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Music Club in Kamenz mit Abba-Hits und einem Witz über Putin

Die Red Tower Bigband hat ein neues Projekt gestartet. Die Gäste erwartete viel Musik und einen politischen Seitenhieb.

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Von Kerstin Unterstein

Schon lange ist aus der Big-Band-Einlage bei einer Veranstaltung des Blasorchesters der Lessingstadt ein eigenständiges und immer erfolgreicheres Projekt geworden. Jetzt feierte die Red Tower Bigband mit ihrem neuen Format, dem Music Club, Premiere im Stadttheater. Waren die 14 Musiker um die musikalischen Leiter Michael Elst und Daniela Lenk zu Beginn noch etwas unsicher und nannten den Abend ein Experiment, so verflogen Aufregung und Ungewissheit sehr schnell. Der Saal, extra umgebaut und mit Sitz- und Stehbereichen ausgestattet, war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stimmung von den sichtlich motivierten und froh gestimmten Musikern übertrug sich auf die Besucher, die gern im Rhythmus von Ska, Latin und Pop mitwippten oder -klatschten. Neben den Moderationen von Lutz Gerstenberger sorgte ein weiterer guter Einfall der Band dafür, dass sich alle Fans, aber besonders die Neulinge bei solchen Konzerten, gut unterhalten und mitgenommen fühlten: Zu jedem Titel wurden per Fotos und Text auf der großen Bühnenleinwand weitere Informationen, zum Beispiel zum Komponisten oder dem Sänger des Originalsongs eingeblendet. So gab es große Stars zu sehen wie Herbie Hancock, Duke Ellington, Robbie Williams, Coldplay, George Gershwin, Ska-P, The Locos und sogar Michael Jackson.

Schon diese Aufzählung beweist die Bandbreite der Red Tower Bigband, die viele Arrangements von Daniela Lenk in ihrem Repertoire hat. Die junge Kamenzerin sorgt dafür, dass die Musikformation bei Weitem nicht nur mit altbekannten Klängen daher kommt.“ Gerade die ursprünglich aus Jamaika stammende Musikrichtung des Ska scheint es ihr angetan zu haben. So spielt die Band, die mit qualitativ hochwertigen Solos glänzen kann, aber mehr und mehr auch als Einheit überzeugt, zwei Stunden lang beste Unterhaltungsmusik. Aber auch die Ohrwürmer und großen Hits gab es natürlich, vor allem in den gleich mehreren Zugaben, ohne die das Publikum die Big Band nicht entließ. Als sogar Egon, Bennie und Kjeld von der dänischen Olsenbande ihre musikalische Vistenkarte abgaben, war die Begeisterung lautstark und der Spaß den Künstlern anzusehen. Mit Welthits von ABBA und Chicago ging es ins Wochenende, das kaum besser hätte starten können. Doch davor gab es noch ein kleines Schmäckerchen vom Chef und Moderator Lutz Gerstenberger: Als Zugabe konnte er sich einen Seitenhieb zu den beinahe zeitgleich eröffneten Olympischen Spielen in Sotschi nicht verkneifen, indem er bei dem bekannten „Puttin‘ on the Ritz“ kurzerhand beim ersten Wort ein „t“ wegließ und damit auf den russischen Präsidenten anspielte.

Der erste Music Club konnte also durchaus als Erfolg gesehen werden. Nicht nur die Fans der Musiker vom namensgebenden Roten Turm in Kamenz können sich auf die nächsten Auftritte freuen – sei es wieder im Malzhauskeller oder beim nächsten Music Club. Warum eigentlich nicht, denn außer Klatschen und Mitwippen geht doch noch was. Vielleicht Tanzen?