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Die Musikschule bleibt leer

Seit 17. März gibt es keinen Präsenzunterricht mehr für junge Musiker. Über Alternativen sprach die SZ mit der Leiterin der Musikschule, Kristin Haas.

Markus Kuhn, der Leiter des Musikschulbezirks Riesa-Großenhain, hat derzeit keine Schüler direkt vor sich. Doch Fernunterricht gibt auch er.
Markus Kuhn, der Leiter des Musikschulbezirks Riesa-Großenhain, hat derzeit keine Schüler direkt vor sich. Doch Fernunterricht gibt auch er. © Kristin Richter

Frau Haas, die Standorte der Musikschule des Landkreises sind wegen Corona geschlossen. Neben dem Unterricht für Trompeter oder Klavierspieler fällt auch die musikalische Früherziehung in den Kitas und Grundschulen aus. Wie reagieren die Musikschüler und ihre Eltern darauf? 

Es ist eine schwierige Situation, aber man muss gleich hinzufügen, dass nur 50 Prozent des Unterrichts ersatzlos ausfallen müssen: alle Gruppenangebote, zum Beispiel auch der Kindertanz, Jeki, Grundschulchöre sowie Gruppenunterricht im Instrumentalbereich und alle Ensembles, Bands und Orchester. Seit der Schließung haben viele Lehrer unserer Schule aber nach Möglichkeiten gesucht, den Schülern Unterricht auf anderen Wegen nahe zubringen - und dazu ist die Resonanz überwiegend sehr positiv.

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Wie lassen sich Alternativen für einen Unterricht organisieren, bei dem es auf unmittelbare Reaktion ankommt? 

Für die Einzelbetreuung und ausgewählten Kleingruppen-Unterricht haben die Lehrer verschiedenste Formen von virtuellem Fernunterricht gefunden. Der findet über Telefon, E-Mails, kleinen Video-Aufnahmen und deren Korrektur oder aber über Videochat-Formate statt. Wir erreichen mit diesen Unterrichtsformen circa 1.900 von kreisweit 4.300 Musikschülern. Beteiligt sind 140 von insgesamt 190 Lehrkräften. Voraussetzung war, dass das von den Eltern und Schülern ausdrücklich gewünscht wird.

Wie gestalten sich diese Alternativen? Es gehört ja auch Mut dazu, diese neuen Wege in schwierigen Zeiten zu beschreiten? 

Die Reaktionen der Eltern sind wie gesagt überwiegend ganz positiv. Da wird davon berichtet, wie schön es ist, dass die Kinder trotz der schwierigen allgemeinen Situation zu Hause musizieren und daraus Kraft schöpfen. Es ist von Struktur die Rede, die unser Unterricht gibt, von Fröhlichkeit und Mut machen. Dafür möchte ich mich bei allen Eltern, Schülern und Lehrern herzlich bedanken, damit wir die Kinder und Jugendlichen  durch die Musik weiterhin stärken können.

Die Musikschulgebühren laufen weiter, auch für Schüler, die derzeit keinen Unterricht bekommen. Wie sieht es mit Erstattungen aus? 

In welcher Höhe Gebühren für Unterrichtsformen berechnet werden und inwieweit Gebühren rückerstattet werden, hängt von der Dauer der Ausnahmesituation und den Regierungsbeschlüssen ab. Noch wissen wir nicht, ob in diesem Schuljahr noch "normaler" Unterricht möglich sein wird. So wie wir versuchen, unsere Schüler weiterhin zu begleiten, bitten wir die Eltern: Haben Sie Vertrauen und bleiben Sie an unserer Seite, wir werden eine akzeptable Lösung finden! 

Trotzdem gibt es auch Eltern, die diesen neuen Unterricht nicht annehmen wollen oder können, weil ihnen entweder die technischen oder aber auch die organisatorischen Möglichkeiten fehlen. Es gibt auch Familien, die schlicht schon mit der Organisation des Alltags in der jetzigen Situation so sehr gefordert sind, dass zusätzlich gar nichts geht. Und diejenigen, die weder über Internet noch einen Computer verfügen, gibt es natürlich auch. Die sind darüber überwiegend traurig.

Hat die Musikschule Technik für den neuartigen Unterricht angeschafft? 

Vonseiten der Lehrer findet der Unterricht ausschließlich auf deren privater Technik und von zu Hause aus statt. Auch das ist natürlich ein begrenzender Faktor. Für alle Kollegen die Technik anzuschaffen, hätte den ohnehin durch die zu erwartenden Einnahmeverluste sehr belasteten Haushalt der Musikschule völlig überfordert. Außerdem gab es viele technische Ausrüstungen, zum Beispiel Webcams, ja ziemlich schlagartig gar nicht mehr zu kaufen. Es bestand auch am Anfang die Hoffnung, bald wieder in den vertrauten Präsenzunterricht zurückkehren zu können. Dies scheint nun erst einmal nicht besonders wahrscheinlich. Deshalb wurde für das Kollegium der Musikschule ab 1. Mai eine 50-prozentige Kurzarbeit beantragt.

Dies betrifft aber nur die fest angestellten Kollegen. 

Die Honorarlehrer sind in einer deutlich schwierigeren Situation. Wenngleich die Musikschule vom ersten Tag an versucht hat, dies abzufedern. Indem sie ausdrücklich zu alternativen Unterrichtsformen ermutigt hat und diese den Honorarlehrern natürlich auch vergütet. Trotzdem unterrichten 50 von ihnen derzeit gar nicht, diese haben natürlich auch keinen Verdienst. 

Sie weisen auf der Internetseite der Musikschule explizit darauf hin, dass alle Videos und Tonmitschnitte internes Unterrichtsmaterial sind und nicht weiterverwendet werden dürfen – außer den inzwischen vier öffentlichen Wohnzimmerkonzerten.

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Ganz klar: Wir setzen mit allen diesen Angeboten auf Freiwilligkeit und Solidarität. Selbstverständlich können wir nicht kontrollieren, ob sich alle an die Auflagen halten, den Unterricht nicht für andere Zwecke mitzuschneiden. Das können wir nur hoffen.  Ich persönlich bin sehr stolz, dass wir unter derart widrigen Umständen einen nicht unerheblichen Teil unseres Unterrichtes, wenn auch auf völlig ungewöhnlichen Wegen, anbieten können. Übrigens: Jeden Freitag wird auf unserer Homepage ein neues Wohnzimmerkonzert eingestellt. Damit versuchen wir zusätzlich, ein bisschen Musikschulleben in die Familien zu bringen.

Das Gespräch führte Kathrin Krüger-Mlaouhia.

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