterisch nicht minder vielversprechenden Stute aus dem Besitz der englischen Königin für Nachwuchs zu sorgen. Dolce Luciana – so der wohlklingende Name des Royal Horse – ist seit Dezember 2012 in den Ställen von Windsor Castle zu Hause. Geschenkt wurde die Stute der Queen vom Trakehner-Verband und von Donatus Prinz von Hessen zum 60. Thronjubiläum. Gut vier Stunden hatte sich die Monarchin Zeit genommen, um mit dem Prinzen und der Verbandsvorsitzenden über das bildschöne Geschenk und die Pferdezucht zu plaudern. Wie Donatus von Hessen in einem Brief an die Mitbesitzer von Millennium – das private Gestüt Sprehe – schreibt, sei Königin Elisabeth II. schon sehr auf das Fohlen von Millennium gespannt.

Bereits 2011, in seinem ersten Jahr im Landgestüt, hatte der mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Hengst für Furore gesorgt. Die 320 von dem Trakehner gedeckten Stuten waren selbst für den Moritzburger Gestütschef Matthias Görbert ein ungewohntes Ergebnis. Dabei leitet er die Traditionseinrichtung schon seit fast 30 Jahren. Das Interesse der Züchter innerhalb und außerhalb des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen ist seitdem ungebrochen. Und das, obwohl die zu zahlende Decktaxe von Jahr zu Jahr gestiegen ist. In der laufenden Saison sind immerhin 900 Euro fällig. Soviel wie bei keinem anderen Moritzburger. Qualität hat eben ihren Preis: Die Nachkommen des Hengstes wurden in mehreren Zuchtgebieten in auffallend großer Zahl prämiert und erzielten zudem Spitzenpreise auf verschiedenen Fohlenauktionen. So ist Millennium der Vater des teuersten Stutfohlens in Vechta und auch der beiden teuersten Fohlen auf der Trakehner Fohlenauktion in Neumünster.

Doch nicht nur züchterisch ist Millennium ein erstklassiger Start gelungen. Mit Kay Pawlowska vom Landgestüt Moritzburg war das Ausnahmetalent mehrfach bei Reitpferdeprüfungen erfolgreich und wurde zudem Vize-Champion beim Trakehner Bundesturnier in Hannover. Auch mehrere Dressurpferdeprüfungen hat er inzwischen gewonnen.

Seit diesem Jahr trainiert der Edelhengst gemeinsam mit Kristina Sprehe, der Silbermedaillengewinnerin von London 2012, mit der Dressurmannschaft. Bei der Hengstpräsentation zu Jahresbeginn in Moritzburg gehörte beiden das uneingeschränkte Interesse der versammelten Züchterschar. Bereits vor Jahresfrist, als der Ausnahmehengst im Gestüt Sprehe präsentiert wurde, war die erfolgreiche Olympionikin so begeistert von Millennium, dass sie ihn am liebsten gleich dabehalten hätte. Schließlich einigten sich die gemeinsamen Besitzer aber darauf, den Trakehner noch für eine Saison in Moritzburg zu lassen. Doch inzwischen ist er nun in Niedersachsen bei Kristina Sprehe zu Hause. Sie will den Hengst auf höhere sportliche Aufgaben vorbereiten. Sein Samen steht den hiesigen Züchtern dennoch weiter zur Verfügung. Übrigens ist der jetzige Kontakt zum englischen Königshaus für die Moritzburger nicht der Erste. Bereits 1988, also noch in der DDR, waren 14 Rappen der Rasse Schweres Warmblut für die hauseigene Kavallerie der Windsors verkauft worden.