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Mutmaßlicher Geldfälscher angeklagt

Die Dollarnoten aus Zittau waren für die Ukraine bestimmt. Nach der Festnahme im November soll der Fall nun verhandelt werden.

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Von Mario Heinke

Zittau. Die Staatsanwaltschaft Görlitz hat das Ermittlungsverfahren gegen den mutmaßlichen Geldfälscher aus Zittau abgeschlossen und Anklage bei der Großen Strafkammer des Landgerichts Görlitz erhoben. Dem 65 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, ab Mitte 2012 bis Anfang Oktober 2014 mindestens 500 falsche US-Dollar-Noten zum Nominalwert von 50 000 US-Dollar hergestellt zu haben.

Der Zittauer geriet als Mitglied eines Geldfälscher-Rings, der im Grenzgebiet operierte, ins Visier der Fahnder. Er wurde im November vergangenen Jahres von einem Sondereinsatzkommando in seiner Wohnung in der Zittauer Stephanstraße 14 festgenommen. Der Einsatz sorgte in der Stadt für großes Aufsehen, fast 250 Beamte sollen daran beteiligt gewesen sein. Die Fälscherwerkstatt des Rentners ließ die Experten von Bundesbank und tschechischer Nationalbank die Augenbrauen heben. Die Ausrüstung und noch mehr das Ergebnis sei von bester Qualität, für normal Sterbliche nicht von echten Banknoten unterscheidbar, äußerten die sächsischen und tschechischen Ermittlungsbehörden.

Über Monate verfolgten die Ermittler das Treiben der Verdächtigen. Anfang Oktober gelang es der tschechischen Polizei die erste Geldlieferung in Höhe von 50 000 Dollar abzufangen. Das Geldpaket sei für 12 000 Euro angeboten worden, so die Ermittler. Am 17. November kam es dann zum Großeinsatz in Zittau, Decin und Usti nad Labem, bei dem ein 55-jähriger Tscheche und ein 50-jähriger Deutscher bei der Übergabe von 100 000 US-Dollar festgenommen wurden. Auf den in Tschechien inhaftierten Deutschen und seinen tschechischen Kompagnon wartet ein Prozess im Nachbarland, wo beiden eine Strafe zwischen acht und zwölf Jahren droht.

In Deutschland drohen dem Rentner zwei bis 15 Jahre Haft. Der Tatvorwurf umfasst die Übergabe von 1 033 Stück gefälschten 100-Dollarnoten an einen deutschen Staatsangehörigen zum Zwecke der Veräußerung an einen tschechischen Staatsangehörigen, die illegale Herstellung von insgesamt 1 533 Stück 100-Dollar-Noten sowie die gewerbs- und bandenmäßige Geldfälschung in zwei Fällen.

In dem Haus des mutmaßlichen Geldfälschers in der Stephanstraße befand sich im hinteren Teil bis in die 1990er Jahre ein Blechverarbeitungsbetrieb. Nach Aussage einer Nachbarin habe es in der Vergangenheit schon Razzien der Polizei gegeben. Damals soll es um Rauschgift und Autoschiebereien gegangen sein.