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Mütter zurück zu Kind und Küche?

Emanzipiert. Eva Herman kommt nach Dresden. SZ-Leser diskutieren über ihr umstrittenes Buch.

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Von Katrin Saft

Anna fährt noch bei Gelb-Rot über die Ampel am Pirnaischen Platz. Sie ist spät dran, wie immer. Der Kindergarten schließt gleich, und Sohn Alexander wartet. Sie sieht schon den vorwurfsvollen Blick von Frau Jacobi. Ihr Kind ist mal wieder das Letzte. Natürlich hat Anna ein schlechtes Gewissen. Sie kam nicht eher aus dem Büro weg, fühlt sich gehetzt und innerlich zerrissen in dem Bemühen, perfekte Sekretärin und perfekte Mutter zu sein.

Dass in Dresden endlich wieder mehr Kinder geboren werden, ist schön. Doch das kann nicht über Probleme hinwegtäuschen, vor denen viele Frauen wie Anna stehen. Auf einen Zuverdienst angewiesen, proben sie den Spagat zwischen Beruf und Familie. Glaubt man Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, müssen sie daran zerbrechen: überfordert, ausgelaugt und müde, bleiben früher oder später Kind, Partnerschaft und die Frau selbst auf der Strecke.

In ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“, das Herman am 14.Dezember auch in Dresden vorstellt, zeichnet sie ein gesellschaftliches Horrorbild: Frauen auf dem Selbstverwirklichungstrip, die keine Lust mehr zum Gebären haben; vor lauter Feminismus zerrüttete Ehen; vom Staat „wegorganisierte“ Kinder, die später als Folgen ihrer Bindungslosigkeit zu Verhaltensauffälligkeiten neigen. Mit ihrer These sorgt sie für einen Aufschrei im Lande: Die Frauen, sagt sie, schaffen sich selbst ab, wenn sie sich nicht endlich auf ihre Weiblichkeit besinnen und wieder mehr um Kind und Familie kümmern.

Auf ihren Lesetouren erhält die 48-Jährige, die Mutter eines Neunjährigen ist, viel Schelte. Sie spricht von einer „Schlammschlacht“, berichtet aber auch von Zustimmung von Frauen und sogar Männern, die sich nicht öffentlich trauen, über das Thema zu reden. Das Interesse scheint groß: Über 100000 Bücher hat Herman bereits verkauft. Die dritte Auflage liegt in den Läden, und auch ein Hörbuch ist jetzt erschienen.

Wie denken Sie über das „Eva-Prinzip“? Wie gelingt es Ihnen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? Was kann die Stadt für eine bessere Vereinbarkeit tun? Die SZ will im Vorfeld des Herman-Besuchs mit ihren Lesern diskutieren. Schreiben Sie Ihre Meinung an:

SZ-Stadtredaktion

Stichwort „Eva“

Ostra-Allee 20

01067 Dresden

oder [email protected]

Unter den Einsendungen verlosen wir einmal zwei Freikarten für die Lesung mit Eva Herman am 14. Dezember im Hotel Bellevue.