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Musiker in Grün

Arnold Buchhold hat 31 Jahre lang die Gaußiger Jagdhornbläsergruppe geleitet. Jetzt lässt er einer Frau den Vortritt.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Gleich stoßen hier alle ins Horn. Einmal pro Woche klingt es abends in der Gaußiger Schule. Dann proben hier die Jagdhornbläser. Seit 38 Jahren gibt es die Gruppe, 31 davon unter der Leitung von Arnold Buchhold. Jetzt lässt der Gaußiger einer Frau den Vortritt. Andrea Ende ist die neue künstlerische Leiterin. „Man will ja, dass es langfristig weitergeht und die Gruppe nicht eines Tages ohne Leitung dasteht“, begründet Arnold Buchhold, warum er sich seit Längerem mit dem Gedanken an einen Generationswechsel getragen hat.

Als Bläser bleibt der 63-Jährige der Gruppe aber treu. Schließlich gehört die Musik für ihn seit der Kindheit dazu. Mit sechs Jahren beginnt er, Klavier zu spielen, mit acht bläst er Tenorhorn in einem Jugendblasorchester im Vogtland, wo er aufwächst. Später baut er das Jugendblasorchester in Auerbach mit auf. Doch seit über 30 Jahren lebt er nun schon in der Oberlausitz. 1981 kommt er nach Gaußig, weil seine Frau von hier stammt. Bereits ein Jahr später stößt er zu der kleinen Jagdhornbläsergruppe, die sich 1976 zusammengefunden hatte und nun jemanden suchte, der sie professionell anleiten konnte. „Wir wollten uns weiterentwickeln und ein bisschen mehr machen, als nur die 42 Jagdsignale zu blasen“, erinnert sich Harald Schneider. Musiklehrer Arnold Buchhold sollte ihnen dabei helfen. „Und ich bin dabeigeblieben, weil es immer Spaß gemacht hat“, sagt Buchhold.

Wer zu DDR-Zeiten Jäger sein wollte, musste sich entweder dem Jagdhornblasen widmen oder einen Jagdhund halten“, beschreibt Schneider, wie die Gruppe entstanden ist. Heute gehen nur fünf der 13 aktiven Bläser selbst zur Jagd. Auch Arnold Buchhold ist kein Jäger. „Aber ich esse gern Wild“, sagt er schmunzelnd und ergänzt ernster: „Und ich achte das, was die Jäger machen.“ Das Jagdhornblasen gehört als Brauchtum dazu. Angefangen hatte die Gruppe mit den speziell für die Jagdsignale geschaffenen Fürst-Pless-Hörnern. Später kamen Ventil- und Parforce-Hörner dazu, um Anspruchsvolleres als nur Sau tot und Halali zu blasen. Heute ist mehrstimmiges Musizieren Standard. Dass sie dabei hohes Niveau erreichen, beweist die Tatsache, dass die Gaußiger bereits viermal sächsischer Landesmeister wurden. Unter den etwa 30 Auftritten im Jahr sind die Hubertusmessen im Herbst stets ein Höhepunkt. Aber auch auf der Grünen Woche in Berlin und in der Staatskanzlei in Dresden waren sie schon zu hören.

Nach 31 Jahren, rund 2 500 Übungsstunden und mehr als 1 000 Auftritten hat Arnold Buchhold nun die Leitung in jüngere Hände gelegt. Andrea Ende hat mit 16 bei der Berufsausbildung zum Forstfacharbeiter mit dem Jagdhornblasen angefangen. Nach dem Studium an der Forstakademie in Tharandt wurde sie durch einen Kommilitonen auf die Gaußiger Gruppe aufmerksam. Seit 1998 nimmt sie den Weg zur wöchentlichen Probe aus Steina bei Pulsnitz, wo sie wohnt, auf sich. Zudem kümmert sich die 42-Jährige, die im Kreisforstamt arbeitet, als Präsidiumsmitglied im Landesjagdverband um das jagdliche Brauchtum. Damit die Gaußiger Gruppe das noch recht lange pflegen kann, sind Neuzugänge erwünscht. Selbst wer auf dem Instrument noch nicht perfekt ist, sollte sich trauen. „Wir schicken niemanden weg“, sagt Andrea Ende. Bei Bedarf werden Einzelproben organisiert, ehe alle gemeinsam üben. Das hat auch Arnold Buchhold all die Jahre so gehandhabt.

Wissen weitergegeben hat er als Lehrer für Musik sowie Technik und Computer an vielen Schulen im Kreis Bautzen und darüber hinaus, zuletzt unterrichtete er am Gymnasium in Radeberg. Seit vorigem Jahr ist er Rentner – und trotzdem noch regelmäßig an drei Schulen anzutreffen. Dort weiht er Schüler in den Modellbau, ebenfalls ein Hobby von ihm , ein. Und einmal in der Woche geht’s dann abends noch mal in die Gaußiger Schule, zur Bläserstunde.

Wer Interesse am Jagdhornblasen hat, kann sich melden unter [email protected]