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Moritzburger Hengste decken weniger Stuten

Der Rückgang trifft das Landgestüt aber nicht so stark wie andere Hengsthalter.

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Die rund 100 Zuchthengste des Landgestüts sind wieder von den 16 über ganz Sachsen und Thüringen verteilten Deck- und Besamungsstationen nach Moritzburg zurückgekehrt. Offiziell endet die diesjährige Decksaison allerdings erst am Sonntag. Erfahrungsgemäß nutzen die Züchter meist bis zuletzt die Möglichkeit, ihre Stuten mit den gefragten Genen der Moritzburger Vierbeiner decken zu lassen.

Gestütschef Matthias Görbert hält sich daher auch noch mit exakten Zahlen zurück. „Sicher ist aber bereits, dass etwa acht Prozent weniger Stuten gedeckt wurden als im Vorjahr.“ Im Krisenjahr 2009 waren das rund 2000 gewesen, womit sogar ein leichtes Plus erreicht worden war. Im Vergleich zu anderen Landgestüten und privaten Hengsthaltern sei das diesjährige Ergebnis aber durchaus akzeptabel, so Görbert. „Dort gibt es Rückgänge von bis zu 25 Prozent.“

Nach dem Grund dafür gefragt, warum die Moritzburger Hengste trotz Krise weiter nachgefragt sind, sagt der Gestütschef: „Ich glaube, dass wir solche Hengste im Bestand, die für die Züchter interessant sind.“ Das trifft übrigens nicht nur für das Inland zu, wo es starke Konkurrenz gibt, sondern auch für das Ausland. So wurde Frischsamen unter anderem wieder in mehrere Nachbarländer aber auch bis Irland geliefert. Für das Landgestüt sind die Decktaxen eine wichtige Einnahmequelle.

600 Euro Decktaxe

Unangefochtener Spitzenreiter im Stutenbeglücken war wie im Vorjahr wieder der springveranlagte Edelhengst Colestus. Er deckte 130 Stuten. Der Preis dafür betrug 600 Euro. Das mit 250000 Euro teuerste Pferd der Süddeutschen Hengsttage 2009 hatte dessen neuer Besitzer, das Reitsportzentrum Massener Heide in Unna, für zwei Jahre nach Moritzburg verpachtet. „Die Verpächter sind sehr zufrieden, auch mit der sportlichen Entwicklung von Colestus“, sagt Görbert. „Er wird daher ein weiteres Jahr bei uns bleiben und soll unter Philipp Schober auf das Bundeschampionat vorbereitet werden.“

Mit seinem neuen Mitarbeiter Schober setzte das Landgestüt im Frühjahr ebenso ein Achtungszeichen wie mit den Neuzugängen bei den Hengste. Zu diesen gehört unter anderem sowohl der diesjährige Springsieger der Süddeutschen Hengsttage Cortoni, den das Landgestüt ersteigerte, als auch der Dressursieger Famous Flamur. Diesen kaufte für die sagenhafte Summe von 330000 Euro das Reitsportzentrum Massener Heide und vertrauten auch ihn den Moritzburgern an.

Der aus Rothenburg an der Neiße stammende Schober ist neben Michael Kölz der beste Nachwuchsreiter Sachsens. Vor seinem Wechsel nach Moritzburg, wo er für die Springpferdeausbildung zuständig ist, war er anderthalb Jahre beim Deutschen Olympiakomitee in Warendorf und konnte dort mit dem Bundes-Nachwuchstrainer arbeitet. Am vergangenen Wochenende entschied Schober mit dem fünfjährigen Landgestütshengstes Lemwerder das Hannoveraner Springpferdechampionat in Verden klar für sich. „Beide gelten damit als Favoriten für das Bundeschampionat am 5. September in Warendorf“, sagt Görbert.

Dort wird bei den vierjährigen Reitpferden auch der Moritzburger Hengst Lößnitz mit Gestütswärter Kay Pawlowska an den Start gehen. Beide Reiter und Pferde fehlen daher auch bei der ersten diesjährigen Hengstparade.

Bereits an diesem Wochenende tritt der Leisniger Michael Kölz mit dem Gestütshengst Lewinski bei den Deutschen Meisterschaft in Münster an. Bei ihrem Debüt im Vorjahr schafften die beiden als erste sächsische Teilnehmer überhaupt auf Anhieb den neunten Platz. „In diesem Jahr ist die gesamte deutsche Weltmeisterschaftsmannschaft am Start, die an den Weltreiterspielen teilnimmt“, sagt Görbert. „Das macht den Vergleich besonders interessant.“S. Görner