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Museum sucht Hinweise zur Lagergeschichte

Informationen über Elsterhorst gibt es schon reichlich. Und doch sind nach wie vor noch viele Fragen offen.

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Zu DDR-Zeiten war dieses Thema unerwünscht. Die Geschichte des ehemaligen Lagers Elsterhorst wurde nie publik gemacht. Wenngleich die Museumsmitarbeiterinnen, zu denen auch die heutige wissenschaftliche Leiterin Elke Roschmann gehört, schon damals davon wussten. Dank der Erzählungen von der im Sommer 2011 verstorbenen Helga Müller, die als langjährige Direktorin des Stadtmuseums tätig war. Deren beide Schwestern arbeiteten im Lager Elsterhorst. Und so war, zumindest hinter vorgehaltener Hand, das Lager und Schicksal der dort lebenden Menschen immer mal wieder Gesprächsstoff. Nach der politischen Wende waren es aber ausgerechnet Franzosen, die die Aufarbeitung der Geschichte des Kriegsgefangenen- und Vertriebenenlagers in Elsterhorst, heute Nardt, erst so richtig ins Rollen brachten.

1999 erschien zu diesem Thema das erste Geschichtsheft, das eine Lawine auslöste. Das ungebrochene Echo darauf erreichte 2007 seinen nächsten Höhepunkt, als die erste Sonderausstellung mit Fotos und Erinnerungen von Zeitzeugen in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnet wurde.

Die große Resonanz aus dem In- und Ausland war Anlass, eine ständige Exposition daraus zu entwickeln. Einen besseren Standort dafür, als die letzte noch verbliebene Lazarettbaracke, die sich auf dem heutigen Gelände der Landesfeuerwehrschule befindet, dürfte es kaum geben. In Zusammenarbeit mit Partnern konnte hier im September 2011 der erste Abschnitt des neuen Ausstellungs- und Dokumentationszentrums eröffnet werden. Ein authentischer Ort, in dem anhand von Fotos, Zeitzeugenberichten, Dokumenten und Original-Objekten die Geschichte des Lagers Elsterhorst und das Schicksal von mehr als 120 000 Vertriebenen erzählt wird. Ein Schicksal, das auch der Vater von Hans-Ulrich Gatzlaff teilte und was berührt: „Mein Vater hat in Lohsa heimlich einen Zettel aus dem Zug geworfen, damit wir als Familie wenigstens wussten, wo er hintransportiert wurde“, berichtet der heutige Senior, der froh darüber ist, dass durch historische Dokumentationen wie vom Lager Elsterhorst für viele eine persönliche Aufarbeitung möglich ist.

Elke Roschmann weiß längst noch nicht alles über das Lager. „Deshalb bin ich dankbar für jede weitere Information. Wir sind wild entschlossen, weiter zu machen“, so die wissenschaftliche Museumsleiterin. Unklar ist beispielsweise immer noch die Herkunft der Lazarettbaracke. Die ständige Ausstellung in der Nardter Lazarettbaracke soll zukünftig erweitert werden. (SiRi)

Die Ausstellung auf dem Gelände der Landesfeuerwehrschule in Nardt, St. Florians-Weg 1, kann montags bis freitags 9-17 Uhr besichtigt werden. Besucher melden sich bitte am Eingang der Landesfeuerwehrschule.