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Mülltrennung für die Tonne

Bio- und Restabfall landeten in Postelwitz im selben Entsorgungsfahrzeug. Wozu dann separat sammeln?

© Dirk Zschiedrich

Von Gunnar Klehm

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Großer Badespaß in Freitals Freibädern 

Nach vielen Renovierungsarbeiten ist die Badesaison in den Freibädern "Windi" und "Zacke" in vollem Gange. 

Auf diesen Tag hat sich Christian Bucher geradezu akribisch vorbereitet. Der Postelwitzer hat extra Tüten für den Biomüll gekauft, der am 5. Januar erstmals in einer gesonderten 60-Liter-Tonne bei ihm abgeholt werden sollte. Nun muss er neben der Restmülltonne zwar eine weitere von seinem Grundstück am Wolfsgraben hinunter zur Bundesstraße bugsieren, doch das macht der Rentner gern, wie er versichert. „Der wirtschaftliche Vorteil ist doch sehr groß und lohnt diesen Aufwand“, erklärt er gegenüber der SZ. So sei es ihm jedenfalls erläutert worden, und das klang für ihn sehr plausibel. Er hat sich gründlich mit der für ihn neuen Art der Mülltrennung befasst. „Als ich den SZ-Artikel dazu gelesen hatte, haben meine Frau und ich festgestellt, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagt Christian Bucher.

An jenem Montag traf er sich also mit seinem Nachbarn zu einem Schwätzchen am Gartenzaun. Beide beobachteten dabei, wie ihre Mülltonnen abgeholt wurden. Sie hatten sowohl die Restmülltonne als auch die Biotonne rausgestellt. Laut Abfallkalender werden beide Müllsorten am selben Tag abgeholt. Dann werden wohl zwei Fahrzeuge kommen, dachten sie sich.

Als das vermeintlich erste Müllauto anrollte, hatten sie schon gerätselt, welche Tonne wohl als Erste entleert und welche noch stehenbleiben würde. Das Ergebnis hat die beiden jedoch schockiert. „Wir mussten erleben, dass Rest- und Biomüll gemeinsam in dem Müllfahrzeug entleert wurden“, sagt Christian Bucher. Die ganze Mühe mit der Trennung war umsonst. Das könne wohl nicht im Sinne der Erfindung sein, ärgerten sich die Postelwitzer.

Beim Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) sorgt die Schilderung für ebenso große Verwunderung. Dieser hatte die Firma Becker Umweltdienste mit der Sammlung der Rest- und der Bioabfälle im Landkreis beauftragt. Die Vertragsbedingungen sagen aus, dass der Entsorger Rest- und Biomüll separat abholen muss, heißt es vom ZAOE. „Man kann zwar das gleiche Fahrzeug für beide Müllarten benutzen, aber dann müssen zwei getrennte Touren gefahren werden“, erklärt ZAOE-Sprecher Olaf Müller.

Beide Müllarten werden verständlicherweise anders entsorgt und abgelagert. Der Bioabfall wird ja deshalb getrennt gesammelt, weil er über eine Verwertung dem Wirtschaftskreislauf wieder zur Verfügung gestellt werden soll, etwa in Form von Kompost oder Biogas. Bei guter Trennung der Bioabfälle von den Restabfällen fallen für die Bürger weniger Gebühren an. Zudem stelle die Biotonne eine bequeme Alternative zur Grünschnittsammlung dar, heißt es vom Zweckverband.

Unternehmen entschuldigt sich

Sollte das am 5. Januar in Bad Schandau nicht der Fall gewesen sein, könnte es sich um eine schwerwiegende Vertragsverletzung handeln. Das Entsorgungsunternehmen wurde zur Stellungnahme aufgefordert. Sollte sich der Vorfall bestätigen, kündigte der ZAOE bereits an, „alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um derartige Verstöße in der Zukunft zu vermeiden“.

Mit einer Werbekampagne wurde 2014 versucht, die Bürger von der Nutzung einer Biotonne zu überzeugen. Weil völlig unklar war, wie viele eine Biotonne nutzen wollen, erhebt der ZAOE bis 30. Juni dieses Jahres keine Gebühren für die Leerung. Lediglich eine Behältermiete fällt derzeit an.

Inzwischen hat die Firma Becker eingeräumt, dass es Anfang Januar zu einer nicht ordnungsgemäßen Sammlung von Abfällen kam. Eine Fahrzeugbesatzung habe sowohl Restmülltonnen als auch Biotonnen gleichzeitig in einem Sammelfahrzeug entleert. „Das ist inakzeptabel. Wir entschuldigen uns bei den Bürgern und bei unserem Auftraggeber und tragen Sorge dafür, dass dieses Verhalten nicht mehr auftritt“, hieß es gestern aus der Geschäftsführung des Unternehmens.

Christian Bucher und sein Nachbar sind zwar noch etwas enttäuscht, aber sie wollen dennoch fleißig weiter ihren Müll trennen. Morgen steht wieder die Entsorgung von Bio- und Restmüll im Abfallkalender. Die Postelwitzer wollen genau beobachten, wie das diesmal funktioniert.

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