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Mühle wird zur Schnapsbrennerei

Zwei Geschwister aus Strocken wollen einer Familientradition fortsetzen. Bisher war das verboten.

Fast dreißig Jahre wurde die Industriemühle in Strocken nicht genutzt – das soll sich nun ändern. Doch Stephanie Höpfner hat mit der Mühle etwas ganz anderes vor.
Fast dreißig Jahre wurde die Industriemühle in Strocken nicht genutzt – das soll sich nun ändern. Doch Stephanie Höpfner hat mit der Mühle etwas ganz anderes vor. © Dietmar Thomas

Strocken. Seit den Achtzigerjahren ist die Industriemühle in Strocken ungenutzt. Geht es nach Stephanie Höpfner und ihrem Bruder, soll sich das nun ändern. In der Mühle möchten die beiden einer alten Familientradition nachgehen, die bisher in Sachsen verboten war.

Höpfner kommt aus einer Familie voller Leidenschaft fürs Schnapsbrennen: „Mein Großvater hat damit begonnen und mein Vater hat das fortgeführt. Wir sind gewissermaßen mit dem Schnapsbrennen groß geworden.“ Ein Hobby, das in der Heimat in Baden-Württemberg im Rahmen der Abfindungsbrennerei möglich war. 

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Doch als Höpfner 1998 nach Sachsen zieht, muss sie feststellen, dass selbst die Verarbeitung von Obst der eigenen Streuobstwiesen unter eine gewerbliche Nutzung fallen würde. „Das wäre mir zu teuer gewesen.“ Als sie 2015 ein Grundstück mit Haus und Industriemühle erwirbt, flammt der Wunsch nach dem eigenen Obstbrand wieder auf. „Die Überlegung kam recht schnell auf, vor allem, da sich hier auch Streuobstwiesen finden.“

Seit dem 1. Januar des Jahres fällt Sachsen jedoch nicht mehr unter Ausschluss der Abfindungsbrennerei. Seitdem ist es unter gewissen Auflagen möglich, bis zu 2000 Liter Schnaps aus angrenzenden Streuobstwiesen mit Sonderkonditionen herzustellen. Nun ist es soweit: Das Familienerbe kann vor Ort fortgesetzt werden. Sobald alle Genehmigungen eingeholt sind, wird die Brennblase des Vaters nachgeholt.

Dafür soll die Mühle umgebaut werden: „Wir würden mit der Brennerei anfangen“, erzählt Höpfner. Später solle der selbst gebrannte Schnaps in einem integrierten Hofladen verkauft werden. Die Ambitionen sind hoch: „Wir wollen es qualitativ auf jeden Fall mit Augustus Rex aufnehmen.“ Um es mit so einem hochpreisigen Obstbrand aufnehmen zu können, solle auf die Erfahrungen der letzten Generationen zurückgegriffen werden.

Das Angebot soll vielfältig werden: Auf den angrenzenden Streuobstwiesen wachsen Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen, Mirabellen und Pflaumen. Alles soll zu Brand verarbeitet werden. Bisher gehören zum Grundstück 2,5 Hektar. Das solle auf lange Sicht wachsen, um die möglichen 2 000 Liter ausschöpfen zu können.

Im nächsten Jahr sollen die notwendigen Umbauarbeiten beginnen. Für den Hofladen soll der Boden der ehemaligen Anlieferstelle abgesenkt werden. „Wir denken darüber nach, im Laden neben Obstbränden auch regionale Produkte, wie Honig oder Essig anzubieten.“ Der Mühlenturm samt Technik ist von den Umbaumaßnahmen nicht betroffen und soll erhalten bleiben.

Der erste Schritt dafür ist bereits getan. Der Gemeinderat Großweitzschen hatte der Umnutzung zum Hofladen einstimmig zugestimmt. Auch wenn damit, wie Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos) festhielt, keine Destillerie in Strocken beschlossen wurde. „Es ging ausschließlich um die bauliche Frage.“ Doch Höpfner ist zuversichtlich, dass ab 2021 in der denkmalgeschützten Mühle der erste Schnaps hergestellt werden kann. Es gehe nur noch um Feinheiten, ein grundsätzliches Okay vom Landesdenkmalamt Leipzig sei bereits eingeholt.

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