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Wie Mitarbeiter für das Kodersdorfer Gewerbegebiet gesucht werden

Geworben wird auf verschiedenen Wegen. Viele neue Jobs sind eher anspruchsvoll.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

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Kodersdorf. Im Gewerbegebiet Kodersdorf geht es Schlag auf Schlag. Eine Firma nach der anderen eröffnet hier ihr neues Werk. Und jede davon benötigt Arbeitskräfte, obwohl inzwischen auch in der Oberlausitz qualifizierte Mitarbeiter nur noch schwer zu finden sind. Die Sächsische Zeitung hat bei den drei Unternehmen mit der zahlenmäßig stärksten Belegschaft nachgefragt, welche Anstrengungen man dort unternimmt.

Der Bedarf ist dauerhaft hoch. Gesucht wird in bestimmten Berufsgruppen.

Holzindustrie Schweighofer beschäftigt derzeit rund 430 Mitarbeiter, mit der Werkserweiterung kommen Anfang nächsten Jahres weitere 100 dazu. „Wir sind stets auf der Suche nach Fachkräften und Auszubildenden“, macht Werkleiter Thomas Kienz deutlich. Vor allem holzspezifische Berufe sind begehrt – zum Beispiel Holzbearbeitungsmechaniker, aber auch Baumaschinenmechatroniker, Bagger- und Staplerfahrer. Bei Borbet Sachsen hat sich die Lage leicht entspannt. Nachdem es in der Anfangszeit 2015 bis zu 7 000 Bewerbungen gegeben hat, wurde der Personalaufbau im Frühjahr 2016 weitgehend abgeschlossen. Die Schlüsselpositionen sind seit Längerem besetzt. „Das heißt aber nicht, dass wir niemanden mehr benötigen“, sagt Mareike Knöschke. Vor allem wenn der Bau der neuen Lackieranlage abgeschlossen sei. Natürlich bewege sich der Bedarf in überschaubaren Größenordnungen, wenngleich das vorhandene Arbeitskräftereservoir kleiner, der Findungsprozess damit zugleich langwieriger geworden sei. Gesucht würden Mitarbeiter im CNC-Bereich, aber auch Gießereifachkräfte. Die Borbet-Belegschaft in Kodersdorf umfasse inzwischen etwa 520 Beschäftigte. Wie viele im Zuge der aktuellen Investition hinzukommen sollen, werde momentan geprüft. Bei den beiden Tochterfirmen der Elbe Flugzeugwerke, CCI Assembly und Acosa, gibt es nach Aussage von Geschäftsführer Frank Zenker aktuell keinen Personalmangel. CCI beschäftige derzeit rund 100 Mitarbeiter, bei Acosa sollen es bis zur Jahresmitte 130 sein. „Ob es weiteren Zuwachs geben wird, hängt von der Produktentwicklung bei Airbus ab.“ Er gehe aber davon aus, dass perspektivisch CNC-Bediener, Zerspaner und sonstige Interessenten mit handwerklicher Ausbildung gebraucht würden. „Die werden dann an unseren Spezialmaschinen angelernt“, so Zenker.

Um Mitarbeiter zu finden, gehen die Firmen ganz unterschiedliche Wege.

Bei Schweighofer setzt man auf einen kreativen Mix aus traditionellen und modernen Instrumenten. Das reicht von Inseraten in Zeitungen bis zum Messeauftritt. Künftig will man auch unterschiedliche Kanäle im Social-Media-Bereich mit einbeziehen. Borbet setzt auf Zeitungsartikel und Radiokampagnen, um neue Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch die eigene Homepage und der Facebook-Auftritt spielen eine wichtige Rolle. Anzeigen schaltet man meist nur, um Auszubildende zu finden. Regelmäßig dabei ist die Firma bei dem vom Landkreis organisierten Insidertreff. Von Job-Speed-Datings hält man dagegen wenig. Der hohe Aufwand rechtfertige den Nutzen nicht. „Wir bekommen aber auch regelmäßig Initiativbewerbungen“, freut sich Mareike Knöschke über das offenbar große Interesse in der Bevölkerung. Bei den beiden Tochterfirmen der Elbe Flugzeugwerke setzt man auf aktives Personalmanagement mit einer Mischung aus Stellenanzeigen in Printmedien, Bekanntmachungen im Internet und der Nutzung von Online-Jobbörsen.

Arbeitsagentur und private Jobvermittler spielen wichtige Rolle.

Nahezu unisono betonen alle befragten Unternehmen, dass Arbeitsagentur und Jobcenter für sie wichtige Ansprechpartner sind. In manchen Fällen werden auch private Vermittler herangezogen. Zur zielgerichteten Suche nach Spezialisten für einzelne Fachgebiete sei das wichtig, sagt Schweighofer-Chef Kienz.

Polnische Arbeitskräfte werden unterschiedlich stark umworben.

Überall setzt man hauptsächlich auf Kollegen aus dem deutschen Teil der Euroregion. Als international tätiges Unternehmen sei es jedoch selbstverständlich, auch über die Grenzen hinaus zu blicken, gibt man beim Kodersdorfer Holzverarbeiter zu verstehen. In erster Linie achte man natürlich auf die Qualifikation und soziale Kompetenz der Bewerber. Bei CCI Assembly und Acosa geht man völlig unkompliziert mit dem Thema um. Bei CCI sind derzeit drei und bei Acosa zehn Polen beschäftigt. Entscheidend seien, so Zenker, die Sprachkenntnisse. „Die müssen so gut sein, dass sie kommunizieren können und Arbeitsanleitungen problemlos verstehen.“ Obwohl man bei Borbet keine aktive Mitarbeiterwerbung im Nachbarland betreibt, klopfen trotzdem viele Interessenten an. „Das sind meist Polen, die bisher Jobs in England, Holland oder im Westen Deutschlands hatten und nun eine Tätigkeit in Heimatnähe suchen“, erläutert Mareike Knöschke. Auch beim Hersteller von Leichtmetallrädern müssen ausländische Arbeitnehmer so gut Deutsch verstehen, dass sie mit Arbeitsanweisungen keine Probleme haben.

Die Betriebe schätzen sich selbst als attraktive Arbeitgeber ein.

Schweighofer möchte künftige Mitarbeiter mit einer Mischung aus Tradition und Innovation überzeugen. „Es ist die Regionalität im Bezug unserer Rohstoffe und die Internationalität in unserem Vertrieb, die uns Teil des Exportweltmeisters sein lässt“, erklärt Werkleiter Kienz stolz. Bei CCI Assembly und Acosa ist es das attraktive Arbeitsumfeld, das Bewerbern die Entscheidung leicht machen soll. Die Produktion sei hochautomatisiert, die Einkommensstruktur ortsüblich, betont Geschäftsführer Zenker. Mit dem hier praktizierten Vergütungssystem, das sich an Leistung und Qualität orientiere, lasse sich gutes Geld verdienen. Außerdem sei man in den beiden jungen Unternehmen momentan dabei, eine Palette an Sozialleistungen aufzubauen. „Möglich sind auch flexible Arbeitszeitsysteme und Home-Office-Zeiten im Bürobereich.“ Bei Borbet führt man gleich eine ganze Reihe von Vorteilen an, mit denen die Firma bei potenziellen Interessenten punkten will. 30 Tage Urlaub, Weihnachts- und Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen und Getränkeversorgung am Arbeitsplatz sind einige wesentliche Punkte, die Mareike Knöschke ins Feld führen kann. Hinzu komme ein fairer Lohn, der 2017 schon das erste Mal angehoben worden sei. „Wir legen großen Wert auf ein intaktes Betriebsklima. Wir schätzen jede einzelne Arbeitskraft. Beschäftigte in Produktion und Führungsebene sollen miteinander sprechen.“

Die Gemeinde will, dass Oberschule und Firmen miteinander kooperieren.

René Schöne möchte die Firmen im Gewerbegebiet dazu nutzen, um die junge Generation im Ort zu halten. „Wenn wir schon so viele und gute Unternehmen hier haben, dann bietet sich natürlich auch die Chance, die Jugend langfristig an Kodersdorf zu binden.“ Deshalb ist der Bürgermeister nicht nur glücklich darüber, dass einige Betriebe bereits den vom Landkreis organisierten Insidertreff nutzen, um sich dort mit ihrem Profil vorzustellen. Schöne hofft darüber hinaus, dass das Miteinander von Oberschule und örtlichen Unternehmen weiter intensiviert wird. „Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Im Laufe des ersten Quartals 2018 soll es ein weiteres Treffen geben. Wir müssen solche Projekte in Gang bringen, bei denen die Schüler richtig eingebunden werden können. Praktika oder Vorstellungsrunden der Firmen in der Schule wären natürlich ebenso gut.“ Der Kodersdorfer Rathauschef kann sich zudem einen jährlich stattfindenden Tag vorstellen, an dem sich alle interessierten Unternehmen aus dem Ort in der Schule präsentieren. „Immerhin machen hier jedes Jahr knapp 60 Kinder ihren Abschluss. Ich denke, dieses Potenzial sollte man nicht ungenutzt lassen“, stellt Schöne klar.