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Musizieren ist der Königsweg

Das neue Schuljahr ist drei Wochen alt. Auch an der Kamenzer Kreismusikschule ist der Unterricht angelaufen. Die Sächsische Zeitung sprach mit dem Leiter der musischen Einrichtung, Klaus Helbig, über Veränderungen, Pläne, Höhepunkte und Wünsche…

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Von Ina Förster

Musizieren ist der Königsweg einer umfassenden und guten Erziehung. 1 342 Eltern des Landkreises Kamenz sehen das so. Sie haben auch in diesem Schuljahr ihre Kinder wieder in die Kreismusikschule geschickt oder erst angemeldet. Gepaart mit musikalischem Geschick, Lust an schönen Tönen und freilich dem nötigen Talent, wird sich nach ein paar Jahren erweisen, ob sich die These für ihre Zöglinge vielleicht als richtig erweist.

Fest steht allerdings schon heute: Ohne die Kamenzer Musikschule wäre die hiesige Kulturlandschaft eindeutig ärmer! Und selbst wenn sich etwa 100 weniger Schülern als im Vorjahr angemeldet haben, freut sich Klaus Helbig über den Zulauf. Der Abbruch ist mit den gestiegenen Gebühren zu erklären. Zahlten Eltern einst 378 Euro pro Jahr für den Einzelunterricht ihres Kindes, so sind es seit kurzem 468 Euro! Im Gruppenunterricht gehen die Beispiele weiter: Anstatt 171 Euro muss man für einen Dreierunterricht mittlerweile 216 Euro berappen. „Wir haben einige böse Anrufe bekommen“, erzählt Helbig. Dabei ist er eigentlich in Sachen Preiserhöhung nicht der richtige Ansprechpartner. Beschlossen haben die Kreisräte diese wegen nötigen Sparmaßnahmen. In einer Sitzung Anfang Juni diesen Jahres äußerte der Musikschulleiter noch seine Besorgnis, dass er mit etwa 100 Abmeldungen zum neuen Schuljahr rechnet. Hoch schlugen die Wogen damals, leidenschaftlich wurde diskutiert. Am Ende kam man jedoch nicht an den Erhöhungen vorbei. Und was Klaus Helbig damals prophezeite, ist leider eingetreten. Trotzdem: „Wir stehen immer noch besser da, als manch andere Schule im Umkreis“, meint er. Den Kopf in den Sand stecken gilt also nicht. Im Gegenteil! Mit neuen Vorhaben geht es in die nächste Runde. „Der große Renner ist nach wie vor der Klavierunterricht: Gleich 291 Schülerinnen und Schüler versuchen sich auf dem Gebiet.“ Gefolgt wird dieser von den Gitarristen und den Blockflötisten. Andere Instrumente sind nicht ganz so frequentiert, wie gewünscht. Dafür gibt es beim Schlagzeug eine lange Warteliste, da der Lehrer die Wünsche nicht abdecken kann. Auch beim Gesang sieht es ähnlich aus. Die Qualität des Unterrichts hat sich herumgesprochen. „Es ist uns aber gelungen, erstmals einen Kontrabass-Schüler und zwei Waldhornisten zu finden“, freut sich Helbig. Nachmeldungen in den schwach besetzten Fächern sind übrigens jederzeit möglich. Vor allem wird Nachwuchs fürs Blasorchester gesucht.

Die Höhepunkte des Schuljahres stehen schon jetzt fest. An diesem Wochenende läuft der erste auf dem Radeberger Schloss Klippenstein über die Bühne. Von 14 bis 17.30 Uhr laden Schüler aus allen Haupt- und Außenstellen zum Historischen Musik(schul)Fest ein. Ebenfalls auf Klippenstein bitten die Lehrer am 17. Oktober zum Konzert für Flöte und Klavier. Die Premiere des Musicals mit Tanz, Gesang und dem Schulorchester „Der Wolf und die sieben Geißlein“ steht am 23. November in Kamenz an. Für den November und Dezember sind natürlich wieder zahlreiche Weihnachtskonzerte geplant, und im kommenden Jahr soll es ein großes Sommerfest vor der Musikschule geben. Ein Wunsch wird alle dabei durchs Jahr begleiten: „Möge nirgendwo in Deutschland eine Musikschule dem Rotstift zum Opfer fallen. Hochsubventionierte Musikfestivals sind das eine, die Erziehung des künftigen Konzertpublikums ist aber mit Sicherheit genauso notwendig“, so Helbig.