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„Mutter, Dein Ja“

Noch heute finden sich Parolen zum einzigen Volksentscheid der DDR aus dem Jahr 1946 an Zittauer Mauern.

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Zittau. Nach Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1946 lautete einer der ersten Parteivorschläge, alle Betriebe von Kriegsgewinnlern und Naziaktivisten entschädigungslos zu enteignen und in Volkseigentum umzuwandeln. Die im antifaschistisch-demokratischen Block zusammengefassten Parteien CDU, LDPD, NDPD und die Einheitsgewerkschaft stimmten diesem Vorschlag einhellig zu. Am 30. Juni vor 69 Jahren kam es auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone deshalb zu einem Volksentscheid. Kein weiterer sollte folgen.

Mit weißer Farbe von der Luftschutzkeller-Markierung schrieb man in Zittau Parolen, wie „Mutter, Dein Ja zum Volksentscheid“ oder „Umsiedler, stimmt Ja“ an Mauern und Wände. Diese Schriftzüge sind bis heute lesbar in der Äußeren Oybiner Straße an einer Basaltmauer und in der Goethestraße an einer Klinkermauer. Viele weitere sind in der Zwischenzeit verblichen, abgekratzt oder übermalt worden.

Ein Abstimmungslokal für den Volksentscheid war das Hotel „Schwarzer Bär“. Das Ergebnis im gesamten damaligen Kreis Zittau: Von 77 541 Wahlberechtigten beteiligten sich 75 012, 59 501 stimmten mit dem erwünschten „Ja“. Ohne Volksentscheid wurde dagegen mit Befehl Nr. 167 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 5. Juni 1946, also knapp einen Monat zuvor, festgelegt, dass über 200 Großbetriebe auf dem Gebiet der sowjetisch besetzten Zone in sowjetisches Eigentum überführt wurden. (brt)

Nächste Woche: Warum der kleine Vorstandbahnhof so ein großes Bahnhofsgebäude und sogar einen Tunnel hat.

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