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Ein Dresdner Rennstall expandiert in Krisen-Zeiten

Motorsport ohne Sponsoren geht nicht. Die zu finden, ist wegen Corona schwierig. Ein junges Team gibt trotzdem Gas und startet Ende Juli in die neue Saison.

Für Testfahrten war der Audi R8 vom Team T3 vorige Woche auf dem Lausitzring. Dort beginnt Ende Juli die Saison.
Für Testfahrten war der Audi R8 vom Team T3 vorige Woche auf dem Lausitzring. Dort beginnt Ende Juli die Saison. © Foto: T3

Dresden. Eigentlich würden jetzt die Vorbereitungen auf das dritte Saisonrennen laufen. Doch der ursprüngliche Kalender ist längst kein aktueller mehr, wurde schon mehrfach geändert. Nun soll es Ende Juli auf dem Lausitzring endlich losgehen mit den ADAC GT Masters, der zweiten Liga im Tourenwagen-Motorsport hinter der DTM.

Für den jungen Dresdner Rennstall T3 sind das gleich zwei erfreuliche Nachrichten. Zwischenzeitlich nämlich verbreitete sich das Gerücht, die Saison würde wegen den Corona-Einschränkungen komplett abgesagt. „Das wäre fatal gewesen“, sagt Teamchef Jens Feucht und meint damit vor allem die finanziellen Konsequenzen. Zum anderen liege der Lausitzring, der für Most in Tschechien einspringt, „quasi um die Ecke. Es ist für uns also ein richtiges Heimrennen.“

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Die zweite Saison für das Team T3 beginnt drei Monate später als geplant, doch sie beginnt. „Für die Werksteams, die von den Autoherstellern unterstützt werden, ist das nicht so entscheidend. Bei den Privatteams, zu denen wir gehören, zahlen die Sponsoren nur, wenn auch gefahren wird“, erklärt Feucht den Unterschied. Und die Dresdner haben vor ihrer zweiten Saison kräftig investiert – in ein zweites Auto. „Die Bestellung war gerade abgeschickt, da begann die Corona-Krise“, erinnert sich Feucht. Schlechtes Timing, Stornierungen sind unüblich bis unmöglich.

300 Sensoren im Auto, mehr als 600.000 Euro als Etat

Zwei Autos pro Team sind dagegen absolut üblich. „Man gewinnt doppelt so viele Daten und kann sich schneller entwickeln“, erklärt der 49-Jährige. Daten richtig zu deuten, ist im Motorsport die Basis, ohne geht es nicht. 300 Sensoren spucken unaufhörlich Zahlen und Kurven aus.

Sponsoren sind die andere Basis. 600.000 Euro betrug der Etat von T3 in der Premierensaison. „Wenn wir nun ein zweites Auto am Start haben, heißt das aber nicht, dass auch unser Budget verdoppelt wurde“, erklärt Feucht. Eine konkrete Summe will er nicht nennen, macht aber deutlich, dass die Suche nach Förderern durch die Folgen der Pandemie nicht einfacher geworden ist.

Persönliche Gespräche waren lange unmöglich – auch, weil viele Entscheider im Ausland sitzen. Zudem sind Firmen bei den Werbeausgaben derzeit zurückhaltend. „Wir haben zwei, drei Partner, bei denen nicht absehbar ist, ob sie sich weiter in vollem Umfang engagieren können“, sagt Feucht. „Wenn man als Unternehmen Personal in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen muss, sind Sponsorenzahlungen nur schwer vermittelbar. Das verstehe ich absolut.“

Jens Feucht ist Inhaber einer Firma für erneuerbare Energien. Zusammen mit vier anderen Gesellschaftern gründete er den Dresdner Rennstall T3.
Jens Feucht ist Inhaber einer Firma für erneuerbare Energien. Zusammen mit vier anderen Gesellschaftern gründete er den Dresdner Rennstall T3. © dpa-Zentralbild

Feucht, Inhaber einer Firma für erneuerbare Energien, ist zusammen mit den vier anderen Gesellschaftern und Gründern des Rennstalls der wichtigste Unterstützer. „Viel läuft bei uns übers Ehrenamtliche, wir haben schlanke Strukturen, das hilft uns jetzt in der Krise“, sagt er.

Die Frage, ob bei den sieben geplanten Rennen Fans an die Strecken dürfen oder nicht, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Die Teams werden an den Zuschauereinnahmen nicht beteiligt. Und das Fernsehen überträgt alle Rennen. Noch ist auch nicht entschieden, ob die Tribünen beim Saisonauftakt auf dem Lausitzring Ende Juli tatsächlich komplett leer bleiben müssen. Dort ist maximal für 120.000 Leute Platz, an einem GT-Masters-Wochenende kommen im Schnitt insgesamt rund 30.000.

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Beim Heimrennen wird T3 neben dem Audi R8 GT 3 ein zweites rund 585 PS starkes Auto erstmals an den Start stellen. Welches, will Feucht nicht verraten. „Es ist eine bekannte Marke mit einer langen Tradition im Motorsport“, erklärt er. Geheimnisse gehören auch zum PS-Geheul. Fest steht allerdings, dass der Dresdner Maximilian Paul wieder hinterm Lenkrad sitzen wird. Mit den beiden Autos will das Team, das vor allem auf Nachwuchsfahrer setzt, öfter in die Punkte fahren als im vergangenen Jahr. Da gelang es ein einziges Mal. „Das ist unser Anspruch“, sagt Feucht. Ob das gelungen ist, wird man erst Anfang November sehen. Dann erst endet diese ungewöhnliche Saison – nach aktuellen Kalender.

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