merken
PLUS

Löbau

Der Junge, den andere von hinten sehen

Lennard Göttlich aus Eibau ist erst 14 Jahre alt und schon ein erfolgreicher Motorrad-Rennfahrer. Jetzt startet er gemeinsam mit den ganz großen Stars.

Lennard Göttlich ist auf seiner Rennmaschine oft ganz vorne dabei.
Lennard Göttlich ist auf seiner Rennmaschine oft ganz vorne dabei. © Foto: Rafael Sampedro

Lennard Göttlich ist weiß Gott kein ängstlicher Typ. Bloß auf eine Idee käme er im Leben nicht: "Motorrad fahren auf öffentlichen Straßen? Nee. Da passieren viel zu viele Unfälle", sagt er. Nun gut, mit seinen gerade mal 14 Jahren darf er ohnehin höchstens mit dem Fahrrad auf die Straße - aber die Risiken von Motorrädern kann er wahrscheinlich besser einschätzen als so mancher erwachsene Freizeitfahrer. Lennard Göttlich ist einer der jüngsten Piloten in der Motorrad-Rennserie "ADAC Junior Cup". Und nicht selten sieht die Konkurrenz ihn dort nur von hinten.

Das Renn-Gen wurde dem jungen Eibauer buchstäblich in die Wiege gelegt. "Ich bin schon als kleiner Junge mit meinem Opa an den Rennstrecken Europas unterwegs gewesen", sagt Lennard. Uwe Göttlich (57) war in seinen jüngeren Jahren ein erfolgreicher Motorrad-Rennfahrer. 2001 wurde er Europameister in der Seitenwagen-Klasse und auch bei der Seitenwagen-Weltmeisterschaft, der Superside, war er am Start. "Bis nach Südafrika führten seine Rennreisen", erzählt Lennards Mutter Alexandra Göttlich. Und Lennard drehte dann mitunter auf einem "Pocket-Bike" seine Runden. Dieses Mini-Motorrad passt zwar nicht wie es der Name vermuten lässt in die Hosentasche, sieht aber dennoch eher aus wie ein Modell. Aber es ist höllisch schnell: 80 Stundenkilometer. Gerade mal sechs Jahre war Lennard alt, als er darauf seine Renn-Karriere startete.

Wie geht's Brüder
Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Klein aber oho. Auf diesem sogenannten Pocket-Bike machte Lennard Göttlich seine ersten Rennerfahrungen.
Klein aber oho. Auf diesem sogenannten Pocket-Bike machte Lennard Göttlich seine ersten Rennerfahrungen. © Foto: Rafael Sampedro

Mit Lennard wuchsen auch seine Motorräder. Und nach der Mini-Bike-Klasse mit 8,4 PS ist er nun bei der Junior-Klasse angekommen. In der "ADAC Junior Cup"-Rennserie fahren alle 20 Kontrahenten eine 45 PS starke KTM. "180 Spitze erreicht die am Ende der Start-Ziel-Geraden schon", sagt Lennard. Zehn Renner umfasst die Serie, darunter auf berühmten Kursen wie im tschechischen Most oder im niederländischen Assen. Im letzten Jahr startete er erstmals in der Nachwuchs-Serie und wurde 11. im Gesamtklassement. "Ein klassisches Rookie-Jahr", sagt Lennard lässig. "Rookies" - so heißen im Motorsport die Anfänger. In der aktuellen Saison liegt er auf Rang acht. Und wäre er beim letzten Rennen nicht im Kiesbett gelandet, würde er noch weiter vorne rangieren, aber Stürze gehören eben auch dazu. "Ich bin in meinem Leben bestimmt schon 100-mal gestürzt. Wenn man nicht ans Limit geht, ist man nicht schnell. So einfach ist das", sagt Lennard. Gefährlich? "Man holt sich mal ne Prellung", erklärt er. Dass er sich noch nie schwerer verletzt hat, liegt aber auch an seiner körperlichen Fitness. Die holt sich Lennard mit dem Gewichtheber-Training beim SG-Fortschritt Eibau. 65 Kilo stößt er mit seinen schmächtigen 55 Kilo Körpergewicht. Bei den Deutschen Meisterschaften erreichte Lennard jüngst den vierten Platz.

Freizeit bleibt da nicht - und das gilt für die ganze Familie. "Die Hobbys unserer Kinder sind unsere Hobbys", sagen die Eltern Alexandra und Maik Göttlich. Beinahe jedes Wochenende machen sie sich mit ihrem Wohnmobil auf den Weg. Meistens schon am Donnerstag. An Rennwochenenden ist Lennard von seiner Schule, der Schkola in Ebersbach, freigestellt. Bei seinen Mitschülern hat er seinen spannenden Sport trotzdem nie an die große Glocke gehängt. "Die wissen erst seit Kurzem, was Lennard überhaupt macht", sagt seine Mutter. Auch Lennards jüngere Schwestern Smilla (8) und Marla (11) sind bereits vom Rennfieber gepackt. "So wie andere an Feiertagen Ausflüge unternehmen, nutzen wir jeden freien Tag, damit die Kinder fahren können", sagt Maik Göttlich. Einmal die Woche auf der Kartbahn "Görlitzring" ist Standard, im Sommer geht's aber immer für ein paar Wochen nach Spanien an eine Rennstrecke in die Nähe von Barcelona.

Am kommenden Wochenende haben die Göttlichs es mal nicht so weit. Dann startet Lennard nicht nur in seiner Heimat, sondern auch mit den ganz Großen des Motorrad-Rennsports. Vom 5. bis 7. Juli trägt die Weltmeisterschafts-Serie MotoGP auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal den HJC Helmets Motorrad Grand Prix von Deutschland aus. "Da kommen dann 200.000 Zuschauer. Das ist schon beeindruckend", sagt Alexandra Göttlich. Beim einzigen deutschen Stopp der Weltmeister-Serie ist zum Beispiel die Motorrad-Legende Valentino Rossi am Start. Den kennt Lennard längst. Im letzten Jahr hat er zahlreiche Weltmeisterschaftsläufe begleitet. Ich bin immer im Fahrerlager unterwegs und habe mit allen schon ein Foto gemacht", sagt er. "Mein Lieblingsfahrer ist aber Franco Morbidelli." Deshalb hat er auch die gleiche Startnummer wie sein Idol, die 21.

Ob er es selbst mal in die Super-Liga der Motorrad-Stars schafft - Lennard weiß es nicht. "Träumen kann man viel. In der Fußball-Bundesliga stehen immer 22 Spieler auf dem Platz. Es ist so viel einfacher, im Fußball nach oben zu kommen, als im Motorsport", rechnet er vor. Seine Eltern Alexandra und Maik sehen es eigentlich gar nicht so gerne. Eigentlich wollten sie, dass nach der Minibike-Klasse Schluss ist mit dem Rennfahren. Es kam anders. "Wir unterstützen das. Aber begeistert sind wir nicht. aber Lennard weiß, was er tut", sagt Maik Göttlich. Und seine Mutter bangt an der Rennstrecke jedesmal, wenn Lennard auf der Zielgeraden vorbeirauscht und dann eineinhalb Minuten nicht zu sehen ist. "Wir haben wahnsinnig Angst", sagt sie. Angst hat Lennard keine, aber Respekt  und Spaß. "Es ist einfach nur geil", sagt er.

Mehr Lokalthemen lesen Sie hier

www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/zittau

Mehr zum Thema Löbau