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Moschee oder Kathedrale?

Den Besuchern von Cordoba ist es unwichtig, was die Mezquita eigentlich darstellt – den Einheimischen dafür umso mehr.

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Von Martin Dahms

Wenn es nach der katholischen Kirche in Spanien geht, gibt es die Mezquita überhaupt nicht. Man muss schon genau hinschauen, um auf der Webseite der Heiligen Kirche/Kathedrale von Cordoba recht weit unten den eingeklammerten Hinweis „Antigua Mezquita“ zu finden – ehemalige Moschee.

Sie ist ohne Zweifel Cordobas Schönste: die Mezquita – Kathedrale und Moschee in einem. Dass sie ausschließlich der katholischen Kirche gehören soll, finden viele Cordobesen einfach nicht richtig. Foto: Imago/GranAngular
Sie ist ohne Zweifel Cordobas Schönste: die Mezquita – Kathedrale und Moschee in einem. Dass sie ausschließlich der katholischen Kirche gehören soll, finden viele Cordobesen einfach nicht richtig. Foto: Imago/GranAngular © imago

Den jährlich 1,3 Millionen Besuchern ist das egal. Sie kommen nach Cordoba, um eines der großartigsten Beispiele islamischer Baukunst – und nebenbei eines der schönsten Gebäude der Welt – zu bewundern: Die Mezquita, entstanden ab 785 während der maurischen Epoche Andalusiens. Ein Zauberwald aus steinernen, von rot-weißen Doppelbögen überspannten Säulen. Seit der christlichen Reconquista Cordobas 1236 ist die frühere Moschee eine katholische Kirche, die Kathedrale der Stadt. Doch im Gedächtnis der Menschheit ist die Kirche geblieben, was sie einst war: die Mezquita.

Um keinen Zweifel zu lassen, wer der Herr im Hause ist, wurde der Mezquita im 16. Jahrhundert, zu Zeiten Kaisers Karl V., eine Renaissancekirche eingepflanzt, ein Speerstich ins Herz der maurischen Schönen. Doch erst vor Kurzem, im Jahr 2006, ließ das Bistum von Cordoba die Mezquita auch im Grundbuch auf seinen Namen eintragen.

Der Bischof Demetrio Fernández verkündete wenig später: Die Mezquita sei „zweifellos eine Kathedrale“. Wer die Mezquita nur Mezquita nenne, säe Verwirrung, und das „manchmal sogar mit Absicht“. Damit künftig keine Verwirrung mehr aufkommt, steht auf den Eintrittskarten zur Mezquita nur noch Kathedrale, und auf der offiziellen Webseite ist die Moscheenvergangenheit kaum mehr als eine historische Anekdote.

Nicht alle Cordobesen mögen sich mit dieser Geschichtsvergessenheit abfinden. Eine „Plattform Mezquita-Kathedrale von Cordoba“ hat in den vergangenen zwei Wochen 90 000 Unterschriften im Netz gesammelt, damit die Mezquita nicht allein Kathedrale genannt werde. Und noch mehr: Die Plattform fordert „die juristische Anerkennung der öffentlichen Trägerschaft“ des Monuments. Mit anderen Worten: Sie will der katholischen Kirche die Mezquita entreißen.

Die linke Regionalregierung von Andalusien findet den Gedanken nicht abwegig. Angeregt von der Unterschriftenaktion hat sie diese Woche ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob sie selbst die Trägerschaft oder die Verwaltung der Mezquita übernehmen könnte. Die Regierungspräsidentin von Cordoba, Isabel Ambrosio, hat den Aufruf der „Plattform Mezquita-Kathedrale von Cordoba“ schon unterzeichnet. Persönlich und „als Sozialistin“ sei sie überzeugt, dass die Mezquita in öffentliche Hand gehöre. Die katholische Kirche dürfte das anders sehen. Doch Bischof Fernandez zieht es zurzeit vor, auf Fragen zur Mezquita zu schweigen.