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Mühevolle Puzzelei

Sanierung. Die bebilderte Decke der Kirche wird restauriert. Auf fast verblassten Zeichnungen werden die Figuren der Apostel wieder erkennbar.

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Von Iris Hellmann

Behutsam führt May Schoder den Pinsel über das Holz. Im Atelier der Diplom-Restauratorin in Rossendorf steht eine der vierzehn entdeckten Bildertafeln der Arnsdorfer Dorfkirche auf der Staffelei. Blass und zart sind die Linien auf der Holzfläche zu erkennen, manchmal sind sie aber auch nur zu erahnen. Besonders die Frisur von „Judas Thaddäus“, dem Apostel auf der Tafel, bereitet May Schoder ein wenig Kopfzerbrechen. An dieser Stelle nämlich verschwinden die Linien fast ganz und sind kaum noch erkennbar. Mit Hilfe von Vergleichsfotografien anderer Tafelbilder orientiert sich die 46-Jährige und hält sich an den Stil der vermutlich im 18. Jahrhundert entstandenen Zeichnungen.

Zarte Struktur bleibt

Extra für die Sächsische Zeitung hat May Schoder die nunmehr dritte Tafel der Arnsdorfer Bilderdecke erst einmal nur halb bearbeitet, damit man den Unterschied gut erkennen kann. Normalerweise werden zum Beispiel die Partien farbweise abgearbeitet. Doch durch die halbierte Bearbeitung offenbart sich erst die Wirkung dieses Aufwands: Auf der linken „fertigen“ Seite sind die Linien kräftiger als auf der rechten Seite. Dennoch wirkt das Bild nicht „übermalt“ sondern behält seine zurückhaltende, zarte Struktur. „Das Bild ist ja auch alt und hat eine Geschichte“, sagt Thomas Noky vom Förderkreis der Kirchgemeinde. Auf der rechten Seite sind die Farben viel blasser. An einer Stelle, gleich am Gewand des Apostels, hat vermutlich Wasser die Farben noch mehr verschwimmen lassen. Auch dies muss bei der Restauration beachtet werden: May Schoder arbeitet mit Farben, die mit speziellen Pigmenten auf Leimbasis angefertigt werden. „Man kann hier beispielsweise keine Ölfarbe verwenden. Dann würde eine vollkommen andere Struktur entstehen“, erklärt sie.

Die Spuren der Vergangenheit dieser Tafeln werden nicht vollständig verschwinden. So sind beispielsweise die Nagellöcher nicht ausgebessert worden, sondern erzählen von der wechselvollen Historie dieser Bildertafeln, die man bei den Reparaturarbeiten am Dach der Arnsdorfer Dorfkirche im Juni 2001 entdeckte. „Ich sollte zuerst eigentlich nur ein paar Bretter anschauen, auf denen Schrift zu erkennen war“ erinnert sich May Schoder. Doch nach und nach wurden unter dem Deckenputz weitere Zeichnungen freigelegt.

Insgesamt kamen vierzehn Bilder von sechs Propheten und acht Apostel zum Vorschein. Allerdings in einem erbärmlichen Zustand: Die Tafeln waren als Schalung verwendet worden, zerrissen und nicht immer zusammenhängend angenagelt worden. In mühevoller Puzzlearbeit wurden die richtigen Teile wieder zusammengesucht und die Oberflächen von May Schoder erst einmal vorläufig gefestigt. So etwas habe sie in ihrer Arbeit bislang noch nicht erlebt, auch wenn es ähnliche Fälle in anderen Kirchen gegeben habe. „Normalerweise wird vor Ort gearbeitet“, sagt sie. Nun werden die Arnsdorfer Tafeln nach und nach in ihrem Atelier restauriert.

Noch mehrere Jahre Arbeit

Zwei Bilder sind bereits fertig gestellt: die Bildnisse Petrus‘ und Paulus‘. Bevor jedoch May Schoder den Pinsel ansetzen kann, müssen die richtigen Puzzleteile erst einmal verleimt werden. Bislang stecken so im Bild von Judas Thaddäus schon rund dreißig Stunden Arbeit. Noch einmal zwanzig Stunden wird sie in etwa brauchen. Dann warten noch einmal elf weitere Tafeln. „Es wird wahrscheinlich Jahre dauern, bis alles fertig ist“, sagt May Schoder. Dann sollen die Bilder mit den gemalten Rahmen und Beschriftungen wieder an ihrem ursprünglichen Platz, an der Decke der Arnsdorfer Dorfkirche, zu sehen sein.