merken
PLUS

Mulde gräbt sich immer weiter vor

Eine Grundsatzdiskussion ist zum kaputten Muldenufer bei Großbauchlitz ausgebrochen. Wird der Radweg doch noch weggespült?

Es gibt ein merkwürdiges Kompetenzgerangel um die Zuständigkeiten an der Mulde – in der Zwischenzeit arbeitet sich der Fluss immer weiter vor. Nur noch wenige Meter ist der Uferabbruch unterhalb von Großbauchlitz vom beliebten Mulderadweg entfernt, der in diesem Abschnitt das Hochwasser unbeschadet überstanden hat. Immer wieder rutscht ein Stück der Wiese in den Fluss. Wird der Weg fast ein Jahr nach der Flut doch noch weggespült?

Wer beim Landratsamt Mittelsachsen und der Landestalsperrenverwaltung (LTV) – den zuständigen Behörden – nachfragt, erfährt wenig Konkretes. Der Sprecher des Landratsamtes André Kaiser sagt, dass die Landestalsperrenverwaltung schon im März aufgefordert wurde, seiner Unterhaltspflicht nachzukommen und im Nachhinein die Untere Wasserbehörde und die Stadtverwaltung über die Reparaturen zu informieren. Axel Bobbe, Chef der Talsperrenmeisterei Rötha, will es genauer wissen. „Das Landratsamt muss endlich mal sagen, was es will“, sagte er. Es gebe dort ein Riesenloch mit einer Kiesbank im Fluss und einen völlig instabilen Uferbereich. „Da kann man nur mit viel Wasserbau etwas machen.“ Das Landratsamt habe gefordert, das ursprüngliche Ufer wiederherzustellen. Aber welches? Das vor dem Hochwasser 2002?, erklärte Bobbe. Gerade unterhalb vom Großbauchlitz hat es durch die zwei Fluten enorme Veränderungen gegeben. Die Wiese, die dabei zu großen Teilen weggespült wurde, gehört der Stadt. Der geht es nicht darum, dass ihr Grundstück wiederhergestellt wird. Wichtig sei, dass der Weg geschützt wird, sagte Baudezernent Thomas Hanns.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Beräumung beginnt

Bei anderen Projekten ist man deutlich weiter. Die Landestalsperrenverwaltung lässt jetzt die sogenannte Flutmulde in Döbeln von den angespülten Kies- und Sandmassen beräumen. Etwa 7000 Kubikmeter, das sind an die 10 000 Tonnen, liegen unterhalb des Schloßbergwehres im Flussbett. Die Flutmulde soll bis zur Steinpackung freigeräumt werden. Das Baggern ist dabei noch das Billigste, teurer ist die Entsorgung der ausgehobenen Massen, sagte Bobbe. Denn die Sedimente der Flüsse sind – aus geologischen Gründen und durch den Altbergbau und Metallhütten im Erzgebirge – generell mit Arsen und Schwermetallen belastet und müssen in speziellen Deponien gelagert werden. Man habe einen günstigen Entsorgungsweg gefunden, sagte Bobbe. Für die Entsorgung kämen nur zertifizierte Unternehmen infrage. „Als Erzeuger bleiben wir Eigentümer für immer und ewig. Deshalb ist ein ganz klarer Entsorgungsweg wichtig“, sagte Bobbe. Der werde im Vorfeld mit der zuständigen Umweltbehörde genau abgestimmt.

Auch in Großbauchlitz gibt es jetzt grünes Licht für die von den Anwohnern geforderte Beräumung des Flussbettes und der Ufer. „Wir räumen alles weg und stellen die alten Profile wie vor dem Hochwasser 2002 wieder her. Die Sedimente werden bis auf die alten Uferbefestigungen herausgenommen“, sagte Bobbe. Die Flussmeisterei habe die Anweisung, alles vorzubereiten. Allerdings werden noch ein paar Monate vergehen, bis damit begonnen werden kann. „Das ist für das Winterhalbjahr vorgesehen. In der Vegetationsperiode geht es nicht“, sagte Bobbe.

Baubeginn wacklig

Auch der Neubau des Schloßbergwehres soll im kommenden Monat beginnen. Die Stadt hatte in der vergangenen Woche die Schlüssel für das Gelände an die Landestalsperrenverwaltung übergeben. Ein Baggerführer war dieser Tage schon eifrig dabei, eine Rampe im Flussbett am Wehr aufzuschütten. Bobbe geht davon aus, dass wie geplant im Mai wirklich begonnen werden kann. Einen kleinen Unsicherheitsfaktor gibt es aber noch: nämlich, ob die LTV in der Laichzeit der Fische im Flussbett bauen darf. Ein Ausnahmeantrag sei gestellt, sagte Bobbe. Wenn dem nicht stattgegeben wird, kann erst zwei Monate später mit dem Abriss des alten Wehres und dem Neubau begonnen werden.