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Museum und Bibliothek bald im „Weißen Riesen“?

Die frühere Verwaltung von Lautex soll für eine Million Euro umgebaut werden. Kritiker sehen aber nochviele Unklarheiten.

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Von Romy Kühr

Majestätisch, , hell und doch ein wenig trostlos steht er da – der „weiße Riese“. So nennen die Neugersdorfer das ehemalige Verwaltungsgebäude von Lautex an der Thälmannstraße. So richtig weiß ist er nicht mehr – trotzdem will ihm die Stadt bald zu neuem Glanz verhelfen. Sie stellte jetzt ein Konzept vor für ein „soziokulturelles Zentrum“. Im Klartext heißt das, sie will hier verschiedene öffentliche Einrichtungen unterbringen und außerdem Vereinen Platz bieten für ihre Aktivitäten. Der Stadtrat sprach sich jetzt mehrheitlich für das Vorhaben aus.

Der Bedarf ist da, das belegt das detaillierte Konzept. Die Bücherei braucht mehr Platz, ebenso das Museum. Das liegt außerdem völlig dezentral auf dem Schlechteberg. Die Archive der Stadt sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Die IB-Jugendwerkstatt in der Ebersbacher Amtsgerichtsstraße ebenfalls. Die Bürgerpolizisten haben nur ein winziges Büro im alten Rathaus. In alle diese Gebäude müsste außerdem investiert werden, zum Beispiel in barrierefreie Zugänge. Eine Bauteilebörse für Umgebindehäuser ist ohnehin schon länger geplant auf dem Lautexgelände. Platz für all das bietet der „Weiße Riese“ mit seinen 3400Quadratmetern Nutzfläche – nachdem, so die Pläne, ein Teilstück abgerissen wurde. Einen weiteren wichtigen Aspekt, der für das Vorhaben spricht, bringt Stadtrat Michael Schubert zur Sprache: „Wir haben hier die letzte Chance, einen Zeitzeugen der Industriegeschichte zu erhalten.“ Bei anderen hat das nicht geklappt. Der denkmalgeschützte Klinkerbau im Lautex-Terrain fiel, ebenso wie die Weberei an der Robert-Koch-Straße. Dieses Argument brachte ihm Applaus ein von den Zuhörern der Stadtratssitzung.

Archiv derzeit an 11 Standorten

Doch es gibt auch Kritik an dem ehrgeizigen Vorhaben. Die CDU-Fraktion im Stadtrat stimmte fast geschlossen gegen das Konzept. Sie sieht noch zu viele Unklarheiten. Zum Beispiel sei das Archiv an diesem Standort viel zu weit weg von den Hauptnutzern, der Stadtverwaltung. Für Bibliothek und Museum müsste viel früher eine Lösung her. „Die Bibliothek platzt aus allen Nähten, hier kann man nicht mehr Jahre warten“, so Hans-Wilhelm Berenbruch von der Fraktion. Und die Kosten seien zu hoch und nicht überschaubar. Ob eine Förderung, so wie jetzt eingeplant, bis zum Ende der Bauzeit zur Verfügung steht, sei nicht klar.

Die Unterbringung des Archivs in unmittelbarer Nähe des Museums hält Bürgermeisterin Verena Hergenröder entgegen der Kritik für sinnvoll. Die Stadt habe historische Akten aufzubewahren, die bis ins Jahr 1945 zurückreichen und in der Verwaltungsarbeit nicht täglich gebraucht werden. Hinzu kommen Sammlungen aus dem Museumsdepot von Neugersdorf und Historisches aus dem Feuerwehrdepot. Insgesamt ist das städtische Archiv derzeit auf elf Standorte verteilt. Weiterer Platz wird benötigt.

Gebaut werden solle nach und nach, je nach Nutzung. „Wir wollen keinen Leerstand sanieren“, sagt Verena Hergenröder. Das Konzept zeigt aber, dass die Fläche komplett genutzt werden könnte von den öffentlichen Einrichtungen. Über die Bauschritte und Investitionen soll regelmäßig der Technische Ausschuss und der Stadtrat entscheiden, darauf einigten sich Räte und Bürgermeisterin.