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„Muss man denn feiern, wenn man älter wird?“

Am Sonnabend hat Schlagerstar Chris Doerk Geburtstag – und steht in Freital auf der Bühne im Kulturhaus.

© PR

Freital. Es kam alles ganz anders“, sang Chris Doerk im April vor 51 Jahren, es war ihre erste Single bei Amiga, und es wurde gleich der erste Hit für die damals 25-jährige Schlagersängerin. Der Text ist von Dieter Schneider, die Komposition stammt von Arndt Bause, der mit mehr als 1 300 Liedern die Tanzmusik im Osten der Republik wie kaum ein anderer prägte. Von den frühen Sechzigerjahren an versorgte er bis in das neue Jahrtausend hinein die hiesige Schlagerbranche mit einprägsamen Melodien. Viele davon wurden zu Hits.

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Wie für Chris Doerk, deren Karriere 1967 mit Bauses Lied so richtig Fahrt aufnahm. Die aus Königsberg stammende und in Böhla bei Großenhain aufgewachsene Künstlerin wurde zum Star. Sie und ihr damaliger Mann Frank Schöbel, als Schlagersänger nicht minder erfolgreich, galten als Traumpaar. Als sie sich 1974 trennten, komponierte ihr Arndt Bause das Abschiedslied „Die Erinnerung bleibt“.

Nun kommt Chris Doerk am Sonnabend nach Freital, um im Stadtkulturhaus mit Kollegen wie Gojko Mitic und Klaus Beyer den 2003 verstorbenen Bause mit einer Gala zu ehren.

Ihr erstes Mal

Ihren ersten richtigen öffentlichen Auftritt hatte Chris Doerk als Jugendliche in Böhla bei Großenhain, wo sie aufgewachsen ist. „Ich stand auf einem Tisch in einem selbstgenähten Kleid mit Petticoat darunter. Unter mir saß ein Zitherspieler, der mir dauernd unter den Rock guckte“, erinnert sie sich lachend. Dann sang sie nicht etwa einen peppigen Schlager, sondern die heimliche Hymne der Erzgebirgler: Anton Günthers „Schneeschuhfahrermarsch“. „Der gefiel mir irgendwie“, sagt sie. Und überraschte damit fünfzig Jahre später auf der Chris-und-Frank-Tour ihr Publikum im Erzgebirge, das textsicher mitsang. (SZ/th)

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Frau Doerk, Sie haben am Sonnabend Geburtstag und stehen dennoch in Freital auf der Bühne. Würden Sie nicht lieber zu Hause in Kleinmachnow feiern?

Ich bin kein Geburtstagsmensch. Muss man denn feiern, wenn man immer älter wird? Manche sagen, sie feiern, weil sie so alt geworden sind. Oder dass sie überhaupt noch leben. Ich finde das alles blöd.

Dann können Ihnen ja die Kollegen auf der Bühne ein Ständchen singen ...

Hoffentlich nicht!

Waren Sie schon einmal in Freital?

Ich habe lange überlegt, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern. Möglich wäre es schon, ich bin ja mit eigener Gruppe durch die Lande gezogen. Vielleicht ist es tatsächlich das erste Mal, das wissen die Freitaler besser als ich.

Sagt Ihnen denn die Stadt oder der Name Freital irgendetwas?

Es ist Freital bei Dresden, das weiß ich.

Leider ist Freital ja derzeit bundesweit vor allem negativ in den Schlagzeilen, wegen des Prozesses um eine mutmaßliche rechte Terrorgruppe. Davon haben Sie noch nichts gehört?

Nein, aber das ist natürlich furchtbar. Ich bin gegen jede Art von Extremismus.

Was ja gut zu den Schlagern von Arndt Bause passt, in denen es eher nicht um politische Positionen geht. Welche Bedeutung hat Bause für Sie?

Er war einer der besten Schlagerkomponisten der DDR, und einer der fleißigsten. Arndt Bause hat mir einige meiner erfolgreichsten Lieder geschrieben.

Welche werden Sie in Freital singen?

Das soll eine Überraschung werden.

„Die Erinnerung bleibt“ wäre doch passend als Ehrung, oder?

Ja, die „Erinnerung“, zu der Dieter Schneider den Text geschrieben hat, ist als Fragment dabei. Das Lied entstand nach meiner Scheidung von Frank Schöbel. Bause und Schneider dachten, dann läuft es wie verrückt. Aber „Schnulzen“ laufen immer, und das ist wirklich eine schöne Ballade.

Singen Sie denn gerne Balladen?

Gefühlvolle Songs mag ich auch sehr. Aber ich singe eher die Losgeher und Popsongs, wie sie auf meiner aktuellen CD „Nur eine Sommerliebe“ zu finden sind.

Das Cover zeigt Sie mit einer Baskenmütze. Das Kleidungsstück ist eines Ihrer Markenzeichen, oft noch vorn mit einem Stern verziert, was an den Revolutionär Che Guevara und Kuba erinnert. Was hat es damit auf sich?

Also, ich liebe Sterne einfach als modische Zutat an meiner Kleidung, das habe ich schon als Kind gemocht. Andererseits hatte ich die schönsten Momente meiner beruflichen Karriere in Kuba. Ich hatte dort ein Publikum, das war einfach zum Küssen.

Wann waren Sie das erste Mal dort?

Das war 1970 beim Festival Varadero, einer Art internationalem Sängerwettstreit, aber ohne Preise. Es wurden nur zwei Publikumslieblinge gekürt. Bei den Männern gewann Karel Gott, bei den Frauen ich. Dann kam ich immer wieder nach Kuba.

Haben Sie auch mal mit Fidel Castro persönlich gesprochen?

In Kuba nicht, ich lernte ihn schon eher bei einem Auftritt in Berlin kennen. Wir sprachen, mittels Dolmetscher, eine gute halbe Stunde miteinander. Er war sehr sympathisch, und er sicherte mir seine Unterstützung zu, sollte ich in Kuba in Schwierigkeiten geraten. Aber ich musste seine Hilfe nie in Anspruch nehmen.

Sind Sie noch regelmäßig in Kuba?

Ich war lange nicht da. Es ist ziemlich teuer. Zunächst will ich lieber nach Neuseeland zu meinem Sohn Alexander, der dort seit vierzehn Jahren lebt.

Ist er auch Sänger oder Musiker?

Nein, er hat eine eigene Radioshow und leitet den Sender mit. Ich bin eine Zeit lang mit ihm aufgetreten, aber er sieht seinem Vater sehr ähnlich. Alle Welt bejubelte ihn vor allem als den kleinen Frank Schöbel. Das wollte er nicht und ich auch nicht.

2008 sind Sie das erste Mal nach mehr als dreißig Jahren der Trennung wieder mit Frank Schöbel auf Tour gegangen. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie das Angebot annehmen?

Nein, warum auch? Ich kann Privates und Berufliches klar trennen. Die Entscheidung habe ich nicht bereut, als einstiges Traumpaar hatten wir ein großes und dankbares Publikum. Aber mit Chris und Frank ist es nun auch beruflich endgültig vorbei.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Ich mache keine Pläne, das habe ich noch nie gemacht, da wird man nur enttäuscht. Manches ist in Arbeit, darüber kann ich sprechen. Ich habe ein Weihnachtslied für mein erstes Enkelkind aufgenommen, das heißt „Mein Schaukelpferd“, und einige neue Lieder geschrieben. Die sind mir, finde ich, sehr gut gelungen, die hätten vielleicht sogar Arndt Bause gefallen.

Das Gespräch führte Thomas Morgenroth.

„Singen macht Laune II“, eine Arndt-Bause-Gala, Kulturhaus Freital, 24. Februar, 17 Uhr; Tickets ab 16,50 Euro an der Kulturhauskasse, Telefon 0351 65261822.