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Newcomer mit 80 Jahren

Hanskarl König aus Schlottwitz hat schon vieles gemacht. Jetzt ist er in einem Musikvideo zu sehen.

Hanskarl König hat das Lied: „Mein schönes Müglitztal“ komponiert. Schwärmerisch besingt er das Tal, die steilen Hänge und den dunklen Eibenwald.
Hanskarl König hat das Lied: „Mein schönes Müglitztal“ komponiert. Schwärmerisch besingt er das Tal, die steilen Hänge und den dunklen Eibenwald. © Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Schlottwitz. Das Müglitztal aus der Vogelperspektive. Erst sind Wälder zu sehen, dann Schlottwitz. Es folgt ein Schwenk auf die Müglitz. Untermalt sind die Aufnahmen mit einem Lied, das ein Schlottwitzer komponiert hat. In der 49. Sekunde erscheint er dann selbst mit Gitarre: Hanskarl König. In seinem Heimatort dürfte den 80-Jährigen jeder kennen. Und auch vielen SZ-Lesern dürfte der rüstige Senior mit dem nicht ganz häufig vorkommenden Vornamen ein Begriff sein. Denn hin und wieder nimmt er in Leserbriefen Stellung zu aktuellen Fragen in der hiesigen Kommunalpolitik. In seinem Lied spielt die aber überhaupt keine Rolle – im Song geht es um seine Heimat und seine Beziehung dazu. Der Titel sagt alles: „Mein schönes Müglitztal“. Schwärmerisch besingt er das Tal, die steilen Hänge und den dunklen Eibenwald.

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Seit dem Wochenende kann sich das Lied jeder anhören. Es läuft auf der Internetplattform Youtube. Das hat selbst König überrascht, denn er hat es nicht hochgeladen. Er hat von Freunden davon erfahren. „Sie haben mich darauf angesprochen“, erzählt er. Selbst anschauen konnte er es sich zunächst nicht. „Ich habe keinen Computer.“ Irgendwann war die Neugier so groß, dass er eine der Einladungen annahm. Auf dem Rechner eines Freundes schaute er sich das dreiminütige Video an. Von den Aufnahmen und dem Schnitt war er begeistert. „Das Video hat mir gefallen“, sagt er. Ist das nun der Beginn einer Karriere?

König hebt die Hände: „Nein.“ Er hatte nicht vor, das Video ins Netz zu stellen. Eigentlich sollte alles ganz privat bleiben. Irgendwann, so hoffte er, werde er es auf DVD haben und sich in Ruhe anschauen können. Nun ist es anders gekommen. König kann damit leben. Es wird einige geben, die glauben, dass er sich damit in den Vordergrund drängen möchte, mutmaßt er. Das werde ihm nicht die Freude nehmen, die er bei den Aufnahmen hatte. Denn der Dreh habe ihm viel Spaß gemacht, genau so wie die Besuche im Tonstudio Otter in Dippoldiswalde. Dort durfte er zum ersten Mal seine selbst komponierten Lieder mit professioneller Hilfe einspielen. Das sei ein Erlebnis gewesen.

Das beste Geschenk

Etwas Besseres hätte ihm seine Familie zum 80. Geburtstag nicht schenken können. „Die haben mich damit überrascht. Ich habe schon so viel erlebt, aber damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt der Hobbymusiker König, der auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann, in dem Musik aber nicht die Hauptrolle spielte. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Börnersdorf. In der früheren Brotfabrik Bärenhecke, der heutigen Bäckerei Bärenhecke, absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Im vogtländischen Plauen studierte er später Arbeitsökonomie, ein paar Jahre danach absolvierte er ein Pädagogik-Abendstudium.

König arbeitete in verschiedenen Betrieben. So war er von 1971 bis 1977 ökonomischer Leiter bei Mikromat, danach leitete er die Schlottwitzer Firma Gießerei und Maschinenbau Schlottwitz als Werksleiter. 1991 war Schluss. Er wurde arbeitslos. Dann wurde er gefragt, ob er als Bürgermeister kandidierten wolle. Er hat lange mit sich gerungen und dann zugesagt. 1994 wählten ihn 83 Prozent der Schlottwitzer zum Bürgermeister – zum letzten. Denn unter Königs Regie wurde Schlottwitz ein Ortsteil von Glashütte.

Auch im Sport mischte der Schlottwitzer mit. Sieben Jahre stand er dem heimischen Fußballverein vor, 25 Jahre lang organisierte er den Lederberglauf.

Über all die Jahre begleitete ihn ein Hobby, die Musik. Bereits in seiner Jugend hat er die Klampfe in die Hand genommen. „Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht.“ Bis heute kann er keine Noten lesen. Doch das stört ihn nicht mehr. Wann immer es sich anbietet, spielt er Wander- und Volkslieder, aber auch Schlager und Weihnachtslieder. Seine Auftritte hat er bei Familienfeiern und zu Seniorenveranstaltungen. Vielen Schlottwitzern gefällt das.

Im vorigen Jahr ermutigten ihn einige Freunde, ein Lied über das einst sehr beliebte und bei der Jahrhundertflut 2002 beschädigte Gasthaus Klein-Tirol zu schreiben. 2017 wurde es abgerissen. Hanskarl König komponierte kurz vor dem Abriss ein Lied, das an die schönen Zeiten in diesem Lokal erinnert. Kurz danach wagte er sich an sein erstes Heimatlied, dann folgte seine Müglitztal-Hymne.

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Der Schlottwitzer Hanskarl König hat im hohen Alter angefangen, Lieder zu schreiben. Er ist erfolgreich und bald auf größeren Bühnen zu sehen.

Alle drei Lieder hat er nun auf einer CD eingespielt. Und das tat ihm gut. Mit seinen 80 Jahren fühlt er sich immer noch fit. Dabei sah es 1991 gar nicht so gut aus. Damals war er schwer krank. Er ist wieder gesund geworden. Mit seinem Leben im schönen Müglitztal ist er zufrieden. Den Beweis hat er jetzt musikalisch geliefert.

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