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Mutter Birnbaum springt vom Sockel

Spremberger Originale sind nationale Kultfiguren – beim Heimatfest sogar in natura.

© Foto: Beowulf Kayser

Von Beowulf Kayser

Spremberg. Sie sind bekannt wie Berlins Eckensteher Nante, Zickenschulze aus Bernau oder Fritze Bollmann aus Brandenburg an der Havel: Die Rede ist von Hauptmann Lauermann, dem Robin Hood der Lausitz, und seiner 14-köpfigen Räuberbande, dem Spaßvogel Harri Piel, der Marktfrau Mutter Birnbaum und dem Nachtwächter Kulke.

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Den historischen Kultfiguren der rund 22 000 Einwohner zählenden Südbrandenburger Stadt an der Spree widmet gegenwärtig nicht nur das Niederlausitzer Heidemuseum im Spremberger Kulturschloss bis zum 15. September eine bisher viel beachtete Sonderausstellung. „Den sagenumwobenen und zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Volkstypen wurden in der Stadt auch markante Denkmale gesetzt“, sagte Kulturmanagerin Cornelia Hansche dem Tageblatt. Beim Spremberger Heimatfest am letzten Wochenende sprangen sie sogar wieder einmal von ihrem Sockel und sorgten für gute Laune und auch derbe Späße in der „Perle der Lausitz“. Man konnte sie beim großen Festumzug durch die Stadt und auch noch bei verschiedenen anderen Anlässen bewundern.

Den einst mit Schimpf und Schande wegen der unstatthaften Liebe zu einer Tuchhändlertochter aus dem Rathaus geworfenen Stadtschreiber Heinrich Oswald Lauermann verkörpert dabei seit mehr als zwei Jahrzehnten der Spremberger Frank Meisel. Der Reisebürochef und Vorsitzende des städtischen Landesgartenschau-Vereins kommt als fiktive Romanfigur des Schriftstellers Victor von Falk jeweils zum Heimatfest als Räuberhauptmann Lauermann aus seinem Versteck und treibt mit seiner Bande sein Unwesen in der Stadt.

Das von den Sprembergern als Stadtschelm mit dem Spitznamen „Harri Piel“ bedachte Original verkörpert seit 1986 Dr. Jürgen Hübner. Der Vorsitzende des MC Spremberg erscheint jeweils im schwarzen Frack mit schwarzer Fliege, Zylinder und weißen Handschuhen. Ab und zu hat er eine Schubkarre oder einen Kinderwagen dabei. Mit diesen Transportmitteln soll er damals unter reger Anteilnahme der Bevölkerung die für seine deftigen Streiche verhängten Geldstrafen, in Pfennigstücken erlegt, auf die Polizeiwache kutschiert und dort auf dem Fußboden ausgekippt haben.

Den musikalischen Nachtwächter Kulke gibt seit zehn Jahren der Lehrer und Sänger Hagen Rittel aus dem Spremberger Ortsteil Haidemühl.

Zu den bekanntesten und beliebtesten Volkstypen zählt Mutter Birnbaum. In ihre Rolle sollen sogar ab und zu Männer geschlüpft sein. Seit einiger Zeit wird sie von der ehemaligen Spremberger Spreenixe und Kindergartenchefin Andrea Ruhner als die immer freundliche Marktfrau mit klugen Ratschlägen und den Spremberger Neuigkeiten dargestellt. Sie hat übrigens, genau wie Nachtwächter Kulke, auf dem Rainer-Scheudeck-Platz eine Bronze-Statue – die bei ihrer Premiere nicht nur Begeisterung bei den Sprembergern auslöste. Denn die Mutter-Birnbaum-Bronze von Heinrich Weid (Baruth) ist auf den ersten Blick tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, denn ihr wiewohl „sprechendes“ Kleid aus lauter Birnen täuscht etwas darüber hinweg, dass sie um 1900 beileibe nicht nur Birnen auf dem Markt verkauft hat, sondern tatsächlich so hieß: Wilhelmine Birnbaum. Mittlerweile haben die Spremberger ihren Frieden mit der im Dezember 2003 eingeweihten, 540 kg schweren Birnbaumbronze gemacht – und einen kurzen Stopp auf dem Rainer-Scheudeck-Platz ist sie, siehe oben, Durchreisenden allemale wert.

38 000 Gäste feierten in der „Perle der Lausitz“

Spremberg. Das Heimatfest am vergangenen Wochenende lebt(e) vor allem von den Angeboten und der Unterstützung von Vertretern aus Vereinen, Einrichtungen, Firmen, Gewerbetreibenden ... Dieses Selber-Machen ist seit vielen Jahrzehnten Markenzeichen des Spremberger Heimatfestes und unterstreicht das Motto „Von Sprembergern – für Spremberger und ihre Gäste“.

„Es ist nicht selbstverständlich, einen Veranstaltungsbereich eigenständig zu organisieren, einen Programmpunkt abzusichern, aktiv als ehrenamtlicher Helfer in den verschiedenen Bereichen dabei zu sein oder einen finanziellen Beitrag zum Fest beizusteuern“, heißt es seitens der Stadtverwaltung Spremberg, die sich bedankt – und noch ein paar Zahlen nachreicht: (red/JJ)

Das Spremberger Heimatfest in Zahlen

12 Studenten aus Mexiko, Italien, Russland, Algerien, Südkorea, Deutschland besuchten das Fest.

22 Bilder wurden von Spremberger Vereinen und Musikkapellen für den Festumzug gestaltet.

25 Hoheiten und ehemalige Spreenixen aus nah und fern besuchten Spremberg am Sonntag.

Ca. 100 Gäste kamen aus der Partnerstadt Szprotawa nach Spremberg.

Ca. 450 Stunden unterstützten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in verschiedenen Bereichen, wie das Kinderfest, im Stadtpark am Bismarckturm, am Schwanenteich und an den Bühnen.

Ca. 1 000 Einsatzstunden leisteten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, der Jugendfeuerwehr, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Sanitätsdienst und des Wachschutzes im gesamten Festgelände und sorgten somit für ein ruhiges und friedliches Fest.

Ca. 1 100 Stunden wurden für die Organisation und Durchführung des Festes von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung geleistet.

Ca. 12 880 m² Fläche wurden für die Aktivitäten zum Heimatfest genutzt.

Ca. 38 000 Besucher feierten friedlich ihr Spremberger Heimatfest.

Spremberger Stadtwette bringt unglaubliche Spende

Spremberg. Die Schausteller des Rummels auf dem Heimatfest am Wochenende vom 8. bis 12. August haben die Stadtverwaltung Spremberg mit folgender Wette herausgefordert: „Wetten, dass ihr es nicht schafft, 192 Personen in mittelalterlicher Kleidung vor dem Riesenrad zusammenzubekommen?“ Das war natürlich eine ziemliche Aufgabe, und die Schausteller konnten nicht unbegründet siegesgewiss sein.

Eine Riesenradbelohnungsrunde
Tatsächlich gewann die Stadtverwaltung diese Herausforderung: Es erschienen genügend mittelalterlich Kostümierte, um die geforderte Anzahl locker zu überbieten. Zur Belohnung durften die kostümierten Wettteilnehmer eine Runde mit dem Riesenrad fahren. Aber natürlich ging es nicht (nur) darum, den engagierten Sprembergern eine Freifahrt zu ermöglichen, sondern die Stadtwette hat einen sozialen Hintergrund. Diese Stadtwette ist ein Teil des diesjährigen Heimatfestes, bei der ein bestimmter Betrag von dem Verlierer an eine gemeinnützige Organisation gespendet wird. Die Stadtverwaltung Spremberg hat sich in diesem Jahr entschieden, dass die Spende an den Verein „Herzenswünsche Oberlausitz e. V.“ gehen soll.

Aus 300 mach 2 400
Die Schausteller, als so gesehene Verlierer, legten zunächst eine Summe von 300 Euro fest. Nach kurzen Ausführungen der Stadtverwaltung, was der Verein macht und welche Ziele er verfolgt, wurde die Summe durch die Schausteller und einige Firmen nochmals erhöht; im Endergebnis sogar verachtfacht!. „Am Ende konnte uns eine unglaubliche Spende in Höhe von 2 401,57 Euro übergeben werden“, freute sich Silko Hoffmann, der Vorsitzende des „Herzenswünsche Oberlausitz e. V.“, der schwerkranken Kindern und Jugendlichen eben jene Herzenswünsche erfüllt und dabei vor allem auf Spenden angewiesen ist. „Kinderaugen zum Leuchten zu bringen ist das Schönste, was wir erreichen können“, lautet das Vereins-Motto. „Wir möchten uns im Namen aller schwerkranken Kinder und Jugendlichen bei den Schaustellern, den Mitarbeitern der Stadtverwaltung Spremberg, den Firmen und Bürgern für diese großzügige Spende bedanken“, erklärte Hoffmann bei der Übergabe der Spende.

Vorschläge sind erwünscht
Wer mehr über den Verein erfahren möchte oder ein schwerkrankes Kind oder einen schwerkranken Jugendlichen kennt, welchem der Verein einen Herzenswunsch erfüllen sollte, der kann sich im Internet (Adresse unten) informieren. (AdA/red/JJ)
Herzenswünsche Oberlausitz e. V.: Prof.-Wagenfeld-Ring 130 in 02943 Weißwasser,
Tel. 0172 3552814, [email protected], herzenswuensche-ol.de

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