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Müllgebühren sollen wieder steigen

Durchschnittlich rund 50 Euro hat jeder Sachse im vergangenen Jahr für die Abfallentsorgung gezahlt. Das ergab eine SZ-Umfrage unter den Landkreisen und kreisfreien Städten. Fast überall blieben die Kosten stabil oder sanken leicht.

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Von Claudia Parton

Durchschnittlich rund 50 Euro hat jeder Sachse im vergangenen Jahr für die Abfallentsorgung gezahlt. Das ergab eine SZ-Umfrage unter den Landkreisen und kreisfreien Städten. Fast überall blieben die Kosten stabil oder sanken leicht. Allerdings: Der Branchenverband der Entsorger rechnet für 2010 mit steigenden Gebühren.

Was treibt die

Gebühren in die Höhe?

Durch die Wirtschaftskrise ist die Nachfrage auf den Rohstoffmärkten eingebrochen, insbesondere beim Altpapier. Dort brachte eine Tonne Ende letzten Jahres noch bis zu 80 Euro. Heute liegt der Marktwert bei höchstens zehn Euro pro Tonne. Viele Kommunen, darunter Dresden und Leipzig, verdienten bisher aber mit und verlangten im Gegenzug keine oder nur eine geringere Gebühr. Bleiben die Umsätze aus, müssen die Gebühren in voller Höhe umgelegt werden.

Wer zahlt die höchsten Gebühren in Sachsen?

Spitzenreiter ist seit Jahren der Altkreis Delitzsch mit durchschnittlichen Abfallkosten von 87 Euro pro Einwohner im Jahr 2007. Für 2008 legte der Landkreis bislang keine Zahlen vor. In Torgau-Oschatz, das nun zum gleichen Kreis gehört, zahlen die Einwohner ein Drittel weniger. Am unteren Ende der Gebührenliste landeten 2008 das frühere Freiberg und Mittweida. Dort kostete die Müllentsorgung pro Einwohner etwa 33 Euro im Jahr.

Woher kommen die

grossen Unterschiede?

In die Abfallentsorgung darf den Kommunen niemand reinreden. So hat fast jede Kommune ein eigenes System: Dresden stellt eine Biotonne, Riesa-Großenhain nicht. Auch die Gebühren sind unterschiedlich kalkuliert. Der Altkreis Annaberg verlangt bei einer vierköpfigen Familie rund 190 Euro Grundgebühr im Monat. Im Altkreis Löbau-Zittau sind es 54 Euro. Dafür kostet die volle Tonne mehr. Meißen berechnet eine Pflichtmenge an Abfall, Hoyerswerda nicht. Angesichts derlei Wirrwarr haben selbst Experten Mühe, den Überblick zu behalten.

Wirtschaften die billigen Kreise besser als die Teuren?

Das lässt sich so nicht eindeutig sagen. In Delitzsch, dem teuersten Kreis, zahlen die Einwohner für viele alte Deponien. Die Bürgerinitiative Sauberes Delitzsch bemängelt aber auch, dass überteuerte Entsorgungsverträge ohne Ausschreibung vergeben worden seien. Sie hat bei der EU-Kommission Beschwerde eingereicht. Das Landratsamt weist die Kritik zurück.

Viele Kosten rechnet der Altkreis über eine hohe Grundgebühr ab; zwei Sperrmüllsammlungen jährlich etwa oder die Annahme von Elektroschrott. Eine vierköpfige Familie, die alle zwei Wochen eine 120-Liter-Restmüll- und monatlich eine 80-Liter-Biotonne füllt, vier Kubikmeter Sperrmüll und ein Großgerät pro Jahr entsorgt, zahlte 2007 rund 470 Euro. Mittweida indes hat keine Biotonne und holt keinen Sperrmüll ab – macht bei gleicher Abfallmenge 220 Euro weniger.

Mit welchem System kommt der Bürger besser weg?

Das hat bislang niemand untersucht. Aber: Sind viele Kosten über die Grundgebühr abgedeckt, zahlt der Einzelne für Sperrmüll, Sonderabfall und Elektroschrott auch dann, wenn er nichts abgibt. Dafür verteilen sich diese Gebühren auf alle. Die Kommune kann überdies besser planen. Das Zwickauer Land beispielsweise hat mit 28 Euro pro Person eine der höchsten Grundgebühren in Sachsen – diese aber seit zwölf Jahren nicht mehr erhöht.

Bei Einzelkosten hingegen lohnt es sich, Müll zu sparen. Je seltener die Tonne geleert werden muss, desto geringer die Rechnung. Nach Angaben des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie erhöht das aber auch den Anreiz, Abfälle illegal zu entsorgen.

Haben die Sachsen Einfluss auf die Höhe der Gebühren?

Jeder müsse nehmen, was seine Kommune ihm anbietet, sagte der Münsteraner Verwaltungsrechtler und Gebührenexperte Dietmar Birk. „Die Bürger können nur politischen Druck auf die Parlamente ausüben, wenn sie meinen, der Landkreis plane nicht optimal.“