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Zittau

Mundschutz made in Vietnam

Ein wegen Corona geschlossenes Asia-Restaurant in Zittau dient als Sammelpunkt für die Produktion von Masken für Ärzte und Pfleger.

Mai Le Thanh, Frottana-Mitarbeiterin Jessica Meyer und Nguyen Van Trinh (v. l.).
Mai Le Thanh, Frottana-Mitarbeiterin Jessica Meyer und Nguyen Van Trinh (v. l.). © Matthias Weber/photoweber.de

Reges Treiben herrscht im Gastraum des wegen Corona geschlossenen Asia-Lokals "Cuu Long" an der Ecke Südstraße/Sachsenstraße in Zittau. Kisten werden aus- und eingepackt sowie hin- und hergeräumt. 

"Alle rufen dazu auf, in dieser schweren Zeit einander besonders zu helfen", sagt Inhaber Mai Le Thanh, "Da können wir doch nicht abseits stehen." Deshalb kam er auf die Idee, Masken zu nähen - in Heimarbeit. Das wollte der 68-jährige Gastronom in seiner Eigenschaft als langjähriger Vorsitzender des Vietnamesischen Kulturvereins Löbau-Zittau organisieren. Zuerst aber musste über die Verwaltung des Landkreises geklärt werden, ob ein solcher Einsatz überhaupt sinnvoll wäre. Von dort gab es nicht nur Zustimmung, sondern auch eine konkrete Vorgabe: Mundschutz soll angefertigt werden, der aufgrund seiner Eigenschaften auch für Krankenhäuser, Arztpraxen, Alters- und Pflegeheime tauglich ist. Das dafür geeignete Rohmaterial lieferte die Großschönauer Firma "Frottana". Die erste Charge soll für 3.000 Masken reichen.

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"Viele von uns waren zu DDR-Zeiten in der Textilindustrie beschäftigt", erzählt Nguyen Van Trinh aus Löbau. "Um ihren Lohn etwas aufzubessern, saßen sie nach Feierabend an der Nähmaschine." Besonders Jeans seien der große Renner gewesen. Diese Kenntnisse kommen den Asiaten nun zugute. "Natürlich mussten die Maschinen erst einmal wieder flottgemacht werden", sagt er. "Ein bisschen Öl dran und so."

"Frottana" ist aktuell nicht nur Rohstoffzulieferer, sondern gleichzeitig auch Sammelpunkt. Der Grund: Die vietnamesischen Landsleute sind nicht die einzigen, die sich auf diese Art engagieren. Von Großschönau aus erfolgt – je nach Bedürftigkeit – die Zuteilung. Am Freitag holte Jessica Meyer im Auftrag der Firma die ersten fertigen Masken aus dem Asia-Lokal ab und brachte Material für weitere 1.000 Stück. Doch auch damit ist die Aktion längst nicht abgeschlossen.

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"Die Mehrzahl unserer Geschäfte ist geschlossen", sagt Mai Le Thanh. "Da sind wir froh, dass wir uns auf diese Art nützlich machen können, denn das sind wir unseren deutschen Mitbürgern und unserer zweiten Heimat schuldig." Außerdem seien die Mädchen und Jungen der jüngeren Generation ohnehin schon echte Oberlausitzer. Also standen auch über das Wochenende die Nähmaschinen der vietnamesischen Frauen nicht still. Immerhin soll es bereits am Montag eine neue Lieferung an Zubehör geben.

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