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Museum zeigt Bilder der Zeitenwende

Vor den Mönchszellen im Franziskanerkloster steht ein hoher Bauzaun. Auf beiden Seiten des Zauns hängen Fotos. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Bilder aus den 80er Jahren, künstlerische, Pressefotos–insgesamt sind es rund 200. Sie repräsentieren das Jahrzehnt vor und nach dem Umbruch.

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Von Matthias Klaus

Vor den Mönchszellen im Franziskanerkloster steht ein hoher Bauzaun. Auf beiden Seiten des Zauns hängen Fotos. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Bilder aus den 80er Jahren, künstlerische, Pressefotos–insgesamt sind es rund 200. Sie repräsentieren das Jahrzehnt vor und nach dem Umbruch. Die Fotos stammen unter anderem von der früheren SZ-Mitarbeiterin Ingeborg Waurisch, von Peter Israel, Hans-Peter-Lewien, Jürgen Matschie. Hinzu kommen mehrere Filme, der in Zittau heftig diskutierte Streifen „Lindenstraße Ost“, zudem Dokumentation über eine Demo auf der Neustadt 1989 und in Zittau gedrehte Szenen des Films „Hilde, das Dienstmädchen“. In Mönchszellen sind außerdem Werke einzelner Fotografen aus der Gegend zu sehen, unter anderem des für die SZ tätigen Matthias Weber.

„Zittau ist die erste Stadt in Sachsen, die eine so große Ausstellungzum Thema friedliche Revolution eröffnet“, sagt Museumsdirektor Marius Winzeler. Und: „Etliche Zittauer werden sich auf den Fotos vielleicht wiedererkennen.“

Der Bauzaun, an dem der größte Teil der Bilder hängt, habe schon etwas Symbolisches, schildert Kuratorin Barbara Stempel. Der Zaun mit seinem Gitter stehe einerseits als Trennendes, Mauer, aber auch als Bau-Zaun, als Symbol des Neuen, des Aufbruchs.

Ein Teil der ungewöhnlichen Galeriewand ist noch leer. „Hier haben Besucher die Möglichkeit, eigene Fotos anzubringen“, sagt Barbara Stempel. Die Originale aus der Zeit zwischen 1980 und 2000 können dazu im Museum abgegeben werden. Die Bilder werden gescannt, aufgezogen. Das Original erhalten die Besitzer zurück. „Die Ausstellung kann dadurch im Wandel, in Bewegung sein“, sagt Museumsdirektor Marius Winzeler.

Museumspädagoge Arwed Vietze beschäftigt sich parallel zur Ausstellung mit einem Schülerprojekt. „Es geht darin um die Befragung von Zeitzeugen: Eltern, Bekannte, Nachbarn“, erläutert er. Am Ende soll eine Mappe entstehen. „Fester Partner ist das Christian-Weise-Gymnasium“, so Arwed Vietze. Für ein Schülerprojekt läuft das Vorhaben lange: bis Oktober. Eine Jury wird die Arbeiten bewerten.

„Zittau war für die Lausitz ein wichtiger Schauplatz der friedlichen Revolution 1989“, sagt Marius Winzeler. Tausende Frauen und Männer traten hier für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie ein, gingen auf die Straße. Zittau wird an die damalige Zeit dieses Jahr mit einem vielfältigen und hochkarätigen Veranstaltungsprogramm erinnern.

Die Ausstellung im Zittauer Stadtmuseum wird vom Freistaat Sachsen über die Sächsische Staatskanzlei gefördert. Sie hat ein eigenes Förderprogramm aufgelegt: „20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit“.

Die öffentliche Vernissage findet Sonnabend, 15 Uhr in der Klosterkirche statt (Eingang Klosterplatz). Es spricht Heinz Eggert, zudem gibt es Szenen aus dem Theaterprojekt „Wendepunkte“ zu sehen.

Die Ausstellung ist dann täglich von 10 bis 17Uhr geöffnet, öffentliche Führungen jeden ersten Sonntag im Monat, 15Uhr, oder auf Voranmeldung. Als Begleitpublikation erscheint ein Sonderheft der „Zittauer Geschichtsblätter“.