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Stadtrat soll über Muskatorpläne beraten

Zuletzt war es still um Riesas prominenteste Industriebrache. Doch hinter den Kulissen laufen die Planungen weiter.

Blick aus der Luft auf das Mischfutterwerk in Riesa. Im Herbst will die Stadt konkretere Pläne für das Areal zur Debatte stellen.
Blick aus der Luft auf das Mischfutterwerk in Riesa. Im Herbst will die Stadt konkretere Pläne für das Areal zur Debatte stellen. © Lutz Weidler

Riesa. Jahrzehntelang tat sich nichts rund um das Gelände am ehemaligen Mischfutterwerk in Riesa - bis im Sommer 2019 Investor Michael Andris auf den Plan trat. Im Gespräch mit der SZ hatte der Karlsruher erklärt, er wolle das Gelände kaufen und aufwerten. Von teils spektakulären Plänen war damals die Rede, gar von Wohnungen auf den Silos. 

Ein gutes Jahr später ist es augenscheinlich ruhig geworden um das Areal. Hinter den Kulissen wird aber weiterhin für die Zukunft der weithin sichtbaren Industriebrache gearbeitet. Michael Andris selbst will sich nicht näher zum aktuellen Stand äußern. Er bestätigt aber, es habe vor nicht allzu langer Zeit eine Ausschusssitzung gegeben, in der er zugegen war. Die Sitzung, in der er noch einmal über das Vorhaben sprach, verlief aber offenbar nicht nach jedermanns Geschmack. 

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Skepsis bei Stadträten

Stattdessen war mancher Stadtrat im Nachgang skeptischer geworden. "Zuletzt erklärte Herr Andris, er wolle sich nur auf den Maschinenturm konzentrieren", erklärt Linke-Chefin Uta Knebel. Sie fürchtet, dass die Immobilie für den Unternehmer nur ein Mittel zur Steuerabschreibung sein könnte, er den Turm für Gewerberäume fit macht - und der Rest des Grundstücks weiter verfällt. Das wäre problematisch. Schließlich ist es ein erklärtes Ziel der Riesaer Innenstadtplanung, das Gelände in Richtung Elbe zu öffnen, sprich: einen Teil der alten Gebäude abzureißen.

Gunnar Hoffmann (Gemeinsam für Riesa) erklärt, es freue ihn grundsätzlich, dass sich überhaupt jemand für das Gelände interessiert. "Aber ich fände es schade, wenn es der Stadt nicht weiterhilft." Was man nicht brauche, sei eine private Investition, über die jemand einfach nur Steuern sparen will. Auch der Ausbau des Maschinenturms sei schon eine Entwicklung. Er habe aber die Sorge, dass es dabei bleiben könnte, sagt Hoffmann. Ehe es soweit kommt, solle die Stadt vielleicht noch einmal neu denken, ob man - vielleicht durch weitere Unterstützung vom Freistaat - die Flächen nicht doch selbst entwickeln könne. Geld sei über das SOP-Förderprogramm ja vorhanden. Stand jetzt sei das aber "alles bisschen Wunschdenken", räumt er ein. 

Deutlich weniger pessimistisch wird im Riesaer Rathaus die Lage beurteilt. Erst Anfang des Monats hatte die Stadt im Rahmen des SOP-Programms eine Umfrage unter Grundstückseigentümern gestartet. Diese Befragung richte sich auch an die derzeitigen Muskator-Eigentümer, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler. "Derzeit erarbeitet das Leipziger Büro DNR verschiedene Varianten für die Umgestaltung. Im Herbst dieses Jahres sollen sie in der Öffentlichkeit vorgestellt werden und natürlich auch der Stadtrat darüber beraten.

Gleise am Elbufer sollen weg

Konkret geht es dabei allerdings nicht um die Gebäude auf dem Gelände, sondern in allererster Linie um das Land am Elbufer. "Dabei handelt es sich nicht nur um den Bereich direkt unterhalb von Muskator, sondern um die bedeutende Fläche von 2,5 Hektar, das erstreckt sich bis fast zur Eisenbahnbrücke." Im Herbst will die Stadt deshalb mit dem jetzigen Eigentümer verhandeln. Wichtig ist das Gelände schon allein deswegen, weil dort eine neue Trasse für den Elberadweg entlangführen soll - aber nicht nur, wie der Stadtsprecher betont: "Ein umweltgerechter, nachhaltiger Effekt der Entwicklung des gesamten Areals ist auch eine erhebliche Entsiegelung der Flächen, insgesamt zu rund 50 Prozent, an der Elbe sogar deutlich mehr. Dazu müssten unter anderem die Gleisanlagen entwidmet und zurückgebaut werden."

Außerdem erhofft sich die Stadt, die denkmalgeschützte Kaimauer teilweise instand setzen zu können. Die Mitarbeiter der Riesaer Stadtverwaltung seien deshalb bereits in intensiven Gesprächen mit den Denkmalbehörden. Das gelte übrigens auch für andere Objekte innerhalb des ehemaligen Betriebsgeländes, zum Beispiel für die historischen Speichergebäude. Für die hatte Investor Michael Andris schon im Sommer 2019 keine konkreten Pläne. Ein Umbau, etwa zu Wohnungen, sei kaum effizient hinzubekommen, deutete er damals an. 

"Erheblicher Betrag" für Muskatorgelände eingeplant

Mit dem Fördergeld aus dem SOP-Programm könnte sich aber auch aus den anderen Gebäuden etwas machen lassen. 4,8 Millionen Euro stehen in Summe zur Verfügung, und laut Uwe Päsler sei ein "erheblicher Betrag davon" allein für die Revitalisierung des Bereichs an der Elbe vorgesehen. Bei allem Optimismus bremst die Stadtverwaltung aber auch ein wenig: "Man muss sich dennoch bewusst sein, dass die Entwicklung dieses für Riesas Stadtentwicklung herausragenden Bereiches immer nur in Schritten erfolgen kann", heißt es aus dem Rathaus. Daher müsse man in längeren Zeiträumen denken. Das SOP-Programm jedenfalls läuft insgesamt sechs Jahre - von 2020 bis 2025. 

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