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Musicalmelodien mit Bratenduft

Dippoldiswalde. Am Sonnabend wurden die modernisierten Parksäle wiedereröffnet und vom Landkreis an die Stadt übergeben.

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Von Thomas Morgenroth

Zur „Verwohlfeilerung des gepflegten Hörerlebnisses bei musikalischen Vergnügungen“ wurde 1866 im Schießhausetablissement in Dippoldiswalde ein Orchester angebaut. Dieses ging als Muschelbühne der späteren „Parksäle“ in die Geschichte ein. Dort ruht das Bauwerk nun ewiglich, es wurde im vergangenen Jahr durch ein neues Bühnenhaus ersetzt.

Es ist das Herzstück der Modernisierung des großen Parksaales, die zwölf Monate dauerte. 2,3 Millionen Euro hat sich der Weißeritzkreis die „Schönheitskur für das betagte Haus“ kosten lassen, wie es Landrat Bernd Greif (CDU) am Sonnabend bezeichnete. Rund eine Million Euro floss als Zuschuss vom Bund. Greif dankte sich und den Kreisräten mehrmals für ihren Entschluss, in Zeiten knapper Kassen in die Kultur zu investieren.

Reduzierte Fördermittel

Freilich verschwieg er, dass die zögerliche Haltung des Kreises zum Verlust von 500 000 Euro Fördermitteln vom Land Sachsen führte. Dieses Geld stand im Jahr 2000 noch zur Verfügung, als es Greif einfiel, die Sanierung des Kulturzentrums an dessen Übernahme durch die Stadt Dippoldiswalde zu knüpfen. Als im Januar 2004 die Arbeiten endlich begannen, gab es die Landesmittel nicht mehr.

Mancher Wunsch blieb folglich unerfüllt, die Sanierung des Kleinen Saales und des Foyers samt Behindertentoilette fiel aus. Der große Saal hingegen präsentiert sich einladend und vertraut. Mängel seien beseitigt, betonte Greif, verwies vor allem auf Gerüche und Geräusche aus der Küche. Auch ein Landrat kann sich irren.

Keine meisterliche Interpretin

Greif hatte sich einen Meisterinterpreten-Abend gewünscht, den Wolfgang Mende unter größter Geheimhaltung organisierte. Den Hauptteil bestritt Sängerin Christina Linhardt aus Kalifornien mit bekannten Film- und Musicalmelodien. Leider fehlte ihr das Stimmvolumen, nur selten und erst gegen Ende blitzte ein wenig Klasse auf. Der Auftritt geriet für die Gäste auf den hinteren Plätzen schließlich zur Posse, als „Irgendwo hinter dem Regenbogen“ Bratendüfte den Saal durchwehten. Nebenan wurde Steak gebrutzelt. Für Planer und Bauleute wird es wohl erst einmal nur Suppe geben, die sie ganz allein auslöffeln müssen.